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Scheinbare Idylle: Der östliche Teil der Siedlung Eutinger Tal soll laut dem Willen der Stadt erhalte bleiben. Die Häuser sind sanierungs- bedürftig.
22.04.2010

Obdachlosensiedlung im Eutinger Tal soll schrumpfen

PFORZHEIM. Die Obdachlosen-Siedlung Unteres Enztal soll verkleinert werden. Dafür hat die Mehrheit der Stadträte im Jugendhilfe- und Sozialausschuss plädiert. Die Stadtbau als Eigentümer soll ein Konzept zur Sanierung erarbeiten.

Bildergalerie: Obdachlosensiedlung im Unteren Enztal

Bürgermeister Alexander Uhlig hat eine Grundsatzentscheidung zur Zukunft der Notunterkünfte erwirkt. Die Mehrheit der Stadträte hat gestern dem Gemeinderat eine Verkleinerung und Sanierung der Siedlung empfohlen.Die Stadträte wollen in einer weiteren Runde Einzelheiten beraten.

Mittelfristig sollen alle Eingewiesenen, die woanders leben können, mit Hilfe eines Sozialarbeiters aus dem Eutinger Tal wegziehen. Er ist seit November sechs Stunden pro Woche in der Siedlung unterwegs. Die Idee, das Wichernhaus als Träger der Obdachlosenhilfe in der Siedlung zu verankern, wurde im Laufe der lebhaften Diskussion verworfen. Die Stadtbau soll nun ein Konzept vorlegen, wie eine stufenweise Verkleinerung der Unterkünfte aussehen könnte. Während CDU-Stadtrat Rolf Constantin die Siedlung für unverzichtbar hält, sprach sich SPD-Stadtrat Helmut Metzger für eine dezentrale Unterbringung der Menschen aus, die sich in akuter Not befinden. „Wenn wir wollen, dass Bürgersinn entsteht, brauchen wir mehre Unterbringungsmöglichkeiten in der Stadt verteilt“. Gerhard Hager (Freie Wähler) sagte: „Die Stadtbau sollte ihre Verantwortung als Bauträger künftig ernster nehmen.“

„Die Siedlung muss weg“

Während Monika Descharmes (FDP) keine Vermischung der Klientel des Wichernhauses mit der Klieentel des Unteren Enztals befürwortete und somit den Standortwechsel des Wichernhauses ablehnte, forderte Renate Thon (Grüne Liste): „Die Siedlung muss weg. Wir sollten den Mut haben, den Standort aufzugeben.“ Diese Forderung unterstützt Claus Spohn (Die Linke). Wolfgang Schulz (WIP) sprach sich für mehr aufsuchende Hilfe aus. Ute Hötzer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, nannte es ein „politisches Versagen, über Generationen Menschen in der Obdachlosigkeit leben zu lassen“. Es würden über Generationen Hartz-IV-Empfänger herangezogen. „Dort könnten wir etwas gegen die explodierenden Sozialkosten tun, indem wir die Siedlung auflösen.“ Sie sei ein Armutszeugnis für die Stadt.