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Nicht überall wird es am Freitag so besinnlich zugehen wie auf dem Marktplatz beim zentralen Gedenken, das 2017 gut 400 Menschen vereinte.  Foto: Ketterl, PZ-Archiv 

Oberbürgermeister Boch will ein Umdenken zum 23. Februar

Pforzheim. Mit einer Pressemitteilung hat Oberbürgermeister Peter Boch am Dienstag Reaktionen von Unverständnis bis Wut ausgelöst. Darin präsentierte er seine Vorstellungen zum Gedenken der Zerstörung Pforzheims im Zweiten Weltkrieg am 23. Februar 1945. Die Stadt werde die Veranstaltungen im Rahmenprogramm inhaltlich wieder auf das Gedenken an die fast 18.000 Opfer des Bombenangriffs, konzentrieren, heißt es in dem Schreiben. „Dass wir den unerträglichen Fackelaufmarsch auf dem Wartberg ablehnen, ist eine Selbstverständlichkeit“, so der Rathauschef.

Mahnwache von Rechtsextremisten und linke Gegendemonstration - kann Oberbürgermeister Peter Boch das Gedenken an die Bombardierung Pforzheims am 23. Februar 1945 grundlegend verändern?
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„Gerade am Gedenktag zum 23. Februar sollten wir jedoch diesen Aktivitäten nicht zusätzliche Aufmerksamkeit schenken, indem wir unsere eigenen Veranstaltungen auch noch daran ausrichten.“ Dies habe in der Vergangenheit „erst recht mit dazu beigetragen“, dass zusätzlich Mitglieder sowohl des links- als auch rechtsextremen Lagers angezogen wurden und es teilweise zu „chaotischen und unwürdigen Szenen“ gekommen ist.

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Mehr als 900 Polizisten am 23. Februar im Einsatz

Seine Vorstellungen hatte der OB zuvor im Arbeitskreis „23. Februar“ vorgestellt, der unter anderem aus Vertretern von Kirchen, Kultur, Politik und Gesellschaft besteht – die der Rathaus-Chef nun ordentlich gegen sich aufgebracht hat. Denn: Mit der Entpolitisierung gefährde Boch den breiten gesellschaftlichen Konsens, so beispielsweise der stellvertretende katholische Dekan Georg Lichtenberger. 23. Februar – das bedeute auch, über das von Nazi-Deutschland verursachte Zurückschlagen zu reflektieren, um Lehren für die Zukunft zu ziehen. Lichtenberger: „Wehret den Anfängen“ – das habe man Boch eindringlich klargemacht.

Was Boch vorhabe, „wären viele Schritte zurück“, so die Regions-Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Susanne Nittel. Sie wundert sich, wie schnell Boch in der Öffentlichkeit vorgeprescht sei: Am Abend zuvor habe er noch versprochen, „alle Eindrücke zu reflektieren“.

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Pforzheim gedenkt der Opfer des 23. Februar 1945

Lesung 23. Februar Kepler 4
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Friedliche Gedenkveranstaltungen zum 23. Februar