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Oberbürgermeister Peter Boch auf die Kritik reagiert.
Oberbürgermeister Peter Boch auf die Kritik reagiert.
Vor einem Jahr kannte in Pforzheim noch so gut wie niemand den Namen Peter Boch. Am 28. Januar stellten der frühere Ministerpräsident Stefan Mappus (links), dessen Personenschützer Boch als Polizist bis 2011 gewesen war, und der CDU-Kreisvorsitzende Gunther Krichbaum ihren OB-Kandidaten vor.  Ketterl
Vor einem Jahr kannte in Pforzheim noch so gut wie niemand den Namen Peter Boch. Am 28. Januar stellten der frühere Ministerpräsident Stefan Mappus (links), dessen Personenschützer Boch als Polizist bis 2011 gewesen war, und der CDU-Kreisvorsitzende Gunther Krichbaum ihren OB-Kandidaten vor. Ketterl
Im Herbst stellten OB Peter Boch und Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler erste überarbeitete Pläne der Bieter vor, nächste Woche folgen neue. Foto: Ketterl
Im Herbst stellten OB Peter Boch und Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler erste überarbeitete Pläne der Bieter vor, nächste Woche folgen neue. Foto: Ketterl
Wird Dirk Büscher (links) künftig insbesondere die Akten der Stadtkämmerei wälzen? Oberbürgermeister Peter Boch will Büscher zum Finanzbürgermeister machen. Sibylle Schüssler (rechts) bleibt demnach klassische Baubürgermeisterin, und der Zuschnitt des Sozialdezernats ändert sich auch nach Monika Müllers Weggang nicht. Foto: Ketterl, PZ-Archiv
Wird Dirk Büscher (links) künftig insbesondere die Akten der Stadtkämmerei wälzen? Oberbürgermeister Peter Boch will Büscher zum Finanzbürgermeister machen. Sibylle Schüssler (rechts) bleibt demnach klassische Baubürgermeisterin, und der Zuschnitt des Sozialdezernats ändert sich auch nach Monika Müllers Weggang nicht. Foto: Ketterl, PZ-Archiv
29.12.2017

Oberbürgermeister Peter Boch: „Ich bin bekannt für eine gewisse Ungeduld“

Pforzheim. Die CDU hatte in Pforzheim viel erreicht. Nur einen Oberbürgermeister mit CDU-Parteibuch gab es noch nie. Selbst der spätere Wahlsieger Peter Boch bekannte einmal, zumindest nicht mit dem Sieg im ersten Wahlgang am 7. Mai gerechnet zu haben. Im PZ-Interview stellt er sich den Fragen von PZ-Redakteur Marek Klimanski.

Knapp drei Jahre ist es her, dass der CDU-Gemeinderatsfraktionsvorsitzende Florentin Goldmann im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“ einen interessanten Gedanken äußerte: Die Pforzheimer CDU könne, angesichts des erheblichen Risikos einer Wahlniederlage, für die OB-Wahl im Jahr 2017 ja einen jungen Kandidaten aufbieten, für den es gar nicht schlimm sei, zu verlieren. Man habe sich dann als größte politische Kraft in der Goldstadt immerhin nicht davor gescheut, eine personelle Alternative zu Amtsinhaber Gert Hager (SPD) anzubieten, und der Kandidat sammle Erfahrung, mit deren Hilfe er bei einer nächsten Bewerbung andernorts Erfolg haben könne. Mancher in der CDU tobte nach der Veröffentlichung angesichts solcher Offenherzigkeit.

Genauso bekannt ist, dass einige als aussichtsreich geltende CDU-Kandidaten für die OB-Wahl absagten – weil sie und viele Pforzheimer Parteifreunde nicht erkannten, dass wieder Abwahlzeit war in der Goldstadt. Auf einen baldigen Umzug nach Pforzheim war die Familie Boch jedenfalls erkennbar nicht vorbereitet. Wie weit es mit diesem oft angesprochenen Thema ist, wie der 37-Jährige zum Ende dieses Jahres sein Standing in Politik und Bevölkerung in Pforzheim einschätzt und welche Bilanz er für seine ersten Monate als Pforzheimer Rathauschef zieht, hat er der PZ verraten.

PZ: Wie weit gediehen ist der Umzug der Familie Boch nach Pforzheim? Ist ein Haus- oder Grundstückkauf getätigt oder steht kurz bevor?

Peter Boch: Ich fühle mich sehr wohl in der Stadt und bin hier gut angekommen. Mir und meiner Familie ist es aber wichtig, dass wir ein Grundstück oder Haus finden, von dem wir wirklich überzeugt sind. Leider spüren auch wir die starke Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Uns liegen aber verschiedene Angebote vor, darunter durchaus sehr interessante. Jetzt werden wir die Feiertage in Ruhe nutzen, um zu entscheiden, ob wir eines davon auswählen oder uns noch etwas mehr Zeit nehmen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir schon bald in Pforzheim wohnen werden.

PZ: Wie hat sich nach Ihrer Auffassung Ihr Rückhalt in der Bevölkerung verändert – und welche Rückschlüsse ziehen Sie?

Peter Boch: Ich bin jetzt fünf Monate im Amt, was im Grunde genommen immer noch ein Wimpernschlag ist im Vergleich zur Dauer einer Amtszeit von acht Jahren. Aber ich bin mir bewusst, dass meine Wahl zum Oberbürgermeister mit sehr hohen Erwartungen verbunden gewesen ist. Manche davon konnte ich noch nicht einlösen, weil sechs Monate auch einfach zu kurz dafür sind. Andere sind vielleicht auch etwas überhöht. Deswegen weiß ich, dass es auch Stimmen gibt, die meine bisherige Amtsführung kritisch sehen. Ein Oberbürgermeister kann es aber nicht allen recht machen – und darf das auch gar nicht wollen. Mein Ziel bleibt es daher, dass unsere Stadt in einigen Jahren deutlich besser dasteht als im Moment – und das in einer ganzen Reihe von Themenfeldern: angefangen von der Infrastruktur für Bildung, Betreuung und Familien über die Entwicklung von Gewerbeflächen sowie die Digitalisierung bis hin zu Innenstadt. Dafür werde ich mich weiterhin mit Leidenschaft und ganzer Kraft einsetzen.

PZ: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zum Gemeinderat als Ganzes und zum politischen Raum außerhalb der CDU und der FDP/Freien Wähler darstellen?

Peter Boch: Das Verhältnis zum Gemeinderat als Ganzes ist besser, als es sich manchmal nach außen darstellt. Natürlich fällt es manchen Fraktionen und Gruppierungen schwer, sich daran zu gewöhnen, dass nicht mehr der Oberbürgermeister im Amt ist, den sie bisher unterstützt haben. Das ist auch verständlich. Ich denke, diese Anfangsschwierigkeiten werden sich bald legen und wir werden zu einem noch konstruktiveren Miteinander kommen. Ich jedenfalls werde meinen Teil dazu beitragen, damit uns das gelingt.

PZ: Die Brötchentaste ist beschlossen, der Nagoldhang vom Tisch, eine Bäderlösung noch nicht gefunden, ein Finanzbürgermeister auch noch nicht – wie viel Prozent von dem, was Sie noch vor dem Jahreswechsel angehen wollten, haben Sie geschafft, und welche Note würden Sie sich dafür geben?

Peter Boch: Es steht mir sicherlich nicht zu, mir selbst Schulnoten zu geben. Allerdings blicke ich ganz zufrieden auf die vergangenen Monate. Wir konnten einiges erreichen – zusammen mit einer motivierten und leistungsfähigen Mitarbeiterschaft. Das Projekt Innenstadt-Ost hat eine entscheidende Hürde genommen. Anders als ich es mir gewünscht hätte, wird es jetzt keine Bürgerbefragung geben. Aber auch ein Oberbürgermeister muss demokratische Entscheidungen akzeptieren. Mir ist es trotzdem ganz wichtig, dass wir die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen von geeigneten Veranstaltungsformaten mit einbinden, informieren und überzeugen. Dazu werden wir unsere Überlegungen im neuen Jahr konkretisieren. Außerdem konnte ich einige Themen durch den Gemeinderat bringen, die mir wichtig sind, darunter die Brötchentaste – also das kostenfreie Kurzzeitparken an verschiedenen Standorten in der Innenstadt. Damit werden wir eine Belebung in der City erreichen – zusammen mit dem Umbau der Fußgängerzone, der im Januar beginnt. Auch meinen Vorschlägen, die Schulerweiterungsfläche am Nagoldhang zu erhalten und den Haushaltsstrukturausschuss aufzulösen, ist der Gemeinderat gefolgt. Weiterhin haben wir die Koordinierungsstelle „Familienfreundliche Stadt“ eingerichtet und damit jetzt auch die Möglichkeit geschaffen, in diesem Bereich zielgerichtet vorzugehen. Im Übrigen sind viele Prozesse angestoßen, die langfristig wirken werden. Zum Beispiel bei der Gewerbeflächenentwicklung – wo ich in den nächsten vier bis fünf Jahren etwa 100 Hektar an neuen Gewerbeflächen erschließen möchte –, bei der Analyse von Strukturen im Rathaus oder beim Thema Sicherheit. Und auch beim Thema Bäder sind wir ja nicht untätig gewesen. Mein Kollege, der Erste Bürgermeister Dirk Büscher, ist hier sehr stark engagiert. Vor Kurzem fand ein Workshop des Gemeinderats statt, bei dem es darum ging, ein Stimmungsbild einzuholen. Auf dieser Grundlage werden wir den gemeinderätlichen Gremien am 29. Januar konkrete Vorschläge unterbreiten.

PZ: Haben Sie die personelle Arrondierung Ihres eigenen Dezernats abgeschlossen – und wenn ja, sind Sie damit zufrieden?

Peter Boch: Ja, die personellen Veränderungen innerhalb des Dezernates sind so weit abgeschlossen. Das Team hat sich in der Zeit seit meinem Amtsantritt gefunden und leistet wirklich hervorragende Arbeit. Die Arbeitsatmosphäre ist geprägt durch Offenheit, Freude an der Arbeit und ein gutes Miteinander.

PZ: Wie weit sind Sie beim Thema Finanzbürgermeister und dem Zuschnitte der Dezernate?

Peter Boch: Wir sind dabei, eine mögliche neue Dezernatsstruktur zu definieren, die auch einen eigenen Finanzbürgermeister beinhaltet. Im neuen Jahr wird sich die Bürgermeisterrunde damit beschäftigen. Und machen Sie sich keine Sorgen – sobald unsere Überlegungen spruchreif sind und auch der Gemeinderat eingebunden worden ist, werden wir damit an die Öffentlichkeit gehen.

PZ: Bei welchem Thema wären Sie gerne schon weiter gewesen, als Sie es jetzt sind?

Peter Boch: Ich bin bekannt dafür, dass ich zu einer gewissen Ungeduld neige. Deswegen wünschte ich mir in manchen Bereichen, es würde sehr viel schneller gehen. Als Oberbürgermeister muss man aber auch lernen, dass manche Themen einfach Zeit brauchen – und ich selbst dabei einen langen Atem. Die Stadtverwaltung besteht aus etwa 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sehr motiviert und leistungsstark sind. In ihrer Größe gleicht die Verwaltung damit aber ein bisschen einem Tanker, den es zu steuern gilt. Mal abgesehen davon, dass meine bisherige Bilanz so schlecht nicht ausfällt, gebe ich gerne zu, dass ich manchmal lieber mit dem Motorboot unterwegs wäre. Sie werden aber sehen, dass dieser Tanker Stadt Pforzheim zu ganz erstaunlichen Leistungen fähig ist. Übrigens sind mir Ergebnisse lieber, die Hand und Fuß haben, als Schnellschüsse, die nach kurzer Zeit wieder vergessen sind.

PZ: Wie zufrieden sind Sie mit der Koordinierung Ihrer Termine, also auch der Frage, welche Sie wahrnehmen und welche nicht?

Peter Boch: Ich bin mit meiner Terminkoordinierung ganz zufrieden. Natürlich gibt es immer Situationen, in denen können Sie nur einen von zwei oder drei möglichen Terminen wahrnehmen, die gleichzeitig stattfinden, aber alle wichtig sind. Ich weiß, dass sich da gewisse Unzufriedenheiten nicht vermeiden lassen. Deswegen sind wir in der Bürgermeisterrunde sehr darum bemüht, uns untereinander abzustimmen. Im Übrigen versuche ich nach Möglichkeit, für Termine, die ich nicht wahrnehmen kann, bei nächstmöglicher Gelegenheit einen Ausgleich zu finden.