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29.05.2015

Ohne Grund Zähne gezogen: Pforzheimer Zahnarzt in Erklärungsnot

Pforzheim. Jetzt könnte es richtig eng werden für einen immer noch in Pforzheim praktizierenden Zahnarzt, den Polizei und Staatsanwaltschaft beschuldigen, in bis zu 100 Fällen jeweils mehrere (bis zu 17) Zähne ohne medizinische Notwendigkeit gezogen zu haben. Sandra Bischoff, Leitende Oberstaatsanwältin und Leiterin der Anklagebehörde, bestätigte PZ-Informationen, wonach mittlerweile ein medizinisches Gutachten vorliegt. Der Experte einer Uni-Klinik war beauftragt worden, einzelne Fälle herauszugreifen, um stichprobenartig die Zahnzieh-Praxis des Dentisten zu überprüfen. Details will Bischoff aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Nach gesicherten PZ-Informationen handelt es sich bei der Uni-Klinik um die Poliklinik für Konservierende Zahnheilkunde und Paradontologie in Leipzig, nachdem einer der Rechtsanwälte des Zahnarztes erfolgreich gegen einen ursprünglich von der Staatsanwaltschaft ins Auge gefassten Gutachter der Uni-Klinik Aachen interveniert haben soll.

Das Gutachten aus Leipzig kommt nach PZ-Informationen zu dem Schluss, dass der Zahnarzt in mehr als der Hälfte der begutachteten rund ein Dutzend Fälle die Zähne nicht hätte ziehen dürfen. Bei einem Teil des Rests der Fälle bestehen laut Gutachten zumindest Zweifel an der Notwendigkeit des Tuns. Wie die PZ erfuhr, sollen noch ergänzende Gutachten eingezogen werden – was nicht bedeutet, dass eine andere medizinische Meinung eingeholt wird. Sondern dass die Leipziger weitere rund 20 Fälle untersuchen sollen, um auf Nummer sicher zu gehen. Am Ende könnte eine Anklage stehen.