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Während PZ-Redakteurin Carolin Weiß sich über ihr riesiges Paket freut, ist Nachbarskatze Mimi irritiert und flüchtet.
Während PZ-Redakteurin Carolin Weiß sich über ihr riesiges Paket freut, ist Nachbarskatze Mimi irritiert und flüchtet.
31.10.2012

Online-Shopping: Der Mann, der hinter dem Schuhkarton wohnt

Irgendwas ist anders. Als ich um 22.30 Uhr die Wohnungstür aufschließe, will ich eigentlich nur noch auf schnellstem Wege auf die Couch. Doch so einfach ist das nicht. Denn schon beim Türe aufschließen merke ich: etwas stimmt hier nicht. Ein hellbraunes Monstrum aus Pappe steht da, wo ich eigentlich gerne stehen würde.

Und von weit her, aus irgend einem anderen Zimmer unserer Wohnung, ruft es „Keine Angst, komm rein, du bist hier richtig beim Mann, der hinter dem Karton wohnt.“ Was war passiert? Genau: Ich hatte mir Winterstiefel bestellt. Zugegeben – eigentlich brauche ich keine neuen Stiefel. Trotzdem, die Versuchung ist groß, wenn man ohnehin schon Sportschuhe fürs Training bestellen muss, auch gleich ein Paar Winterstiefel mitzubestellen. Oder zwei. Oder so. Und die sind jetzt gekommen. Welche Ausmaße ein solcher Karton hat, war mir allerdings nicht bewusst. Unserer Nachbarkatze Mimi übrigens auch nicht, denn knapp eine halbe Stunde vor meiner Ankunft hatte mein Mann sie ganz langsam und vorsichtig mit unserem neuen Mitbewohner vertraut machen müssen. Bei ihr überwog dann dennoch die Furcht und sie flüchtete – eine Freiheit, die viele Männer sicher auch gerne in Anspruch nehmen würden, wenn ihre Frau mal wieder Online-Shopping betrieben hat.

Langer Rede, kurzer Sinn: Die Enttäuschung nach dem Öffnen des Pakets am nächsten Morgen war groß. Klar, die Volleyballschuhe behalte ich, die brauche ich auch. Aber die zwei paar schwarzen Stiefel sehen doch sehr aus wie die, die ohnehin schon in meinem Schuhschrank stehen. Also alles schnell eingepackt und ab zur Post damit, schließlich will ich meinen Mann nicht länger als nötig mit dem Monstrum in unserer Wohnung nerven. Am Kofferraum meines Polos dann das nächste Problem: Wie soll ich den Riesenkarton da rein kriegen? Nach einigen Versuchen, die für meine Nachbarn sicher sehr lustig aussahen, ist klar: Er passt nicht. Bleibt nur der Beifahrersitz – und auch das ist wirklich Millimeterarbeit. Vor der Post halte ich in einer Parkbucht, die rechts von einem Mäuerchen begrenzt wird. Ich mache die Beifahrertür auf – und kriege den Karton nicht raus, weil die Tür nicht ganz aufgeht. Also wieder rein ins Auto und so weit zurück rollen, dass ich halb auf der Straße stehe. Jetzt klappt es. Mit letzten Kräften schleppe ich den Karton zum Postschalter – und muss erst mal warten, bis die beiden Frauen vor mir ihre Schuhpakete abgegeben haben. Die beiden Männer hinter dem Schalter lachen schon. Ich gebe das Paket ab und lasse mich durchgeschwitzt auf den Sitz im Auto fallen. Fürs erste habe ich meine Online-Shoppingtour überstanden. Das nächste Mal werde ich wieder gemütlich durch die Stadt bummeln, wenn ich Schuhe brauche – oder eben auch nicht brauche...

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