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Eine Pause legen die Männer der Bereitschaftspolizei auf dem Parkplatz des Fachmarktzentrums ein. Foto: Seibel
Eine Pause legen die Männer der Bereitschaftspolizei auf dem Parkplatz des Fachmarktzentrums ein. Foto: Seibel
05.07.2016

„Osmanen“-Einsatz kostet 100.000 Euro - Präsident wendet sich an PZ

Pforzheim. Während man sich beim Landeskriminalamt und den regionalen Polizeipräsidien noch nicht ganz im Klaren ist, wie man die seit Ende 2014 existierende Gruppierung der „Osmanen“ einschätzen soll (die PZ berichtete), meldet sich der Pforzheimer Präsident des neu gegründeten lokalen Chapters, Aykan Ulupinar, zu Wort – und wehrt sich in einem sozialen Netzwerk:

Man sei ein „Boxclub“, der versuche, Jugendlichen „zu helfen, von Drogen loszukommen“, sie „von der Straße zu holen“, „vor Dummheiten zu bewahren“ und zum Sport anzuregen. Man sei, so Ulupinar, entrüstet, eine „Brüder-Vereinigung“. Alle Nationen seien bei den „Osmanen“ vertreten. Deutschland sei ihre Heimat – deshalb auch der Zusatz „Germania“ auf der Kutte. Mit Rotlicht, „irgendwelchen Wölfen“ oder Erdogan habe man nichts zu tun.

Die Fremdwahrnehmung, zumindest da sind sich die Sicherheitskräfte einig, ist eine andere: Die „Osmanen“ seien eine rockerähnliche Gruppierung – allerdings ohne Motorräder, dafür mit dicken Limousinen, wie man sich am Sonntag auf der Wilferdinger Höhe vergewissern konnte –, türkisch-national gesinnt und Brüder im Geiste des türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Ulupinar dagegen: „Wir sind Männer mit Stolz und Ehre, wir sind Väter, Bruder, Onkels und Neffen – wir sind Familienmenschen und füreinander da.“

An Letzterem hat die Polizei keinen Zweifel – auch nicht an der potenziellen Gefahr, wenn die „Osmanen“ einerseits und beispielsweise die Mitglieder der kurdisch dominierten „United Tribuns“ oder gar von „Bahoz“ (benannt nach dem ehemaligen Kommandeur der Separatisten-Organisation PKK in Syrien) aufeinandertreffen.

Diese Sorge trieb auch das Polizeipräsidium Karlsruhe um, als man von einem Mitglied der „Osmanen“ in Kenntnis gesetzt wurde, dass am Sonntag in den Räumlichkeiten der ehemaligen Diskothek „Gummibär“ an der Julius-Moser-Straße ein „World Meeting“ stattfinden würde. Einsatzleiter Thomas Rüttler, Vize-Chef der Kripo, sprach von einer „Sollbruchstelle“. Deshalb waren rund 170 Beamte im Einsatz gewesen, um die anreisenden „Osmanen“ – etwas über 200 nach Polizeischätzungen, nach „Osmanen“-Angaben rund 600 – in ihren Fahrzeugen zu kontrollieren. Die Ordnungsmacht wollte Präsenz beweisen und zeigen, wer die Hosen anhat. Das hat seinen Preis: Auf knapp 100 000 Euro beziffert Polizeisprecher Martin Plate den Einsatz. Mehr lesen Sie am Mittwoch in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

 

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