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Pflegerin Jasmin Rau, zeigt, wie einfach Rollifahrer Peter Benzenhöfer mit dem Lifter angehoben werden kann.  Foto: Moritz 

PZ-Hilfsaktion unterstützt: Pflegebäder in der Werkstatt der Lebenshilfe in Mühlacker fertig umgebaut

Pforzheim/Mühlacker. „Man kommt mit diesem Lifter in jede Ecke des Raums“, schwärmt Elke Modler, die Zweigwerkstattleiterin Lebenshilfe Pforzheim Enzkreis in Lomersheim. Und schon demonstriert sie, wie flexibel und leise das Gerät ist, das bis zu 272 Kilogramm Last aufnehmen kann. Und tatsächlich: Einen Augenblick später hat Modler das Gerät in die sprichwörtlich hinterste Ecke des Bads manövriert. Der Lift kommt nicht nur zum Einsatz, wenn er einen Mitarbeiter auf die Liege oder Toilette manövrieren muss, sondern auch, wenn ein Notfall passiert: „Wenn beispielsweise jemand beim Toilettengang nach unten rutscht, kann er in den Lift eingehängt und sanft hochgezogen werden“, erklärt die Zweigwerkstattleiterin.

Auf den Rollstuhl angewiesen

Peter Benzenhöfer, Vorsitzender des Gesamtwerkstattrats der Lebenshilfe Pforzheim Enzkreis, ist an infantiler Zerebralparese erkrankt. Sein Bewegungsablauf ist aufgrund einer frühkindlichen Hirnschädigung eingeschränkt. Der 52-Jährige, der an der Pforte der Zweigwerkstatt arbeitet, sitzt im Rollstuhl. Nun demonstriert er mit Pflegerin Jasmin Rau, wie der neue Lifter funktioniert. Und er freut sich riesig darauf. Bedeutet das neue Gerät doch ein Stück Eigenständigkeit. „Die Individualität der Mitarbeiter ist wichtig“, sagt Modler. „Wenn ein Rollstuhlfahrer nicht möchte, dass ihm die Windeln gewechselt werden, dann helfen wir, dass er eigenständig sein Geschäft erledigen kann.“ Es sei unwürdig, wenn das verwehrt werden würde.

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Lebenshilfe-Vorstand Oliver Keppler, die Leiterin der Zweigstelle Lomersheim, Elke Modler, Pflegerin Jasmin Rau und der stellvertretende Zweigstellenleiter Bernd Moser (von links) erklären Susanne Knöller, der Vorsitzenden von „Menschen in Not“, die Apparatur des neuen Lifters. Foto: Moritz

Peter Benzenhöfer hilft beim Einpacken ins Pflegetuch mit, so gut er kann. „Ich bin nur etwas zu breit für das Ding“, scherzt er, während Pflegerin Rau die Bedienleiste in die Hand nimmt. Als der Lift ihn anhebt, jauchzt Benzenhöfer vor Freude. „Wenn ein Patient gut mithilft, dann ist das für ihn, aber auch für den Pfleger, eine große Erleichterung“, erklärt Bernd Moser, der stellvertretende Leiter der Zweigwerkstatt.

"Corona hat uns als Team Lebenshilfe noch enger zusammengebracht."

Oliver Keppler, Vorsitzender der Lebenshilfe

Die Präsentation verläuft ohne Schwierigkeiten. Und wer sich an die zeitaufwendige Prozedur erinnert, als mit einem mobilen Lifter gearbeitet wurde, ist mehr als erstaunt. Im Rahmen der Weihnachtsaktion 2019 von „Menschen in Not“ wurde schließlich der Aufruf gestartet, das Umbauprojekt zu unterstützen. Und die PZ-Leser zeigten sich spendabel: Die gesamt benötigten 55.000 Euro sind damals eingegangen und wurden entsprechend weitergeleitet. Der Verein Förderung Behinderter Pforzheim hat außerdem 5000 Euro hinzugegeben.

Zwei Waschräume mit elf Waschplätzen, die nicht genutzt wurden, wurden in zwei Bäder mit jeweils einem Lifter, Pflegeliege und Toilette umgebaut. „Coronabedingt habe es einige Verzögerungen gegeben“, erklärt Oliver Keppler, der Vorsitzende der Lebenshilfe. Seit Spätsommer des vergangenen Jahres, kurz vor dem zweiten Lockdown, ist alles fertig.

Aufstehhilfe fehlt noch

Inzwischen hat Routine Einzug gehalten. Und so ist klar geworden, dass ein weiteres Gerät benötigt wird: Eine Aufstehhilfe für die Rollstuhlfahrer, die eigenständig zur Toilette gehen. Bei 4000 Euro liegt der Preis für die Anschaffung.

Die 83 Mitarbeiter der Zweigwerkstatt in Lomersheim sind seit dieser Woche zweimal geimpft. „Alle, die geimpft werden wollten, waren am Mittwoch noch mal dran.“ Für die Ängstlichen waren Angehörige anwesend, andere schafften den Piks ganz alleine.

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Pforzheim

Aktion Gabenzaun in Pforzheim endet – aber nicht für immer

Sonst läuft in der Werkstatt alles wieder seinen gewohnten Gang. In den Arbeitsbereichen wie auch in der Cafeteria ist durchgängig der Spuckschutz angebracht. Die 20 Gruppenmitglieder arbeiten. „Jeder nach seinem Talent“, erklärt Moser. Montage- und Verpackungsarbeiten von ganz unterschiedlichen Kunden sind zu erledigen. „Wir haben ordentlich zu tun.“ Derzeit würden Ohrringe montiert. „Manche Mitarbeiter machen hundert Montageohrringe am Tag, andere schaffen 900.“ Wieder andere könnten nur die Montageknöpfe kontrollieren, weil ihre Hand nicht voll einsetzbar ist. „Wir müssen ganz unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden.“ Und das klappt.

„Ich möchte der Mannschaft, egal ob Werkstatt oder Wohnheim, ein ganz dickes Lob aussprechen. Sie haben lange Zeit über die Belastungsgrenze hinaus gearbeitet“, berichtet Keppler. „Corona hat uns als Team Lebenshilfe noch enger zusammengebracht.“

Susanne Knöller

Susanne Knöller

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