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Im Jahr 2002 begab sich Thomas Frei erstmals auf die Spuren von Christopher Bechtler. Schon damals berichtete der „Daily Courier“ über den Besuch. 
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In Rutherfordton dreht sich (fast) alles um Christopher Bechtler. Privat 
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PZ-Interview mit Thomas Frei zu: Vortrag und Dokumentarfilm „Gold Fever and the Bechtler Mint“

Er hat in den USA „GoldGeschichte“ geschrieben: Christoph(er) Bechtler, aus Pforzheim stammend, steht im Mittelpunkt des Dokumentarfilms „Gold Fever and the Bechtler Mint“, der in englischer Sprache im Rahmen von „Goldstadt 250“ im Kommunalen Kino in den kommenden Wochen gleich mehrfach zu sehen ist. Die Einführung hält Thomas Frei, der frühere Leiter der PZ-Stadtredaktion. Die PZ hat mit dem „Bechtler-Experten“ gesprochen.

PZ: Wie waren Sie auf Christoph Bechtler gestoßen?

Thomas Frei: Ich hatte Anfang der 1980er-Jahre bei einem Besuch im Smithonian Museum in Washington D.C. einen „Bechtler Dollar“ gesehen und den Hinweis gelesen, dass Christopher Bechtler ein Deutscher sei, der die Erlaubnis besaß, den ersten Gold-Dollar in den USA zu prägen. Da wusste ich aber noch nicht, dass dieser Bechtler aus Pforzheim kam.

PZ: Wann klingelte es dann bei Ihnen, um sich fortan mit Bechtler zu beschäftigen?

Es war Ende der 1990er-Jahre, als sich die damalige Präsidentin der Historic Society von Rutherfordton in North Carolina an die PZ wandte und fragte, ob man ihr helfen könnte, eine Kopie der Geburtsurkunde von Christopher Bechtler zu erhalten, der aus Pforzheim stamme. Im Archiv der Evangelischen Landeskirche in Karlsruhe fand sich auf Vermittlung der heutigen Schoßkirchen-Pfarrerin Heike Reisner-Baral dann ein Kirchenbuch-Eintrag mit der Geburt von Christoph Bechtler am 29. November 1792 in Brötzingen.

PZ: Und fortan waren Sie vom „Bechtler-Fieber“ infiziert?

Das kann man so sagen. Ich war im Jahr 2002 erstmals in Rutherfordton, dann 2012 zur „Weltpremiere“ von „Gold Fever and the Bechtler Mint“ und bisher letztmals im vergangenen Jahr. Die Historic Society hatte beim ersten Besuch alles für mich zusammengestellt, was dort zu erfahren war. Von der Ankunft von Christopher Bechtler, wie er sich nun nannte, im Dezember 1829, bis zur Auflösung des Hauses 1845. Er war 1843 an Quecksilbervergiftung, sein Sohn August kurz danach ebenfalls daran gestorben.

PZ: War Christopher Bechtler für North Carolina wirklich ein so bedeutender Mann?

In der Tat. Bechtler war vom Gold besessen. Er hatte in seiner Heimat eine Goldwaschmaschine konstruiert, er war in Pforzheim ein erfolgreicher Bijoutier und betuchter Goldfabrikinhaber. Christoph Bechtler war dreimal „gut“ verheiratet. Nach dem frühen Tod seiner ersten beiden Ehefrauen wurde er mit der jüngsten Tochter der Goldkontrolleurin Katharina Vierordt in der Schloßkirche getraut. Dennoch gab er 1829 alles auf und folgte dem Lockruf des Goldes nach North Carolina, wo das Goldfieber lange vor dem Goldrausch in Kalifornien, in Kanada und Alaska ausgebrochen war. Mit zwei Söhnen und einem Neffen verließ er Pforzheim, die Familie, und wanderte in die USA aus.

PZ: Aber wie kam es dazu, dass er nach der Ankunft in New York über Philadelphia gerade ins rund 800 Kilometer entfernte Rutherfordton kam?

Das ist nicht bekannt. Die einzigen Quellen über die Bechtlers bei uns sind der Schriftverkehr mit den großherzoglichen Ämtern, der im Generallandesarchiv Karlsruhe aufbewahrt wird. Dann finden sich in Kirchenbüchern die Vermählungen, Geburten der Kinder, der Tod der Ehefrauen wie auch der von Kindern. Und zudem lässt sich im „Pforzheimer Wochenblatt“, das leider in den Archiven nicht vollständig vorhanden ist, manches herauslesen. Beispielsweise, dass Christoph Bechtler am Schloßberg wohnte, seine Fabrik sich an der Scheuerngasse befand. Auch dass er nach einem Unwetter im Oktober 1824 am meisten für die davon betroffene Pforzheimer Bevölkerung spendete und dass er im Sommer 1829 vor der Auswanderung die Einrichtung seines Büros und seiner Kutsche zum Verkauf anbot. Da konnte er sicher nicht wissen, dass er ein paar Jahre später allein Gold-Münzen im Wert von zweieinviertel Millionen Dollar prägen würde, dazu sollten weitere Einnahmen in Millionenhöhe kommen.

PZ: Und damit konnte er sich ja einen außergewöhnlichen Lebensstil leisten und hat sicher das meiste verprasst?

Ganz im Gegenteil. Die Bechtlers lebten bescheiden, Christoph in einer Blockhütte bei der Goldmine, August und die anderen im Ort in einem Haus (mit einem Klavierzimmer), das heute – mit Pforzheimer Unterstützung – das Bechtler-Museum beherbergt. In die Geschichte der USA eingegangen sind sie nicht nur als „Masters of the Mint“ or the „Goldmen from Baden“ sondern auch als „das Vorbild einer ehrenwerten Familie aus Deutschland, an der sich jeder in den USA ein Beispiel nehmen soll“, wie es im Staatsbuch von North Carolina vermerkt ist. Mehr dazu im Dokumentarfilm nebst Vortrag im Kommunalen Kino.

Das Kommunale Kino (Schloßberg 20) hat zwei Schulveranstaltungen zu „Gold Fever and the Bechtler Mint“ in seinem Programm: am Mittwoch, 26. April, sowie am Mittwoch, 3. Mai, jeweils um 10 Uhr (mit Voranmeldung auch für private Interessenten). Zudem gibt es eine öffentliche Aufführung des Dokumentarfilms, jeweils mit Einführung durch Thomas Frei, am Mittwoch, 26. April, um 18.30 Uhr. pz

Voranmeldungen telefonisch unter (0 72 31) 5 66 19 70 oder 5 66 19 77.

goldfever.unctv.org/bechtler

rutherfordton.net