131324426
Das muss man erst einmal im Corona-Alltag aushalten können: Plötzlich haben viele Väter und Mütter mehr Zeit für die Kinder - das kann schön für alle Beteiligten sein, aber auch stressig. Und Spaziergänge mit Mundschutz sind auch nicht mehr so lustig wie früher.  Foto: dpa 

PZ-news-Leser schildern Szenen aus dem Leben in der Corona-Krise

Pforzheim. Wie erleben die Leser und User von „Pforzheimer Zeitung“ und PZ-news die Corona-Pandemie? Hier geben wir einen Einblick. Und wir stellen fest: Die Menschen sind trotz allem kreativ und lebensfroh.

760_0900_113856_Corona_Grimm.jpg
Wir sind eine Drei-Personen-Familie im Corona-Modus. Ich habe bereits seit einem Jahr mit meinem Arbeitgeber weitgehend Home-Office vereinbart, für mich ist das also erst mal keine Umstellung. Mein Mann muss in leitender Funktion ganz normal im Büro arbeiten. Unsere Tochter besucht die vierte Grundschulklasse in Dietlingen. Die Klassenlehrerin hat den Kindern ein komplettes Übungsheft- und Aufgabenprogramm in Form von Arbeitsplänen mitgegeben. Dabei hatte sie auch die Idee, dass zu den Aufgaben das Lesen eines Buchs gehört. Prima! Dann kann jeder nach seinen Interessen etwas auswählen. Wir sehen das Schüler-Home-Office als großes Experiment und haben uns einen eigenen Stundenplan zusammengestellt. Wir stehen morgens immer zur selben Zeit auf – etwas später als zu Schulzeiten – und starten dann zügig gegen 8.30 Uhr mit den Hausaufgaben, je eine Stunde Mathe und eine Stunde Deutsch, dazu noch Englisch. Dazwischen gibt’s natürlich auch eine „große Pause“. Meine Tochter und ich haben zum Stundenplan noch weitere „Fächer“ ergänzt, zum Beispiel: „Hauswirtschaft und Gartenbau“. Dazu haben wir zum Beispiel Tomaten, Gurken und Zucchini in Töpfe eingesät, draußen Unkraut und überflüssigen Bewuchs entfernt und Brot und Kuchen gebacken. In unserem Fach „Sport“ ist die Tochter mal Trainer und bringt mir die neuesten Hip-Hop-Moves aus der Tanzschule bei. Das ist echt sehr spaßig! Zum Thema „Kunst“ fällt uns dann auch etwas ein: Wir haben noch so viele Bastelsets zu Hause, die noch nicht benutzt wurden! Wir sind ganz motiviert gestartet und selbst gespannt, wie es weitergeht. Sandra Grimm, Dietlingen
760_0900_113854_Corona_Hegelstrasse_Pforzheim.jpg
Unsere Nachbarskinder haben diese Straßenmalerei für uns gemalt. Unsere Freude war groß. Dies sind so Überraschungen, die uns in dieser gerade nicht einfachen Zeit ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Danke, Eysan und Mina, dafür. Gerhard und Susanne Lechner, Pforzheim
760_0900_113850_Corona_Arnold.jpg
Ich bin alleinstehend und seit Dezember 2019 Rentnerin. Mein Leben teile ich mit meiner Hündin aus dem Tierheim. Die Stadt meide ich und gehe hauptsächlich Gassi im schönen und beschaulichen Weißenstein. Ausnahme waren ein kurzer Hausarztbesuch wegen eines Rezepts und der wöchentliche Einkauf im Supermarkt. Hölle! Ich bin eine Stunde an der Kasse angestanden. Noch nehmen es die Leute mit Humor. Von wegen keine Versammlungen und 1,5 m Abstand. Natürlich gab’s schon wieder kein Toilettenpapier. Immerhin habe ich das passende Bier für diese Zeit entdeckt. Auf diesem Weg vielen Dank für die umfassenden Informationen in der PZ und auf PZ-news.de. Bleiben Sie gesund! Angela Kopp, Pforzheim

Rückreise in die Isolation

Meine Frau und ich waren von Anfang März mit unserem Wohnmobil im Stubaital, Tirol, zum Skifahren. Corona machte uns keine Angst, wir fühlten uns im Stubaital total sicher. Am Freitag, 13. März, sind wir morgens wieder auf den Gletscher zum Skifahren gegangen. Dort erwartete uns dann gleich der Hinweis, dass das Skigebiet seine Saison am 15. März vorzeitig beendet. Am Abend verfolgten wir dann die Nachrichten im österreichischen Fernsehen und bekamen die Evakuierungen vom Paznauntal und Arlberg mit. Im deutschen Fernsehen lasen wir dann im Teletext, dass das RKI auch Tirol als Risikogebiet eingestuft hat.

Wir fühlten uns auf unserem Campingplatz wohl, es war auch noch kein einziger Corona-Fall im Stubaital bekannt. Am Samstag machten wir noch eine schöne Wanderung alleine in der Natur und kauften gleich noch vorsorglich Lebensmittel ein. Meine Frau nahm dann auch per SMS Kontakt zum Arbeitgeber auf. Wir fuhren am Sonntagmorgen nonstop auf total verlassenen Autobahnen nach Hause. Am Grenztunnel Füssen kontrollierte die Polizei (uns aber nicht) und Hinweistafeln informierten darüber, dass Urlauber, welche in Italien, Österreich oder der Schweiz in Urlaub waren, sich freiwillig 14 Tage in häusliche Isolation begeben. Die gleichen Hinweise gab es auch noch am Autobahnkreuz Stuttgart und Leonberg. Für uns war gleich klar, dass wir das befolgen werden.

Für mich als Rentner kein Problem, meine Frau hielt nochmals Rücksprache mit dem Gesundheitsamt und dem Arbeitgeber. Sie pflichteten ihr bei, dies durchzuführen. Mit Lebensmitteln sind wir sehr gut versorgt. Wir haben einen eigenen Garten, dadurch noch sehr viel in der Tiefkühltruhe. Und als Camper hat man immer irgendwelche Wurstdosen und Ähnliches zu Hause.

Unsere Nachbarn kauften für uns auch ein. Joghurt, Bananen – das geht irgendwann dann doch aus. Nun sind schon alle Fenster im Haus geputzt, das Wohnmobil erstrahlt in neuem Glanz, und die Sonne lacht auch auf der Terrasse.

Toll fanden wir gleich die Aufmerksamkeiten mittels Anrufen und WhatsApp-Nachrichten von unseren Freunden, Nachbarn und Verwandten. Sie möchten alle für uns einkaufen gehen und sonstige dringende Dinge erledigen. Ich finde es nur schade, dass sich viele Mitmenschen in unserer Region nicht an diese freiwillige Isolation hielten, obwohl sie aus einem Risikogebiet zurückgereist sind.

Edmund Talmon-Gros, Neuhausen-Schellbronn

760_0900_113849_Corona_Novakovic.jpg
Am Fenster meines kleinen Ladens habe ich eine wunderschöne Nachricht erhalten. In diesen traurigen Zeiten, wo man selber nicht weiß, wie es weitergeht, war ich wieder mal glücklich. Diese Nachricht hat mir Mut gegeben. Daniela Novakovic, Birkenfeld
760_0900_113848_Corona_Kukula.jpg
Eine ganz besondere Überraschung wartete zu ihrem fünften Geburtstag im Vorgarten auf unsere Tochter Lilith: Da ja ein Kindergeburtstag oder eine Geburtstagsfeier im Kindergarten gerade nicht möglich sind, haben viele ihrer Freunde auf Initiative unserer lieben Nachbarin Anja eine Blume mit Foto und persönlichem Gruß gebastelt. Diese Blumen standen dann für uns völlig überraschend im Vorgarten und haben uns zu Tränen gerührt. Was für eine wunderschöne Idee, unserer Tochter zu zeigen, dass ihre Freunde trotz der Corona-Krise an ihrem Geburtstag an sie denken. Familie Kukula aus Hamberg
760_0900_113851_Corona_Bihlmaier.jpg
Leider kann ich als Pflegeheimclown im Moment nicht mehr in die Pflegeheime gehen. Deshalb habe ich mir mit meinem Sohn Manuel die Zeit vertrieben und einen Klo-Clown gebastelt. Gerne auch zum Nachbasteln. Wir grüßen das Team der PZ und alle, die in dieser Zeit in den Pflegeheimen einen tollen Job machen, und natürlich die Bewohner. Verliert nicht den Humor! Iris Bihlmaier, Pforzheim

Alle Sinne gefordert

Der Alltag wird für viele eine große Herausforderung. Denn zusammenrücken, das sind die letzten Generationen nicht gewohnt. Das zeigt sich im Umgang mit den eigenen Kindern, deren Woche oft zu 80 Prozent mit Abwesenheit von zu Hause organisiert ist, sei es Kindergarten, Schule, Kernzeitbetreuung, Hort und die ganzen Freizeitangebote, welche nun alle wegfallen. Oder auch mit dem Ehepartner, den man außer mal zwei, drei Wochen im Urlaub plötzlich 24 Stunden um sich hat. Eine ganz neue Frage tut sich auf: Was sollen wir denn den ganzen Tag machen? Plötzlich sind alle Sinne wieder gefordert und man muss sich mal wieder aushalten. Welch neue Situation!

Ich habe aber noch eine Bitte: Es ist vorbildlich, wie viele Supermärkte ihre Kunden zur Vorsicht animieren und auch alle Vorsichtsmaßnahmen anbieten. Jedoch musste ich in einem Supermarkt erleben, wie eine ältere Dame von einer Kassiererin regelrecht angefahren wurde, weil sie mit Bargeld anstatt Karte bezahlen wollte. Die Dame war nach dem heftigen Wortwechsel in Tränen ausgebrochen und völlig verstört. Laut Experten kann das Coronavirus weder auf Bargeld noch auf Karten überleben und übertragen werden. Es gibt so viele Menschen, die eben keine Kartenzahlung möchten oder auch können, deren Konten nicht frei sind und die sich das wenige Geld bar besser einteilen können.

Herzlichen Dank an die PZ für diese Rubrik!

Kerstin Schmitt, Pforzheim

760_0900_113855_Bild_Corona_Schweickert.jpg
Es gibt nichts Schöneres als draußen in den Wäldern zu sein. Überall sprießt und schießt es, und auch der Bärlauch ist schon bereit zum Pflücken. Das Grün tut unserer Seele gut und stärkt unser Immunsystem. Mein Tipp: Einfach mal das Mittagessen in den Rucksack packen und es bei einer kleinen Tour im Freien alleine oder zu zweit bewusst genießen. Sabine Schweickert, Neuenbürg
760_0900_113853_Corona_Fix.jpg
Überall sprießen die Knospen und die bunten Blumen recken und strecken sich. Wir alle müssen ein wenig kürzertreten und uns Zeit für die Kinder und die Familie nehmen. Das Positive an dieser verrückten Situation da draußen? Wir wachsen alle, trotz Abstands, ein großes Stück zusammen. Wir genießen die Familienzeit in vollen Zügen und freuen uns mit Luftsprüngen über den Frühling! Jennifer Fix mit den Kindern Isabell und Paul aus Wiernsheim
760_0900_113852_Corona_Fix_2.jpg
Wir wachsen alle, trotz Abstands, ein großes Stück zusammen. Wir genießen die Familienzeit in vollen Zügen und freuen uns mit Luftsprüngen über den Frühling! Jennifer Fix mit den Kindern Isabell und Paul aus Wiernsheim
Magnus Schlecht

Magnus Schlecht

Zur Autorenseite