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Das Zerstörungsbarometer hat der stellvertretende Sperlingshof-Leiter Raimund Schmidt (Foto) erfunden.
PZ-Aktion hilft dem Sperlingshof © Seibel
17.12.2010

PZ-Aktion hilft dem Sperlingshof

PFORZHEIM. Ein Zerstörungsbarometer hängt seit dem Jahr 2004 an einer Wand des Sperlingshofs. Es zeigt an, wie teuer die Wutausbrüche der jungen Bewohner den Sperlingshof jährlich kommen. Im ersten Jahr lag die Obergrenze bei 15 000 Euro, im vergangenen Jahr waren es nur noch 5000 Euro, erklärt Beate Deidesheimer, seit vier Jahren Leiterin des heilpädagogischen Kinder- und Jugendhilfezentrums und seit vielen Jahren dort als Sozialpädagogin und Heimerzieherin tätig.

Idyllisch in Wilferdingen gelegen, beherbergt der baulich in die Jahre gekommene Hof 60 Kinder und Jugendliche, die durch Vernachlässigung, Gewalt oder sexuellen Missbrauch stark traumatisiert sind. Rund 80 Erzieher, Heilpädagogen und Sozialarbeiter betreuen sie.

Zu Beginn eines jeden Jahres lege die Leitung einen fiktiven Schadensbetrag fest, sagt Deidesheimer. Bleiben die Kinder unter dieser Summe, dann wird die Differenz an die sieben Wohngruppen ausgezahlt. Im vergangenen Jahr waren es 2000 Euro. Ein Teil der Kinder kaufte sich davon eine Kletterausrüstung. In anderen Jahren gabs ein schönes Essen oder einen Ausflug.

„Ein Geruch, die Dunkelheit, eine Stimme: All das könne in den Kindern die Erinnerung an ihr persönliches Martyrium wie einen Film ablaufen lassen, dem sie hilflos ausgeliefert sind. Die Kinder reagierten auf diese Angstattacken oftmals panisch mit Wut und Zerstörung gegen sich oder gegen Möbel, sagt die Leiterin. Mitunter seien allerdings lediglich pubertäre Streiche der Grund für kaputtes Inventar. Der Sperlingshof hat sich auf diese schwierigen Fälle spezialisiert und wird bundesweit angefragt. „Alle unsere Schützlinge brauchen therapeutische Hilfe“, sagt Deidesheimer. Und sie brauchen stabile Schränke und Betten. Deshalb hat die PZ-Aktion „Menschen in Not“ jetzt 10000 Euro gespendet. Das Spendenbarometer der PZ-Aktion steuert aktuell die 200000-Euro-Marke an.