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Diskutieren über Gott und die Welt: Hilda-Schulleiterin Edith Drescher, Moderator Gerhard Heinzmann, Rabbiner Michael Bar-Lev, Hasan Akbaba und Dr. Süleyman Davulcu von der Alevitischen Gemeinde, der katholische Pastoralreferent Tobias Gfell, Psychologe Dietrich Wagner und die evangelische Dekanin Christiane Quincke (von links). Tilo Keller
Diskutieren über Gott und die Welt: Hilda-Schulleiterin Edith Drescher, Moderator Gerhard Heinzmann, Rabbiner Michael Bar-Lev, Hasan Akbaba und Dr. Süleyman Davulcu von der Alevitischen Gemeinde, der katholische Pastoralreferent Tobias Gfell, Psychologe Dietrich Wagner und die evangelische Dekanin Christiane Quincke (von links). Tilo Keller
11.03.2016

PZ-Forum unter dem Motto „Um Gottes Willen...“

Unter dem Motto „Um Gottes Willen...“ sind Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften ins Gespräch gekommen. Die Podiumsdiskussion im PZ-Forum mit beinahe 50 interessierten Zuhörern fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe zur „Woche der Brüderlichkeit“ statt. „Die Vielfalt ist der Anstoß für den heutigen Abend“, sagte der Moderator und frühere Schuldekan Gerhard Heinzmann.

Es diskutierten Rabbiner Michael Bar-Lev von der Jüdischen Gemeinde, der katholische Pastoralreferent Tobias Gfell, die evangelische Dekanin Christiane Quincke und von der alevitischen Gemeinde Dr. Süleyman Davulcu und Hasan Akbaba. Davulcu erläuterte, dass die meisten Aleviten aus der Türkei kommen, wo sie eine Minderheit darstellten, die dort als Religionsgemeinschaft nicht anerkannt sei. Edith Drescher, Schulleiterin am Hilda-Gymnasium, und Psychologe Dietrich Wagner von der Beratungsstelle im Haus „Lore Perls“ ergänzten die Runde.

„Wie halten es die Kinder mit der Religion?“, wollte Heinzmann von der Schulleiterin wissen. „In der Schule ist das nicht das allererste Thema, über das sich die Schüler unterhalten“, sagte Drescher. „Die Schüler begegnen sich in ihrer Vielfalt, Religion wird zunächst nicht wahrgenommen.“ Sie betonte aber auch, dass Schulgottesdienste gut besucht seien und von muslimischen Schülern mitgestaltet würden, beispielsweise bei musikalischen Beiträgen. Den Psychologen fragte Heinzmann, ob er Religion als Ursache oder Hilfe bei Lebensproblemen ausmache. Wagner erklärte, dass ihm beides begegne: Menschen, die sich versichern, dass das Angebot tatsächlich konfessionslos ist, und andere, denen ihr Glaube wichtig sei.

In der Runde wurden die verschiedenen Lebensweisen der Religionsgemeinschaften gestreift. Wagner erwähnte eine Untersuchung, nach der alle Leute, die glauben, zunächst einmal gesünder leben. Das machte er beispielsweise an koscherem Essen und einem geordneten Tagesablauf fest. „Man hat aber auch herausgefunden, dass Leute, die gläubig sind, zu höherer Feindseligkeit neigen“, so Wagner. Er erklärte dies mit Gruppenprozessen. Religion führe nach innen zu Friedfertigkeit, könne aber nach außen zu Feindseligkeit führen. „Das muss man zur Kenntnis nehmen und daraus lernen“, regte Wagner an.

Alle dienen einem Gott

Dekanin Quincke erklärte, dass sie Religion nicht so verstehe, dass sie andere ausschließe. Den Kontakt zu anderen sieht sie als Bereicherung der Weltsicht. Dass sich die Aleviten meist verteidigen und abgrenzen müssten, wenn über den sunnitischen und schiitischen Islam gesprochen würde, sah Davulcu durchaus als Problem: „Den Koran und die Scharia deuten wir ganz anders als die Mehrheit der Muslime.“ Wagner machte darauf aufmerksam, dass der Mensch emotionaler sei, als man denke. Als Beispiel führte er das Fremdengefühl an. „Toleranz kann man nicht lernen, wenn man unter sich bleibt“, führte er vor Augen. Den anderen zu respektieren, sah Moderator Heinzmann als Kern des Themas Vielfalt. Drescher merkte an, dass der Religionsunterricht genau das leisten könne. „Es ist wichtig, den Schülern aufzuzeigen, wie sie den Glauben für sich nutzbar machen.“ Es gehe auch darum, Fundamentalismen aufzuzeigen. „Toleranz kann man nicht entwickeln ohne Wissen“, so Drescher. Quincke erklärte, dass die Haltung der Demut helfe, nicht abwehrend, sondern offen auf andere zuzugehen.

„Ich habe heute gelernt, wir glauben alle an Gott“, sagte Rabbiner Bar-Lev. „Die Frage ist nur, wie wir ihm dienen. Alle wissen, es ist derselbe Gott.“