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16.09.2016

PZ-Interview mit 18-Jährigem, der bei Klingel jobbte und das gesamte Gehalt spendete

Der 18-jährige Philipp Friederich jobbte fünf Wochen lang bei Klingel. Anstatt sich mit dem Geld aber einen Traum zu erfüllen, spendete er das gesamte Gehalt. Darüber hat er mit PZ-Redakteur Simon Walter gesprochen.

PZ: Hast du mit 18 Jahren keine Wünsche offen, die du dir gerne erfüllen würdest?

Philipp Friederich: Doch, natürlich gibt es da so einige, ganz normale Wünsche. Jeder geht doch gerne ab und an mal ein-kaufen.

Trotzdem hast du den kompletten Verdienst aus deinem Ferienjob bei Klingel – 2500 Euro – an das Kinderhilfswerk Unicef gespendet. Wieso?

Es gab keinen bestimmten Anlass. Aber ich denke, man kann in unserer Welt viel bewegen, wenn man das möchte. Auf die Idee bin ich schon vor ungefähr zwölf Monaten gekommen, habe den ganzen Tag, die ganze Nacht darüber nachgedacht – und seitdem hat sie mich nicht mehr losgelassen.

Wie fanden das die Leute in deinem Umfeld? Wussten Sie von den Plänen?

Nein. Das wussten meine Eltern nicht, mein Bruder nicht, meine Freunde nicht. Das wusste nur ich (lacht).

Wann hast du sie eingeweiht?

Nach meinem letzten Arbeitstag am Freitag bin ich kurz heim, habe meinen Anzug angezogen und habe danach gesagt, dass ich noch mal kurz wegfahre. Dann bin ich zu Unicef nach Stuttgart-Feuerbach gefahren und habe dort den Scheck übergegeben. Dann kam ich heim, habe meiner Familie die Bilder gezeigt und es ihnen erzählt.

Wie haben sie reagiert?

Die fanden das echt genial ...

Hast du so etwas schon mal gemacht?

Nein, das war ja mein erstes verdientes Geld. Ich mache in diesem Schuljahr mein Abitur.

Wofür soll das Geld eingesetzt werden?

Ich habe mich gegen eine themenbezogene Spende entschieden. Denn Unicef hat zum Beispiel vom Tsunami vor zwölf Jahren noch Millionenbeträge übrig, die sie rechtlich gesehen nur für Tsunamis verwenden dürfen. Wenn man dagegen projektunabhängig spendet, kann das Geld dort eingesetzt werden, wo es in der aktuellen Notsituation am besten hilft.

Gibt es denn einen konkreten Bereich der Unicef-Arbeit, der dir besonders am Herzen liegt?

In Entwicklungsländern mangelt es ja an vielem: Bildung, Er- nährung, Trinkwasser, teilweise krankt da das ganze System. Da muss man überall ansetzen.

Und wieso hast du dich dafür entschieden, ausgerechnet an Unicef zu spenden?

Ich wollte nicht auf nationaler, sondern auf internationaler Ebene helfen – und da kam mir direkt das Kinderhilfswerk in den Sinn. Ich dachte mir: Die Jugend ist die Zukunft, also warum nicht ihr helfen?

Gab es Vorbilder, die zu der Spende geführt haben?

Es gibt viele inspirierende Menschen, über die ich gelesen habe.

Zum Beispiel?

Ich will gar keine konkreten Beispiele nennen, ich habe mir von jeder Richtung einige Leute rausgesucht, über sie gelesen, und die haben mich alle inspiriert: Kunst, Musik, Wirtschaft, Politiker, Sportler ...

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