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Aktueller Hinweis an einer Gaststätte in Hoyeswerda.
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Ein Regenbogen aus Buntglas mit der Inschrift „Hoyerswerda vergisst nicht!“
Ein Regenbogen aus Buntglas mit der Inschrift „Hoyerswerda vergisst nicht!“
21.09.2016

PZ-Interview mit Friedhart Vogel: „Hoyerswerda wird nicht vergessen“

Pforzheim/Hoyerswerda. Hoyerswerda vor 25 Jahren: eine Stadt im Ausnahmezustand. Vom 17. bis 23. September 1991 kam es in der sächsischen Kommune zu den bis dahin schwersten ausländerfeindlichen Angriffen nach der deutschen Wiedervereinigung

Der damalige Superintendent der evangelischen Kirche Friedhart Vogel (75), er hatte nach der Wende den Kontakt nach Pforzheim geknüpft, der zu einer vielfältigen Hilfe auf dem Weg zu demokratischen Strukturen im Rathaus und im öffentlichen Leben führte, schildert im PZ- Interview, die für Hoyerswerda fortan an prägenden schrecklichen sieben Tage. Und dies auch mit Blick auf die Krawalle, die sich derzeit in Bautzen abspielen.

PZ: Deutschland war bis 1989 durch Mauer, Grenzzaun und Todesstreifen getrennt. Zweigeteilt war, ist auch Hoyerswerda...südlich der „Schwarzen Elster“, die beschauliche historische Siedlung, auf der anderen Seite des Flusses die von den 1950er-Jahren an entstandenen Plattenbauten. Wie war das Zusammenleben in Hoyerswerda vor der Wende?

Friedhart Vogel: Innerhalb von drei Jahrzehnten wuchs Hoyerswerda von 7200 auf über 70 000 Einwohner. Vor der friedlichen Revolution und weithin auch heute noch trennt die „Schwarze Elster“ das Zusammenleben in Hoyerswerda. Die Lausitzhalle in der Neustadt und der Zoo mit Schloss in der Altstadt mit ihren vorwiegend alteingesessenen Bewohnern und nach 1945 Zugezogenen aus den deutschen Ostgebieten bilden die gelegentlichen Treffpunkte für beide Stadtteile.

PZ: Es flogen Steine und Brandsätze. Was war der Auslöser, dass die bereits angespannte Situation dermaßen eskalierten?

Friedhart Vogel: Es begann mit rechtsradikalen Ausschreitungen auf dem Lausitzer Platz gegen Vietnamesen und verlagerte sich dann vor das Wohnheim der Vertragsarbeiter, von Montag- bis Mittwochabend. Am Donnerstag kam es dann zu Ausschreitungen an einer neuen Asylunterkunft an der Thomas-Müntzer-Straße. Die Bevölkerung war vorher nicht über die Belegung informiert worden. Schon die Zusammensetzung der Flüchtlinge barg Konfliktpotenzial. Bei vielen Bewohnern der Neustadt kam die eigene Unsicherheit hinzu, wie es arbeitsmäßig weitergeht. Den Staat, der früher alles regelte und ordnete und bestimme, den gab es ja nicht mehr. Den ganzen Frust bekamen nun die „störenden Ausländer“ als schwächstes Glied in der Kette ab.

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www.hoyerswerda.de