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Gerhard Sonnet hält sich im Polit-Ruhestand auf dem Laufenden.
Gerhard Sonnet hält sich im Polit-Ruhestand auf dem Laufenden.
10.03.2016

PZ-Interview mit Gerhard Sonnet: „Ein bisschen zu arg auf den Pudding“

Ein wegen Verdachts der Billigung von Straftaten angeklagter AfD-Funktionär. Ein wegen Verleumdung eines AfD-Kandidaten angezeigter FDP-Kandidat. Ein von der FDP polizeilich des Plakate-Abreißens beschuldigter WiP-Stadtrat. Und eine Posse um einen Tennisplatz zwischen der FDP und einer Grünen-Stadträtin – der Wahlkampf in Pforzheim ist nickelig wie selten.

„Wie nie zuvor“, sagt Gerhard Sonnet, der 42 Jahre lang Stadtrat war, zuerst der CDU, dann der Freien Wähler. Die PZ hat ihn nach seinem Eindruck gefragt. PZ: Was nehmen Sie wahr? Gerhard Sonnet: Ich habe gelesen, dass Plakate beschädigt worden sind und dass jemand jemanden verklagen will. Das hat es noch nie gegeben. Man hat sich in Sitzungen auseinandergesetzt, auch in schärferem Ton, es hat schon immer Plakatzerstörungen gegeben, aber da hat man nicht groß darüber gesprochen.

PZ: Wie wirkt das auf Sie? Gerhard Sonnet: Ich finde das bedauerlich und auch ärgerlich. Als Stadtrat ist man ja dazu da, die Interessen der Bürger zu vertreten, nicht die der Parteien. Ich könnte mir vorstellen, dass es meine Wahlentscheidung beeinflusst, wenn es Grenzen des guten Geschmacks überschreitet. (Seine Frau schaltet sich ein: „Meine Wahlentscheidung hat es in die Richtung beeinflusst, dass ich sage – da mache ich mein Kreuz nicht.“) Den politisch Interessierten wird es ähnlich gehen, könnte ich mir vorstellen.

PZ: Woran liegt diese Aggressivität? Gerhard Sonnet: Jeder möchte in den Landtag. Die knappen Umfragen zeigen, es wird schwierig, eine Regierungsmehrheit zu bekommen. Es wird wohl ähnlich ausgehen wie die hessische Kommunalwahl. Der hohe Anteil der AfD macht den Politikbetrieb nervös. PZ: Was glauben Sie, wie die Wahl in Pforzheim ausgehen wird? Gerhard Sonnet: Die CDU wird wohl gleich bleiben, die SPD verlieren, die Grünen wegen ihres beliebten Ministerpräsidenten Stimmen bekommen, die AfD zumindest im unteren zweistelligen Bereich abschneiden. Die FDP in Pforzheim – da habe ich meine Bedenken. Herrn Dr. Rülke halte ich für einen hochintelligenten Menschen, aber er verhätschelt die Leute nicht und haut manchmal ein bisschen zu arg auf den Pudding. Es kann aber auch sein, dass manche Leute gerade das für sehr gut befinden. Ich bin immer sehr gut mit ihm ausgekommen.