nach oben
29.01.2016

PZ-Interview zum Thema Flüchtlingskrise und mehr mit Hans-Eberhard Koch und Gerhard Flöck von der Witzenmann-Gruppe

PZ-Interview mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Hans-Eberhard Koch und Geschäftsführer Gerhard Flöck von der Witzenmann-Gruppe über den Wirtschaftsstandort Pforzheim, die Asylbewerber in ihrer Nachbarschaft und darüber, warum Angela Merkel die richtige Flüchtlingspolitik verfolgt.

PZ: Sie leben in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Flüchtlingsunterkunft. Wie funktioniert das Zusammenleben mit den Flüchtlingen im ehemaligen Thales-Gebäude?

Koch: Ich nehme keine Probleme wahr und habe einen guten Eindruck von der Verwaltung und Organisation der Flüchtlingseinrichtung. Flöck: Wir haben eine ganz verbindliche und verlässliche Kommunikation mit der Stadt und sind frühzeitig in die Pläne eingebunden gewesen. Ich muss wirklich sagen: Die Mitarbeiter vom Sozialamt machen hier einen guten Job.

PZ: Haben Sie Kontakt zu den Flüchtlingen?

Flöck: Den gibt es. Wir haben auch angeboten, die Flüchtlinge materiell zu unterstützen und sind mit der Heimleitung so verblieben, dass eine Wunschliste erstellt wird. Es fehlt zum Beispiel Spielzeug für ein Kinderzimmer. Deshalb haben wir in der Firma zu einer Sammelaktion aufgerufen. Es gibt derzeit auch Überlegungen, die Asylbewerber in unsere Betriebssportgruppen zu integrieren. Außerdem entstehen gerade Workshops, in denen die Flüchtlinge über Berufsbilder hier in Deutschland informiert werden sollen. Ich glaube, da kann wirklich etwas Positives entstehen.

PZ: Die Flüchtlingskrise und deren Ursachen gehören neben der Probleme beispielsweise in China zu den Faktoren, die Weltwirtschaft skeptisch in die Zukunft blicken lassen. Wie schaut Witzenmann in die Zukunft?

Koch: Die Flüchtlingskrise an sich ist für uns ein nicht so großes Risiko, sondern die politischen Maßnahmen, die eventuell getroffen werden könnten. Ein großes wirtschaftliches Risiko besteht darin, dass die Grenzen in Europa dicht gemacht werden könnten. Das würde für uns eine erhebliche Behinderung unserer wirtschaftlichen Tätigkeiten bedeuten. Das hätte Milliardenverluste für die deutsche Wirtschaft zur Folge. Es wird oft schnell vergessen: Deutschland, und vor allem Baden-Württemberg, ist der Nutznießer des freien Warenverkehrs.

PZ: Das heißt: Aus Ihrer Sicht macht Angela Merkel alles richtig.

Koch: Aus meiner persönlichen Sicht macht sie es richtig und ich finde es wichtig, dass sie auch standhält. Ich bin überzeugt, der europäische Markt würde zusammenbrechen, wenn wir gegen die Flüchtlingskrise zu restriktiv vorgehen würden. Bei allen Schwierigkeiten, die wir derzeit unbestritten haben, der Schaden wäre für uns viel größer, wenn der europäische Binnenmarkt zusammenbrechen würde. Europa ist die Basis unserer wirtschaftlichen Stärke. Flöck: Für uns ist Internationalität natürlich Tagesgeschäft. 50 Prozent unserer Beschäftigten arbeiten im Ausland. Das lässt die Dinge noch einmal aus einem anderen Blickwinkel sehen.

Drei weitere Interviews mit Hans-Eberhard Koch und Gerhard Flöck von der Witzenmann-Gruppe zu den Themen Wirtschaftsstandort Pforzheim, Industrie und Politik und zum VW-Skandal und Tarifkonflikten lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.