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13.08.2008

PZ-Sommeraktion: Einblick in die Unterwelt

PFORZHEIM. Jeder Pforzheimer ist Kunde bei ihm: Michael Leich, Leiter der Abteilung Kanalnetz bei dem städtischen Eigenbetrieb Stadtentwässerung, hat gestern 30 PZ-Leser am „Parfüm der Zivilisation“ schnuppern lassen.

Der Fäkal-Geruch raubt einem im ersten Moment den Atem. Immer noch. Und das, obwohl das Team von Michael Leich die Stufen des Besuchergangs im riesigen Regenüberlaufbecken (kurz RÜB) an der Abnobastraße zuvor abgespritzt hat. Schließlich sollte für die PZ-Sommeraktion alles sauber sein.

Wenige Stunden zuvor wäre eine Besichtigung des imposanten Auffangbeckens mit den acht Meter hohen Säulen nicht möglich gewesen. Denn durch die Regenfälle war das 5500 Kubikmeter fassende Bauwerk gefüllt: Mit den Hinterlassenschaften der Pforzheimer und Regenwasser.

40 Minuten dauert es bis das RÜB voll gelaufen ist. Und sechs bis acht Stunden dauert es, bis das Wasser aus dem riesigen Becken in Richtung Klärwerk geflossen ist, wie Michael Leich erläutert. Das Regenüberlaufbecken sorgt dafür, dass sich das „Klärwerk bei Regen nicht verschluckt“. Durch das Auffangen der Wassermenge kann das Abwasser geordneter an das Klärwerk abgegeben werden.

Und die 30 Interessierten der PZ-Sommeraktion erfahren noch mehr: Beispielsweise, dass das Pforzheimer Kanalnetz rund 500 Kilometer lang ist und Kanäle aufweist, die einen Durchmesser von 15 Zentimetern bis rund zwei Metern aufweisen. Kanäle müssen gewartet und gereinigt werden. Denn passiert das nicht, können die Rohre nach Angaben von Leich beispielsweise verstopfen.

Dabei sind weltweit nur fünf Prozent der Haushalte an ein Kanalnetz angeschlossen. In Baden-Württemberg sind immerhin 98 Prozent abgedeckt, wie Leich berichtet.

In Pforzheim sind die ersten Kanäle in der Innenstadt im Jahr 1890 verlegt worden. Erst 20 Jahre später wurde das Klärwerk gebaut. Heute weist die Abteilung Kanalnetz rund 13 000 so- genannte Schachtbauwerke auf.

Um diese zu warten, benötigt Leich Personal. Und seine Männer müssen strenge Sicherheitsregeln beachten. Schließlich kann der Aufenthalt im Kanal durch Gasentwicklung lebensgefährlich sein: Deshalb müssen die Männer, wenn sie sich in den Untergrund begeben, immer ein Gasmess-Gerät mitnehmen, das einzelne Komponenten wie den Sauerstoffgehalt, sowie „die explosive Atmosphäre“ kontrolliert, wie Leich erläutert.

Zudem muss oben auf der Straße stets ein Sicherheitsposten auf seine Kollegen aufpassen. Das Team von Leich kann nur bei gutem Wetter in die Unterwelt von Pforzheim hinabklettern. Bei Regen oder Gewitter ist dies unmöglich. Deshalb hat die Sanierung des Regenüberlaufbeckens an der Abnobastraße auch drei Jahre gedauert: Die Arbeiter, die den Beton auswechselten, konnten nur arbeiten, wenn das RÜB leer war.