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Das Angebot: Die Papierfabrik Weissenstein, wie Rieser sie 2011 erwarb. Nur teurer.
Das Angebot: Die Papierfabrik Weissenstein, wie Rieser sie 2011 erwarb. Nur teurer.
Bernhard Rieser, Chef der Arcus-Klinik, hatte mit der Papierfabrik Großes vor. Doch es geht kaum voran. Rieser beklagt, dass die Stadt wenig kooperativ ist. So hat auch ein Verkauf seinen Reiz.  Ketterl, Meyer
Bernhard Rieser, Chef der Arcus-Klinik, hatte mit der Papierfabrik Großes vor. Doch es geht kaum voran. Rieser beklagt, dass die Stadt wenig kooperativ ist. So hat auch ein Verkauf seinen Reiz. Ketterl, Meyer
24.06.2017

Papierfabrik steht zum Verkauf - Besitzer Rieser setzt aber weiter eher auf eigenes Projekt

Da schau her. Wer aus professioneller Neugier regelmäßig Handelsregister-Einträge, Branchendienst-Meldungen und Immobilienangebote für Großobjekte sondiert, der schnappt manches auf.

So auch dieses Angebot in Pforzheim: „43 000 Quadratmeter für Ihre Ideen – Investor, Visionär, Entwickler als Käufer gesucht“. Der Begriff „Multimillionär“ fehlt noch in der Reihe, versteht sich aber von selbst, denn der aufgerufene Kaufpreis liegt bei stolzen 12,2 Millionen Euro. Anhand der Bilder ist das von einer Kelterner Maklerin in Diensten eines Büros im rheinland-pfälzischen Bad Breisig angebotene Objekt sofort als die Papierfabrik Weißenstein zu identifizieren. Arcus-Klinik-Besitzer Bernhard Rieser hatte die Immobilie im August 2011 aus der Konkursmasse des Unternehmens ersteigert. Er wollte sie städtebaulich qualitätvoll entwickeln, ohne allerdings konkretere Überlegungen zu haben. Eine Abschlussarbeit zweier Architekturstudenten zu dem Thema konkretisierte im vergangenen Jahr Überlegungen einer Art kleinem Stadtteil mit Nahversorgung und zentralem Platz, was Rieser aber zuviel Raum für den allgemeinen Nutzen und zu wenig Wohnen beinhaltete.

Der 66-jährige Rieser bestätigte auf PZ-Nachfrage, mit einer Maklerin einen möglichen Verkauf vereinbart zu haben, wenn der Preis stimmt. Die Frau, die ihn kurz zuvor bei einem anderen Geschäft durch ihre Beharrlichkeit überzeugt habe, habe ihm gesagt, es gebe wohl einen Interessenten für die Immobilie, und habe ihn nach seiner Schmerzgrenze beim Preis gefragt.

Er selbst wolle eigentlich nicht verkaufen, sagte Rieser zur PZ, aber es gebe eben Beträge, die so hoch seien, dass sie jeden Schmerz übers Nichtverwirklichen seines Projekts linderten. Und unter diesen Umständen habe er mit der Maklerin einen Vertrag darüber abgeschlossen, dass sie insgesamt fünf Monate lang – zwei Wochen davon sind verstrichen – exklusiv den Verkauf der Papierfabrik zu diesem Preis betreiben könne. Gleichzeitig sei die Stadt Pforzheim, die sich unter dem künftigen OB Peter Boch womöglich ändere, im Umgang nicht so kooperativ gewesen, dass er unbedingt hier ein größeres Projekt verwirklichen wolle.

Unwahrscheinlich, dass die ursprünglich für eine Nutzung der Papierfabrik gegründete Genossenschaft Gewerbekultur anhand des Verkaufsangebots erneut auf den Plan tritt. Sie war 2011 bei der Versteigerung unterlegen und dürfte kaum in der Lage sein, die nun aufgerufenen 12,2 Millionen Euro zu stemmen, nachdem sie seinerzeit nicht mit den 900 000 Euro mithalten konnte, für die Rieser den Zuschlag bekam.