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Symbolbild dpa
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20.03.2016

Parkhaus-Strandbar muss 30 Fahrradstellplätze einrichten

Es gibt Städte, da hat das bevorzugte Verkehrsmittel zwei Räder und braucht kein Benzin. Dort gibt es mehrstöckige Parkhäuser samt Videoüberwachung für Fahrräder. Und mehr Automaten für neue Schläuche als für Kaugummis. Pforzheim, das ist kein Geheimnis, gehört nicht dazu. Trotz der türkisfarbenen Linien, die dem Radwegekonzept der Stadt entsprungen sind, sind Radler auf Pforzheims Straßen nach wie vor eher eine Seltenheit. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum die Stadt vor wenigen Jahren mit dem Hilda ein großes Gymnasium samt Sporthalle im Zentrum bauen konnte, ohne auch nur einen einzigen Fahrradständer auf dem Gelände. Und kaum keiner hat sie vermisst.

Zahl nach unten korrigiert

Umso skurriler die Tatsache, dass nun gegenüber, auf der anderen Seite der Luisenstraße, zahlreiche Abstellmöglichkeiten für Drahtesel geschaffen werden müssen. Der Grund: Eine Novellierung der „Verwaltungsvorschrift über die Herstellung notwendiger Stellplätze“ in der Landesbauordnung, die im Mai 2015 in Kraft getreten ist.

Diese regelt, neben der Zahl von Stellplätzen für Autos auch die für Fahrräder bei öffentlichen Gebäuden oder Einrichtungen. Darunter fällt auch die Strandbar, die auf dem obersten Deck des Sparkassen-Parkhauses entsteht (die PZ berichtete). Diese umfasst Hunderte Quadratmeter – und danach wird die Zahl der Fahrradständer berechnet: ein Stellplatzbedarf je sechs bis zwölf Quadratmeter Gastraumfläche ist vorgesehen. „Regelmäßig wird vom Mittelwert von einem Stellplatz je neun Quadratmetern ausgegangen“, erklärt der städtische Pressesprecher Philip Mukherjee. „Aufgrund der gegebenen Gaststättenfläche ist das Baurechtsamt nach dieser reinen Lehre zunächst von 65 Stellplätzen ausgegangen.“ Diese sind in einer Stadt wie Pforzheim wohl übertrieben – da hat man sogar im Rathaus ein Einsehen gehabt. „Das Baurechtsamt hat im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens aufgrund der räumlichen Gegebenheiten die Anzahl der geforderten Stellplätze auf eine umsetzbare Zahl reduziert und insoweit eine Befreiung erteilt“, so Mukherjee.

30 Fahrradständer müssen die Gastronomen nun bereitstellen – und sehen es gelassen. „Wir haben eine Lösung gefunden“, lässt Giuseppe Schembri wissen. Man habe auf der Ostseite der ersten Ebene weiteren Platz angemietet. Dieser sei direkt über den Gehweg zu erreichen. Ob die Maßnahme notwendig ist? „Das wird sich zeigen. Pforzheim ist ja nicht gerade eine Fahrradstadt“, sagt er.

Wer am Ende sein Rad auf der Fläche parkt, die Schembri und sein Kompagnon Vincenzo Bottazo bezahlen, werden sie wohl nicht kontrollieren können. „Das liegt an der Natur der Lage“, sagt Schembri. Und wer weiß, vielleicht regelt das Angebot die Nachfrage und es schwingen sich doch noch ein paar Hilda-Schüler morgens aufs Rad.

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