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23.07.2008

Party statt Pauken: Endlich Ferien und dann ab ins Freibad

Sommerferien! Sechs Wochen lang genießen die Schüler in der Region ihre Freiheit. Schon um zwölf Uhr mittags ist die Pforzheimer Innenstadt voll: Die Sonne scheint, die Schüler lachen und schwatzen, freuen sich auf Freibad, Strandurlaub und LAN-Partys.

Sechs Wochen lang dürfen die Sechs- bis Neunzehnjährigen vergessen, dass mit der Schule der Ernst des Lebens in ihren Alltag getreten ist. Sie dürfen vergessen, dass es so etwas wie Hausaufgaben und Klassenarbeiten gibt, dürfen feiern, lachen, jubeln – und fangen damit schon am letzten Schultag an.

Die meisten von ihnen können das mit gutem Gewissen tun: Denn immer weniger Schüler müssen nach den großen Ferien eine Klasse wiederholen. Die Quote der Nichtversetzten ist in Baden-Württemberg nach Angaben des Statistischen Landesamtes in den vergangenen Jahren stets gesunken. An den Grundschulen müssen rund 0,8 Prozent der Schüler eine Klasse wiederholen, an den Hauptschulen 1,7 und an den Gymnasien 2,7 Prozent. Am höchsten ist der Wert an den Realschulen (3,6). Dort werden fast vier von 100 Schülern nicht versetzt.

Rund um Marktplatz, Leopoldplatz und Schlössle-Galerie bevölkern die Heerscharen der von Pflichten befreiten Schüler jedes sonnige Fleckchen. Endlich hat auch das Wetter ein Einsehen – nach tagelangen Regenschauern und grauen Wolken kommt pünktlich zum Ferienbeginn die Sonne heraus und lässt schon einmal ein wenig Urlaubsfeeling aufkommen. Kein Wunder, dass die Schüler ganz außer Rand und Band sind. „Ferien!!!!!“, brüllt ein Grüppchen Vierzehnjähriger, und einer der Jungs macht gar Anstalten, das Zeugnis mit großer Geste in die imaginäre Menschenmenge zu schleudern. Dabei sei es nicht einmal so schlecht ausgefallen. „Ganz zufrieden“ seien sie, meinen auch seine Freunde. „Hauptsache versetzt“, fügt einer einschränkend hinzu.

Und das ist wirklich ein Grund zum Jubeln: Denn bei den Gymnasien nimmt Pforzheim einen unrühmlichen Spitzenplatz ein: Im vergangenen Sommer registrierte man nirgends in Baden-Württemberg einen höheren Anteil an Sitzenbleibern.

Auch die Mädchen zeigen Freude – auf ihre Art und Weise. Schwatzend und lachend stecken sie ihre Köpfe zusammen und fallen von einem Kicheranfall in den nächsten. Auf die Sommerferien freuen sie sich besonders, weil sie nicht mehr so früh aufstehen müssen, im Schwimmbad die Freundinnen treffen können, „kurze Kleider anziehen“, „LAN-Partys feiern“ und „braun werden“ dürfen. „Sehr gut“ seien die Zeugnisse gewesen, das viele Lernen, die Tests und die Hausaufgaben wird aber trotzdem niemand vermissen. Was schmerzlich fehlt in den langen Ferien sind die „Leute aus der Klasse, die man sonst jeden Tag sieht“ und – kaum zu glauben – auch ein paar Lehrer: „Meinen Englischlehrer und die Deutschlehrerin, die werde ich schon vermissen“, sagt ein Mädchen – und schickt ein Kichern hinterher.

Ein Teenagerpärchen sieht den ersten Wochen der Ferien eher unwillig entgegen: „Wir müssen erstmal arbeiten gehen, damit wir uns den Urlaub leisten können.“ So wie sie denken viele: Lieber ein paar Wochen Ferienjob und danach eine richtig tolle Reise, als sechs Wochen lang nur Balkon und Freibad, während die Freunde sich an fernen Stränden aalen. Stattdessen geht es nach Kroatien, in die Türkei, nach Polen, Italien, Spanien und sogar nach Amerika.

Erstklässler bejubeln ihre ersten Sommerferien – endlich mal etwas, für dass es sich gelohnt hat, zur Schule zu gehen –, geplagte Beinahe-Abiturienten legen sorgenvoll die Stirn in Falten beim Gedanken an das harte letzte Schuljahr, das ihnen angeblich bevorsteht. „Ich muss in den Sommerferien für das Abi lernen“, meint ein Zwölftklässler und verzieht das Gesicht. Zu früh sei das nicht, die Prüfungen werden mit Schrecken erwartet. Zwei Fünftklässler kennen diese Sorgen nicht: „Wir werden ganz viel Spaß in den Ferien haben, wir brauchen keine Hausaufgaben machen und können alle unsere Freunde treffen“, verkünden die beiden freudestrahlend.