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 Foto: PZ-Archiv 

Personalrat bahnt Weg für mehr Überstunden im Rathaus

Es klingt aufsehenerregend: Je Beschäftigtem im Rathaus können neuerdings bis zu 80 statt bislang 40 Überstunden auflaufen. Dies, obwohl jüngst Einzelfälle städtischer Bediensteter publik wurden, die ausschieden und dank vieler Überstunden die Arbeit schon mehrere Monate vor Schluss des Beschäftigungsverhältnisses beendeten.

Dass nun ein für die Aufgabenfülle viel zu kleiner Mitarbeiterstamm mittels eines wachsenden Bergs an Überstunden den laufenden Betrieb der Stadtverwaltung unter Mühen und mit immer längeren Bearbeitungszeiten bis zu einer Art großem Knall aufrecht erhalten könnte – dieser Sorge tritt der städtische Pressesprecher Michael Strohmayer entgegen.

„Mit der Dienstvereinbarung sind wir dem Wunsch des Personalrates und zahlreicher Mitarbeiter nachgekommen, die individuelle Zeitsouveränität zu stärken“, so Strohmayer auf PZ-Nachfrage. „Wir waren mit unserer bisherigen Gleitzeitregelung, die Arbeitszeit in einer Bandbreite von minus zehn bis plus 40 Stunden hinweg eigenverantwortlich und anforderungsorientiert gestalten zu können, nicht mehr auf der Höhe modernen Arbeitszeitmanagements.“

„Mehr Eigenverantwortung“

Deshalb habe man diese Anpassung vorgenommen, mit der die Stadtverwaltung nun auch wieder im Personalmarketing bezüglich flexibler Arbeitszeit-Gestaltung punkten könne. Mit Überstunden habe diese Regelung allenfalls mittelbar zu tun: Sie könne nämlich bei verantwortungsbewusstem Umgang Schwankungen im Arbeitsanfall ausgleichen, somit könne die Anordnung von Überstunden vermieden werden. „Tatsächlich geht es darum, Mitarbeitern mehr Eigenverantwortung über ihren Arbeitseinsatz zu geben und damit einen Beitrag zur noch besseren Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Pflege oder einfach sonstigen individuellen Bedürfnissen zu leisten.“ Angst vor auflaufenden Überstunden sei unberechtigt. „Wir haben seit 25 Jahren ein stetig rückläufiges Überstundenaufkommen“, so Strohmayer, und dieses sei niedrig – in den vergangenen vier Jahren zwischen 3500 und 4000 Überstunden pro Jahr mit einem Gegenwert von 200 000 bis 250 000 Euro. „Das liegt daran, dass wir eine gute und vorausschauende Personalbemessung haben“, teilt der Sprecher mit. Der Gemeinderat ziehe mit: Jüngst beschloss er 194 zusätzliche Stellen, die zu besetzen seien.

Schwankungen ausgleichen

Ansonsten habe man bei rund 2000 Beschäftigten stets etwa 30 bis 40 offene Stellen, was ein niedriger Wert sei. Darüberhinaus könne die Stadt kurzfristigen Schwankungen etwa mit Zeitverträgen, temporären Arbeitsvertragsänderungen sowie nicht zuletzt flexiblen Arbeitszeitmodellen – „kurz gesagt einem proaktivem Personal- und Arbeitszeitmanagement“, so Strohmayer – begegnen.