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Die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ half dem Chor beim Start durch die Finanzierung der Liederbücher.
Die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ half dem Chor beim Start durch die Finanzierung der Liederbücher.
Gemeinsam singen macht Spaß: Tanja Konstandin (Dritte von rechts), Ulrike Traub-Flachs (Zweite von rechts) und Chorleiterin Kornelia Langmann stimmen sich mit den Herren ein.  Seibel
Gemeinsam singen macht Spaß: Tanja Konstandin (Dritte von rechts), Ulrike Traub-Flachs (Zweite von rechts) und Chorleiterin Kornelia Langmann stimmen sich mit den Herren ein. Seibel
07.09.2015

Pflegedienst Visit gestaltet für psychisch Erkrankte ein Chorprojekt – „Menschen in Not“ unterstützt die Aktion

Tanja Konstandin leitet den sozio-therapeutischen Pflegedienst Visit in Pforzheim. Für sie ist der Umgang mit Menschen mit seelischem Handicap ganz normal. Sie begegnet ihnen täglich in ihrer Arbeit. Und sie weiß, wie schwierig es für diese Menschen ist, einen einigermaßen normalen Alltag zu führen. Und so hat die 33-Jährige schon lange eine Idee mit sich herumgetragen – und nun verwirklicht: Sie hat den Chor „Chorcolores“ gegründet.

Hier darf jeder mitmachen – muss aber nicht. „Chöre sind eigentlich streng organisiert“, weiß Konstandin, die selbst aktive Chorsängerin ist. „Menschen mit psychischen Leiden schaffen das aber nicht.“ Bei Chorcolores sei deshalb wegbleiben erlaubt und das Mitmachen kostenfrei. In der Arbeit beim Pflegedienst habe sie oft von ihren Patienten gehört, dass viele früher gesungen hätten. Inzwischen seien sie aber durch ihre Erkrankung nicht mehr dazu in der Lage. „Auch ist die Hemmschwelle zu hoch. Die Möglichkeit, am öffentlichen Leben teilzunehmen, ist gleich null.“ Bei Chorcolores erwarte die Sänger ein beschützter und begleiteter Rahmen.

„Singen beseelt und verändert die Stimmung“, sagt Konstandin. „Egal wie der Tag gelaufen ist, durch Singen wird er gut.“ Für die guten Töne ist Chorleiterin Kornelia Langmann zuständig. Die Mutter dreier Kinder aus Birkenfeld-Obernhausen ist von Herzen dabei. Sie bietet den Chorcolores-Mitgliedern ein- und zweifache Chorsätze an. „Das ist für jeden machbar“, sagt sie. „Spannend ist, wenn jeder seine Stimme findet und sie kennenlernt.“

Und dann geht es auch schon los. Am Abend ist die Runde überschaubar groß. Insgesamt sind zehn Personen gekommen. Erzählen will an dem Abend aber niemand etwas. Aber das ist nicht weiter schlimm. Tanja Konstandin ist froh, dass es der harte Kern überhaupt geschafft hat, zur Probe zu kommen.

Neues beschwingt

Der Kanon „Singen macht Spaß“ beschwingt. Die Füße wippen mit. Weiter geht es mit „Bruder Jakob“. Langmann singt vor. Dabei wählt sie ungewöhnliche Melodien, die das Lied ganz neu präsentieren. Nach wenigen verdutzten Blicken klappt es. Ebenso bei „Go down Moses“. Die Männer singen Bass. Dann das Kommando an die Frauen: „Nicht von den Männern ablenken lassen, denn die haben die Töne, die ihr haben wollt.“

Es wird gelacht, relaxt und geschmunzelt Bei „Singing all together“ ist es dann soweit: Die Chor-Mitglieder singen fünfstimmig. Aber gleich folgt die Korrektur der Chorleiterin: „Kein Kaugummisingen, dann wird das Lied viel schöner.“ Und es gelingt.

Chorcolores macht Spaß – beim Zuhören, Zuschauen und beim Mitmachen.

„Menschen in Not“, die Hilfsaktion der „Pforzheimer Zeitung“, hat dem Chor mit einer kleinen Anschubfinanzierung den Erwerb der Liederbücher ermöglicht. Nach den Sommerferien geht es am Dienstag, 15. September, weiter mit den Proben. Treffpunkt ist dienstags von 18 bis 19.30 Uhr im kleinen Musikzimmer (Raum 205 a) des Theodor-Heuss-Gymnasiums. Infos auch beim Pflegedienst Visit telefonisch unter (0 72 31) 47 27 10.