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„Weil das Gesamtpaket auf dem Krämermarkt stimmt, haben wir schon vier gute Tage hingelegt“, freut sich Lederwaren-Händler Tobias Braun, hier mit Kundin Martha Grömling.Fotos: Erb
„Weil das Gesamtpaket auf dem Krämermarkt stimmt, haben wir schon vier gute Tage hingelegt“, freut sich Lederwaren-Händler Tobias Braun, hier mit Kundin Martha Grömling.Fotos: Erb
„Die Mess ist ein Highlight“, sagt Anne Kostolnik von Gewürze-Scholz.
„Die Mess ist ein Highlight“, sagt Anne Kostolnik von Gewürze-Scholz.
„Nirgends gibt es so eine große Auswahl“, betont CD-Händler Mike Holz.
„Nirgends gibt es so eine große Auswahl“, betont CD-Händler Mike Holz.
„Es wird jedes Jahr besser“: „Messer-Mo“ Heiko Oklmann und Christa Reil.
„Es wird jedes Jahr besser“: „Messer-Mo“ Heiko Oklmann und Christa Reil.
„Alles ruhig und friedlich“: Spielzeughändler Isabella und Manfred Müller.
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19.06.2017

„Pforzemer Mess“: Krämermarkt mehr als bloß Beiwerk

Pforzheim. Mit 55 Metern ist „Bellevue“ eines der größten und schönsten Riesenräder weit und breit. Bei kaum einem Überkopf-Propeller wird man so heftig in die Sitze gedrückt wie beim „Boostermaxxx Mega 4G“. Doch viele Besucher der Pforzemer Mess steuern nicht nur die spektakulären Fahrgeschäfte an, sondern gezielt auch die Verkaufsstände. Während andernorts Krämermärkte schrumpfen oder gar ganz verschwinden, ist die Pforzheimer Einkaufsmeile am Rande der Mess mehr denn je ein Renner.

Wer etwas über Mess-Trends wissen will, muss bloß Karl Thaldorf fragen. Schließlich pendelt der Lokführer der SWP-Bimmel-Bahn mit offenen Augen und Ohren im 30-Minuten-Takt zwischen Markt- und Messplatz. Gleich gestern um 12 Uhr habe sich ein 80-Jähriger mit ihm aufgemacht, um einen Gürtel zu kaufen. Viele Mess-Freunde hätten bei der Heimfahrt Tüten in Händen, aus denen etwa Pflanzen lugten. Aber nicht nur. „Was man auf keinen Fall weglassen darf beim Krämermarkt, sind etwa Blumen, Pfannen, Gewürze – und natürlich den Messerschärfer“, weiß Thaldorf.

Tatsächlich sind es überwiegend die Dauerbrenner, die Magnetwirkung haben. Gewürze und Haushaltswaren habe sie gekauft, berichtet Birgit MPele, die mit Margareta Klein-Bretschneider die Mess besucht, eine Freundin habe am Vortrag ein Lederarmband und Unterwäsche erworben. „Der Krämermarkt gehört einfach zur Mess“, sagt MPele, die das Volksfest von Kindesbeinen an kennt.

Einen Stammkunden-Anteil von 80 Prozent meldet Tobias Braun aus Rödermark, der Lederwaren an die Frau und den Mann bringt – in diesem Fall an Martha und Kurt Grömling. Sie besuchten stets den Krämermarkt und hätten hier auch im Vorjahr ein Täschchen gekauft. Warum? „Gute Qualität hält sich“, sagt Kurt Grömling. Eben von einem stimmigen „Gesamtpaket“ schwärmt Braun. Der städtische Marktmeister Marc Pfrommer achte auf hohe Qualität bei den Beschickern, von der dann alle profitierten. „Wir haben schon vier gute Tage hingelegt“, berichtet Tobias Braun.

Von der aktuellen Hitze lässt sich „Messer-Mo“ Heiko Oklmann aus Bayreuth nicht beirren: „In Pforzheim kommen die Besucher schon.“ Die Stadtverwaltung gebe sich „allergrößte Mühe“, damit der Krämermarkt „jedes Jahr besser“ werde: „Hier ist vieles zu haben, das es anderswo gar nicht mehr gibt“, sagt der Messerschärfer, der etwa auf den Kollegen Manfred Müller aus Augsburg mit seiner „Spielzeugtruhe“ verweist. Dort ist Trendiges wie der Handkreisel Spinner zu haben, vor allem aber Zeitloses wie Luftballons, Wind- und Laufräder oder Modellautos. Seit 36 Jahren sei er im Geschäft, sagt Müller, aber nirgends sei es so ruhig, entspannt und angenehm wie in Pforzheim. Bei anderen Volksfesten verprellten abends Betrunkene die Krämermarkt-Kundschaft: „Hier bleibt das Familienpublikum bis spät, und man kann sich mit den Leuten unterhalten.“ Auch für Anne Kostolik vom Gewürze- und Kräuterstand Scholz aus Westhausen ist die Mess „ein Highlight“. Bislang laufe alles „super – wir sind sehr zufrieden“.

Zu den Neulingen gehören der T-Shirt-Bedrucker Stjepan Oroz und Mike Holz mit einem CD-Shop für Volksmusik und Schlager. Abgerechnet werde zum Schluss, geben sich beide noch vorsichtig optimistisch. Doch er sei seit vielen Jahren unterwegs und komme „sehr viel herum“, sagt Holz. Die Pforzemer Mess sei „wirklich sehr schön aufgebaut“ und biete eine „sehr gute Auswahl – an Krämermarktständen wie an Fahrgeschäften“. Die Mess läuft bis 25. Juni, öffnet werktags um 12 Uhr, am Sonntag um 11 Uhr und dauert bis 23 Uhr, Freitag und Samstag bis 24 Uhr.