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© Symbolbild PZ
14.07.2016

Pforzheim: Bewährung für Mehrfach-Vergewaltiger

Pforzheim. Sie hatte am 7. Januar dieses Jahres gerade ihre Tochter im Kindergarten abgegeben und war auf dem Heimweg, als Lena M. (32) in einer Seitenstraße nahe ihrer Wohnung von ihrem Exfreund Marco D. abgepasst wurde (Namen alle geändert). Unter Gewaltandrohung zwang er sie, mit in seine Wohnung zu kommen, wo er sie für mehr als elf Stunden gefangenhielt, beschimpfte, ihr drohte, sie umzubringen, und mehr als achtmal zu Oralverkehr zwang und vergewaltigte. Ein Fluchtversuch der Frau endete erfolglos im Hausgang.

„Ich habe nach dem achten Mal aufgehört, zu zählen“, hatte Lena M. ausgesagt. Immer wieder habe er sie beschimpft, zwischendurch geweint, gekifft und Alkohol getrunken und dann von neuem begonnen, sie zu vergewaltigen. Weil sie seine Gewaltausbrüche fürchtete, habe sie sich zwar gewehrt und gesagt, dass sie das nicht wolle, aber ihn nicht traktiert. „Ich habe einmal zurückgeschlagen“, sagte sie rückblickend auf ihre ambivalente Beziehung zu Marco D., „und habe es doppelt und dreifach zurückbekommen.“

Für die mehrfache Vergewaltigung, Nötigung und den Freiheitsentzug verurteilte ihn das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Oliver Weik am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Die Strafe wurde nach einer Einigung zwischen dem Angeklagten und der Nebenklägerin Lena M. für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Bereits vorbestraft

Zunächst hatte D. auf unschuldig plädiert und behauptet, sie an jenem Tag gar nicht gesehen zu haben. Verteidigen ließ er sich von drei Anwälten, die Lena M.mehrere Stunden befragten. Mehrfach bat diese den Anwalt Stephan Jacob, sie nicht anzuschreien.

Am Mittag überraschte der Angeklagte mit einem Pauschalgeständnis, sprich einer Eingabe seines Verteidigers, die in wenigen Sätzen besagte, dass die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zutreffen. Er selbst sagte lediglich: „Das Ganze trifft zu, es tut mir leid.“

Der arbeits- und berufslose 29-Jährige erklärte sich bereit, ein Schmerzensgeld von 10 000 Euro zu bezahlen. Richter Weik sprach ein Näherungsverbot aus. Da Marco D. bereits wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden war und in seiner laufenden Bewährungszeit das nun geahndete Verbrechen beging, bleibt vorerst offen, ob die Bewährung doch noch aufgehoben wird. Lena M. akzeptierte die Einigung, weil sie nur noch Ruhe haben und sich nicht durch weitere Instanzen kämpfen wolle.

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