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Dubiose Anrufer geben sich als Mitarbeiter eines Telefonanbieters – oder der Stadt Pforzheim – aus und wollen neue Stromverträge vermitteln. Foto: PZ-Archiv
Dubiose Anrufer geben sich als Mitarbeiter eines Telefonanbieters – oder der Stadt Pforzheim – aus und wollen neue Stromverträge vermitteln. Foto: PZ-Archiv
10.07.2016

Pforzheim: Dubiose Anrufer geben sich als Stadtmitarbeiter aus

Pforzheim. Isolde G. (Name geändert) ist eine resolute Frau. Eine mit einer gehörigen Portion gesunden Misstrauens. Das befällt die 59-Jährige an einem Samstag gegen 13.30 Uhr. Da klingelte ihr Telefon: „Mayer vom Rathaus“, tönte die Stimme von einem Mobiltelefon aus. Dass samstags im Rathaus jemand schafft, ist Isolde G. neu. Auch das ein angeblicher Mitarbeiter von seinem Handy aus anruft.

Diese Zweifel tut Isolde G. kund – und bekommt zu hören, „Herr Mayer“ sei „der letzte Mitarbeiter“. Was die Pforzheimerin weiter stutzig macht, ist die Geräuschkulisse beim vorgeblich letzten Verwaltungs-Mohikaner in der kommunalen Schaltzentrale: „Im Hintergrund war ein Stimmengewirr wie in einem Call-Center“, schildert die 59-Jährige ihren akustischen Eindruck. „Die Rathaus-Nummer glaubte ich schon lange nicht mehr – war aber neugierig, worauf das Ganze jetzt rausläuft“, sagt sie zur PZ. Sie fragt den mit einem Akzent sprechenden „Herrn Mayer“, worum es denn gehe. „Um eine statistische Umfrage“, sagt dieser – und ob er drei Fragen stellen dürfe. „Klar“, sagt Isolde G., „das war die erste. Wie lauten die nächsten beiden?“

„Herr Mayer“ gerät ins Stocken. Er schleimt ein bisschen herum, fragt, ob Isolde G. damit einverstanden sei, dass das Gespräch aufgezeichnet werde, und leiert einen, so scheint es, abgelesenen Text herunter, in dem es irgendwie um Stromtarife geht. Spätestens jetzt wird es bei einigen PZ-Lesern klingeln. War da nicht was? Richtig: Vor einigen Wochen beschwerten sich Pforzheimer, dass ihnen tatsächliche oder angebliche Mitarbeiter des Telekommunikationsanbieters Unitymedia Stromtarife eines Anbieters aus Berlin andrehen wollten – wenn sie vorher bei den Stadtwerken ihren bestehenden Vertrag kündigten. Unitymedia bestritt, selbst etwas mit diesen fragwürdigen Praktiken zu tun zu haben. Wenn das der Wahrheit entspricht, bleibt nur der Schluss, dass freie Mitarbeiter unter der Unitymedia-Flagge auf eigene Rechnung arbeiten.

Rathaus verkauft keinen Strom

Der Polizei ist die „Mayer-Rathaus“-Masche bisher nicht bekannt – aber schließlich ist es noch nicht zu einer Straftat gekommen. Dafür sorgt schon Isolde G.s energischer Auftritt: „Wissen Sie was? Sie klingen wie Alphonse mit dem Puschel-Mikrofon, und allmählich komme ich mir doch recht verarscht vor.“ „Herr Mayer vom Rathaus“ – das gar keine Stromverträge vermittelt oder abschließt – legt auf.

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