nach oben
29.11.2015

Pforzheim: Runder Tisch soll Streit ums Friedhofswesen beenden

Ein runder Tisch soll in dieser Woche Klärung bringen: Oberbürgermeister Gert Hager hat den Vorschlag des Pforzheimer Bestattungshauses Brüggemann angenommen, zusammen mit dessen Inhaber Ulrich Brüggemann und den städtischen Fachämtern strittige Punkte und Sichtweisen anzusprechen.

Der 59-Jährige sieht sich nach eigener Wahrnehmung in seiner Existenz bedroht. Die Stadt wahre ihre Neutralität nicht bei der Vergabe von Leistungen, so seine Einschätzung. Auf diese Weise gingen ihm Aufträge verloren. Zudem würden ihn zwei große Mitbewerber derart behindern, dass er finanzielle Einbußen erleide.

Brüggemann hatte sich in der Bürgersprechstunde im September mit detaillierten Kritikpunkten und damit verbundenen Lösungsvorschlägen an Hager gewandt (die PZ berichtete). Vergangene Woche kam die Antwort des Rathauschefs. Daraufhin schlug Brüggemann ihm einen Termin im Rathaus zur Klärung vor.

Beschwerde bei Stadt

Brüggemann hatte in der Sprechstunde und auch schriftlich gefordert, die „Durchführung von Bestattungen vom 1. April 2015 bis 31. Dezember 2020“ neu auszuschreiben, weil die Anforderungen überzogen gewesen seien. Er hatte der Stadtverwaltung attestiert, die Ausschreibung auf ein spezielles Bestattungsunternehmen zuzuschneiden. Hager entgegnete, die Firma Brüggemann hätte die kritischen Punkte rügen und ein Nachprüfverfahren bei der Vergabekammer beantragen können.

Oberbürgermeister Hager weist in dem Schreiben auch darauf hin, dass Brüggemanns Beschwerde bezüglich der 33 unbeerdigten Urnen Erfolg gezeigt habe. Die Stadt habe dafür gesorgt, dass die bis zu sieben Jahre im Regal des Krematoriums liegengebliebene Aschekapseln in der Mehrzahl auf den dafür vorgesehenen Friedhöfen beigesetzt worden seien.

Die wenigen Fälle, die bis Ende Oktober nicht angefordert wurden, seien in einem Sammelgrab auf dem Hauptfriedhof beigesetzt worden. In Zukunft wolle man die Bestatter zeitnaher anschreiben. Die Urnen würden bis zu ihrem Verbleib künftig in einem abschließbaren Regal verwahrt.

Nicht rechtswidrig

Nicht ideal sei der Umstand, dass der Sargtransport durch die Kühlhalle auf dem Hauptfriedhof erfolge, räumt Hager ein. Die bauliche Situation sei zwar unglücklich aber nicht rechtswidrig. Das schätzt Brüggemann anders ein, und sieht die Bestattungsverordnung verletzt. Brüggemann hatte außerdem kritisiert, dass die städtischen Kühlhallen nicht ordnungsgemäß gereinigt würden, obwohl das im Leistungsverzeichnis der Ausschreibung festgelegt sei. Laut Hager gibt es nachprüfbare Reinigungsprotokolle. Ein zweiter Bestatter hatte Brüggemanns Eindruck gegenüber der PZ bestätigt.

Auf die Beschwerde bezüglich Werbung von Bestattern sei reagiert worden, schreibt Hager weiter. Die Friedhofverwaltung habe die betreffenden Firmen auf ihre Neutralitätspflicht hingewiesen und keine Verstöße mehr festgestellt. Brüggemann spricht von einem Teilerfolg. Noch immer würde ein Mitbewerber die Überführungsfahrten vom Hauptfriedhof auf die Stadtteilfriedhöfe mit Fahrzeugen erledigen, auf denen Werbung zu lesen sei.

Leserkommentare (0)