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16.04.2018

Pforzheim nimmt mehr Geld fürs Abwasser ein - trotz niedrigerer Gebühren

Pforzheim. Was Theoretiker der freien Marktwirtschaft über Unternehmenssteuern prophezeien, ist beim Pforzheimer Abwasser nun in der Praxis eingetreten: Weniger ist mehr. Die Stadt hatte Ende 2016 den Abwasserpreis auf eine Schmutzwassergebühr von 1,94 Euro je Kubikmeter abgesenkt (fürs Regenwasser blieb er bei 1,01 Euro) – und im Jahr darauf dennoch mehr Geld eingenommen, um rund 624 000 Euro.

Das gaben der Erste Bürgermeister Dirk Büscher und Thorsten Sudhof als Werkleiter des Eigenbetriebs Stadtentwässerung (ESP) gestern in der Sitzung des Gemeinderats-Werkeausschusses bekannt. Der Grund: Der Wasserverbrauch in Pforzheim hatte deutlich zugenommen, laut Sudhof eine Folge der deutlich gestiegenen Einwohnerzahl. Anhand des Wasserverbrauchs wird den Haushalten und Betrieben die Schmutzwasser-Entsorgung in Rechnung gestellt. Die Kosten der Stadtentwässerung dagegen sind von der Menge des zu entsorgenden Wassers weitgehend unabhängig, denn Kanalisation und Kläranlage müssen so oder so für die Bedürfnisse einer kleinen Großstadt vorgehalten werden. Im Gegenteil: Auch dafür sind die Ausgaben niedriger gewesen als veranschlagt, unter anderem um rund 200.000 Euro durch billigere Zinsen, um rund 628.000 durch Verrechnungen bei der Abwasserabgabe und um rund 210.000 Euro beim Materialaufwand (darunter auch 144.000 Euro für externe Gutachten). So kann der ESP, der knapp 27 Millionen Euro umsetzt, auch eine Gebührenausgleichsrückstellung über rund 1,5 Millionen Euro auflösen. „Da kann man ganz beruhigt in die nächsten Jahre gehen“, sagte Sudhof.