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12.05.2009

Pforzheim und Mühlacker: Grau raus und Grün rein

Pforzheim und Mühlacker haben beide ein ähnliches Problem: Ihre Innenstädte gelten nicht gerade als Vorzeigeobjekte. Beide Städte wollen aber auch ihre Mitte unbedingt aufwerten. Was tun? Grau raus, Grün rein – so könnte das Motto lauten, denn Pforzheim bewirbt sich für eine Landesgartenschau (LGS) in der Innenstadt und Mühlacker will ein so genanntes Grünprojekt – eine kleine Gartenschau – am Rande der Innenstadt.

Alle zwei Jahre wird eine Stadt in Baden-Württemberg in ein buntes Blumenmeer verwandelt. Seit 1980 gibt es die Landesgartenschauen. 18 Städte sind im Rennen für die Vergabe einer Landesgartenschau zwischen den Jahren 2015 und 2025, darunter Pforzheim, das bereits 1992 den Enzauenpark für dieses Großereignis herrichten ließ. Darüber hinaus wollen weitere 23 Städte im Land – darunter Mühlacker - ein Grünprojekt verwirklichen.

Minister Peter Hauk spricht von einer „überwältigenden Resonanz“. Die Kommission seines Stuttgarter Ministeriums begutachtet alle eingereichten Bewerbungen vor Ort. Die endgültige Entscheidung trifft im Herbst das Kabinett.

Pforzheim hat ja schon Erfahrungen mit solch einem Großprojekt gesammelt - vor allem auch mit den Kosten. Die Landesgartenschau von 1992 im Enzauenpark war die bis dahin mit weitem Abstand teuerste Grün-Ausstellung im Musterländle. 16,8 Millionen Euro mussten ausgegeben werden. Zur LGS-Premiere 1980 musste Ulm nur 10,9 Millionen Euro finanzieren. Mit 5,8 Millionen Euro zeigten sich die Schwäbisch Haller (1982) und Reutlinger (1984) am sparsamsten. Erst 2002 kam die LGS in Ostfildern mit 21 Millionen Euro teurer. Die neue Landesgartenschau in der Pforzheimer Innenstadt könnte ähnlich teuer ausfallen.

Eine Nummer kleiner wird es in Mühlacker werden. Wenn die Senderstadt denn den Zuschlag erhält. Vor Jahren scheiterte Mühlacker mit der Bewerbung um eine große Landesgartenschau. Jetzt soll es ein Grünprojekt werden in den Enzauen. Die Idee: Die Mühlacker Innenstadt erhält am Rande eine grüne Fortsetzung in Richtung Dürrmenz, eine attraktive Verbindung, die den Menschen in der Stadt durch eine fußläufige Erreichbarkeit eine neue Aufenthaltsqualität bescheren könnte. Die neue grüne Mitte, ökologisch belebt und ökonomisch bereichert, solle „Enz-Gärten“ heißen. In Mühlacker stehen die Gemeinderäte einmütig hinter diesem Vorhaben.

In Pforzheim herrscht im Augenblick ebenfalls kommunalpolitisch Einigkeit für die Notwendigkeit einer innerstädtischen Landesgartenschau. Das war nicht immer so. Der verstorbene Erste Bürgermeister Siegbert Frank hatte bereits kurz nach der LGS im Enzauenpark die Idee entwickelt, mehr Grün in die City zu holen und die Flussufer in ein LGS-Konzept zu integrieren. Eine politische Mehrheit fand er damals im Rathaus jedoch nicht für seine Ideen.