760_0008_8956544_Smart_City_30
PZ-Mitarbeiterin Michaela Schulz zeigt, in welchen Bereichen sich Smart City im Alltag der Bürger positiv auswirken kann.

Pforzheim verpasst 17,5 Millionen Euro Zuschuss für den Aufbau einer Smart City

Berlin/Pforzheim. Der Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Horst Seehofer, hat am Dienstag die erste Staffel der „Modellprojekte Smart Cities“ bekanntgegeben. Auch Pforzheim hatte sich dafür beworben und auf einen staatlichen wie stattlichen Zuschuss von insgesamt 17,5 Millionen Euro gehofft. Aus dem Geldfluss wird jetzt erst einmal nichts.

Die Goldstadt als digitaler Vorreiter: Geht es nach den Plänen der Stadtverwaltung, sollte Pforzheim zur Smart City werden. In etlichen Lebensbereichen soll der Alltag der Bürger mittels digitaler Hilfe unbeschwerter und komfortabler werden – in der Schule, im Verkehr, bei Behördengängen und ganz allgemein in der Freizeit. Das muss und wird kommen, nur eben vielleicht nicht so schnell und so günstig. „Das Bundesinnenministerium hat Pforzheim nicht als Modellprojekt Smart Cities ausgewählt“, klärt Oberbürgermeister Peter Boch die Mitglieder des Pforzheimer Digitalisierungsbeirats auf.

OB Boch: "Lasse micht nicht entmutigen"

Aber, so Boch weiter: „Persönlich bin ich sehr enttäuscht von dieser Entscheidung, allerdings lasse ich mich davon auch nicht entmutigen. Es ist und bleibt mein Ziel, Pforzheim zur Smart City zu machen, mit oder ohne Fördermitteln des Bundes.“ Eine Bewerbung in der nächsten Runde will er auf jeden Fall im Blick behalten.

Ziel des Smart-City-Projekts sei es, so die Mitteilung aus dem Bundesinnenministerium, sektorübergreifende digitale Strategien für das Stadtleben der Zukunft zu entwickeln und zu erproben. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren noch drei Staffeln und damit rund 50 Modellprojekte mit insgesamt rund 750 Millionen Euro gefördert werden. Für Pforzheim wäre ein zweistelliger Millionenzuschuss ein enormer Anschub gewesen.

Bundesinnenminister Seehofer: "Brauchen zukunftsfähige Konzepte"

Warum das Projekt so wichtig ist, erklärt Seehofer so: „In der Stadt trifft die Digitalisierung auf das Leben der Menschen und verändert unseren Alltag – wir kaufen zunehmend in Online-Shops statt in Geschäften, teilen Fahrzeuge und sind mit dem Smartphone ganz anders unterwegs. Für die Chancen und Herausforderungen, die sich daraus ergeben, brauchen wir zukunftsfähige Konzepte, auch im Bereich der Stadtentwicklung. Genau hier setzen die Modellprojekte Smart Cities an. Die ersten geförderten Projekte zeigen dabei eindrucksvoll, wie der digitale Wandel einer Stadt zum Nutzen der Menschen vor Ort gestaltet werden kann. Die große Resonanz zeigt dabei, dass der Austausch dazu auch über die 13 Modellprojekte hinaus wichtig ist. Deshalb wollen wir den Wissenstransfer noch stärker ausbauen.“

Ulm hat die Jury überzeugt

Auf die Ausschreibung des Bundesinnenministeriums hatten sich rund hundert Städte, Kreise und Gemeinden aus ganz Deutschland beworben. Ausgewählt wurden Solingen, Ulm und Wolfsburg in der Kategorie „Großstädte“, Cottbus, Gera und Kaiserslautern in der Kategorie „Mittlere Städte“ sowie Grevesmühlen, Haßfurt, Süderbrarup und Zwönitz in der Kategorie „Kleinstädte und Landgemeinden“. In der Kategorie „Interkommunale Kooperationen und Landkreise“ wurden die Kooperation Arnsberg, Olpe, Menden, Soest und Bad Berleburg und die Kooperation Brandis, Naunhof, Borsdorf, Großpösna, Belgershain, Parthenstein und Machern sowie der Landkreis Wunsiedel ausgewählt.

Bundestagsabgeordnete Katja Mast: Von den anderen lernen

"Ich bedauere sehr, dass Pforzheim nicht zum Zuge kommt. Ich habe die Bewerbung von Anfang an unterstützt. Das Konzept wäre eine Chance gewesen, die Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter zu forcieren", erklärt die Pforzheimer SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast. Jetzt gelte aber: "Nach dem Modellprojekt ist vor dem Modellprojekt. Das Innenministerium hat mir mitgeteilt, dass weitere Förderaufrufe geplant sind. Wir sollten die Zeit bis dahin nutzen und in Erfahrung bringen, wo die Stärken der ausgewählten und vergleichbaren Städte lagen." Katja Mast habe eine entsprechende Gesprächsanfrage an das Innenministerium gerichtet.

Mehr lesen Sie am Donnerstag in der Pforzheimer Zeitung und im Epaper auf PZ-news.de!

Mehr zu Smart Cities beim Bundesinnenministerium:

www.bmi.bund.de/smart-cities

Mehr zum Thema auf PZ-news:

Pforzheim verpasst 17,5 Millionen Euro Zuschuss für den Aufbau einer Smart City

Knappe Mehrheit im Gemeinderat: Pforzheim kann "Smart City" werden

Pforzheim als Smart City? Experten heben den Daumen, die Stadträte zweifeln

IT-Experte im Interview: So wird Pforzheim zur Smart City

Thomas Kurtz

Thomas Kurtz

Zur Autorenseite