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Reinen Tisch haben die „Black Jackets“ mit ihrem Möchtegern-Nachwuchs gemacht. Die Junioren sorgten für zu viel Ärger.
Reinen Tisch haben die „Black Jackets“ mit ihrem Möchtegern-Nachwuchs gemacht. Die Junioren sorgten für zu viel Ärger. © Ketterl
Der Pforzheimer Chef der "Black Jackets" versteht das negative Bild nicht, das in der Öffentlichkeit besteht.
Der Pforzheimer Chef der "Black Jackets" versteht das negative Bild nicht, das in der Öffentlichkeit besteht. © Ketterl
06.10.2010

Pforzheimer "Black Jackets"-Chef äußert Unverständnis

PFORZHEIM. Das Hauptproblem bei der Gang „Black Jackets“ sind möglicherweise nicht die erwachsenen Mitglieder, sondern ihre jugendlichen Unterstützer. Die „Black Jackets“ haben die rund 30 Jugendlichen kaltgestellt.

Schon früh habe man das Problem der „Supporter Black City Crew“ erkannt, habe hart durchgegriffen und seit geraumer Zeit die Lage im Griff – auf diesen Nenner bringt Wolfgang Müller, Rektor der Brötzinger Schule, die Situation, die eine Zeit lang in der Weststadt ziemlich explosiv war. Mit zur Entschärfung beigetragen hat auch, dass die „Black City Crew“, gewissermaßen der Pforzheimer Ortsverein der größten deutschen Gang „Black Jackets“, entnervt die Reißleine gezogen und dem potenziellen Nachwuchs, der über die Stränge schlug, die Rote Karte präsentiert hat.

Pullis abgegeben

Die kleinen Brüder hatten sich zum Teil derart wild benommen, dass die Polizei die Führungsriege der „Black City Crew“ um Präsident Ümit Yilmaz, 28, einbestellte. Als die jungen „Supporter“ nicht spurten, erhielten sie von den Erwachsenen die Höchststrafe: Sie mussten – alle 30 – ihre Kapuzenpullis mit dem identitätsstiftenden Schriftzug ausziehen. Einer der Auslöser war ein Vorfall, der verdeutlicht, wie die „Supporter“ in der Weststadt Mitschülern Angst und Schrecken einjagten: Zwei „Junior-Jackets“ blockierten einen Weg mit den Worten: „Hier geht keiner vorbei, wenn ein ,Black Jacket’ sagt, er soll nicht vorbei.“

Das spätere Opfer hielt sich nicht daran – und wurde grün und blau geschlagen und derart eingeschüchtert, dass der Jugendliche von sich aus nicht zur Polizei ging. Rektor Müller stellte den Täter zur Rede, drohte ihm Konsequenzen an für den Fall, dass die Tat bewiesen werden könne und er nicht auspacke. Der Täter leugnete dennoch – und flog mit Rückendeckung des Regierungspräsidiums Karlsruhe trotz Intervention eines Rechtsanwalts von der Schule. Sein Mitwisser, der ihn deckte, ist mittlerweile ebenfalls nicht mehr an der Brötzinger Schule.

Hardy Wagner, Chef der Stadtjugendring Betriebs GmbH, weiß um die Situation – aber er weiß auch, dass das Problem nicht vom Tisch ist, nur weil die Jungs von den „Black Jackets“ keine Rückendeckung mehr haben. „Es fehlt an einem Jugendtreff“, sagt Wagner. Eine Lösung scheint in Sicht, zumindest in der Weststadt.

In der Au hingegen, wo sich einige der ehemaligen „Supporter“ nun aufhalten, existiert nichts für Jugendliche. Stadtjugendring und Jugendamt haben gesucht, aber nichts gefunden, zumindest nichts Finanzierbares (die PZ berichtete). Michael Strohmayer, städtischer Pressesprecher, und Hardy Wagner sind sich einig: So um die 60 000 Euro – Mietkosten plus Halbtagesstelle – würde ein Jugendtreff kosten. Pro Jahr.

Ironie des Schicksals: Den Raum, den die „Black Jackets“ an der Calwer Straße angemietet haben (Yilmaz: „Wir haben lange nach einem Vereinsheim gesucht“), hätten auch die Sozialarbeiter gerne für die Jugend gehabt. Im PZ-Interview betont Yilmaz den „friedlichen Charakter“ der „Black City Crew“, die sich in Pforzheim noch nie etwas habe zuschulden kommen lassen. Man mische auch weder in der Türsteherszene noch im Rotlicht mit und wolle nur in Ruhe gelassen werden.

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