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12.04.2010

Pforzheimer Edelmetallraub: Anstifter verurteilt

PFORZHEIM. Wegen Anstiftung zur räuberischen Erpressung hat am Montag die Große Kammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim unter Vorsitz von Richter Hermann Meyer einen 53-jährigen Goldschmied zu einer Haftstrafe in Höhe von eineinhalb Jahren ohne Bewährung verurteilt. Der Täter hatte zwei Italiener zu einem Edelmetalll-Raub auf die Firma „Schellhorn und Roth" am 8. Juni 2009 angestiftet.

Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte und geständige Angeklagte hatte vor der Hauptverhandlung bereits eine Schadenswiedergutmachung in Höhe von 80 000 Euro bezahlt. Das war die Grundvoraussetzung für eine Verständigung zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht, eine Haftstrafe von nicht mehr als zwei Jahren zu verhängen.  „Allerdings kann die Strafe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden, weil der wegen ähnlicher Delikte vorbestrafte Angeklagte sich eine frühere Bewährung nicht zur Warnung dienen ließ", sagte Richter Meyer.

Verurteilt wurden bereits die Täter, die der Angeklagte zu einem Edelmetalll-Raub auf die Firma „Schellhorn und Roth" am 8. Juni 2009 angestiftet hatte: die 42- und 43-jährigen italienischen Staatsangehörigen erhielten Strafen von drei Jahren und zehn Monten sowie vier Jahren und zehn Monaten. Sie bedrohten den 81-jährigen Seniorchef und seinen 40-jährigen Sohn mit einer Spielzeugwaffe.

Unter dem Eindruck der Drohungen und eines missglückten Fesselungsversuchs des Seniorchefs mit einem herausgerissenen Telefonkabel, öffnete der Sohn des Inhabers den Tresor. Die Räuber stahlen rund zehn Kilogramm Scheidegut, Goldbarren und Münzen im Gesamtwert von mehr als 216 000 Euro.

Tipp und Auftrag für den Überfall kam von einem ehemaligen italienischen Kunden der Firma, dem jetzigen Angeklagten, der als Goldschmied in Leonberg arbeitete und in Pforzheim öfters Gold einschmelzen ließ.

Den beiden in Geldnot zum Angeklagten gekommenen Italiener versprach der Goldschmied „leichtes Spiel bei dem Überfall", bei dem sie nicht einmal eine Waffe benötigen würden, weil der alte Seniorchef und sein Sohn, die abends alleine in der Firma seien, leicht überwältigt werden könnten.

„Dem Anstifter der Tat kann man den Einsatz der Spielzeugpistole bei der Tat nicht anlasten, so dass er nicht wegen Anstiftung zur schwerer, sondern nur wegen einfacher räuberischer Erpressung verurteilt wird", sagte Richter Meyer.

Zuvor hatte Staatsanwalt Henning Heil für den seit 18. Dezember 2009 in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten eine Haftstraße von einem Jahr und neun Monaten ohne Bewährung beantragt. Heil wies besonders auf den hohen Schaden und die mehrfachen Vorstrafen des Anstifters hin, der bei der Vorführung zum Haftrichter zu flüchten versuchte, aber schnell wieder gefasst werden konnte.

Verteidiger Cornelius Schaffrath wies auf das Geständnis seines Mandanten und die Schadenswiedergutmachung in Höhe von 80 000 Euro hin und beantragte eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren.  Der Haftbefehl bleibt weiter aufrecht erhalten. „Wer bei der Vorführung zum Haftrichter versucht, zu flüchten, der zeigt, dass er nicht bereit ist, seine Strafe anzutreten", so Richter Meyer.