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Die Entscheidung über die Corona-Lockerungen ernten nicht nur Beifall.  Foto: Meister 

Pforzheimer Einzelhändler aufgrund Corona-Lockerungen zwischen Ärger und Erleichterung

Pforzheim. Desinfektionsmittel, Mundschutz, Handschuhe – „wir hatten alles Denkbare vorbereitet“, berichtet Mario Elsässer, Geschäftsführer des Intersport Elsässer. Doch die Ankündigungen von Bund und Land haben ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zwar ist die Verordnung noch nicht erlassen – angekündigt ist sie für heute Abend. Doch Elsässers Ladenfläche misst 1500 Quadratmeter. Schon jetzt ist klar, dass das ein K.o.-Kriterium für die ab Montag beginnende  Lockerung im Einzelhandel ist. Ob er dieses Schicksal mit allen Geschäften – abgesehen von denen, die ohnehin die ganze Zeit geöffnet waren – in der Schlössle-Galerie teilt, ist noch nicht klar. „Wir warten auf die Verordnung, sind aber auf alles vorbereitet“, erklärt Center-Manager Thomas Sänger mit Blick auf die Folgen der Neu-Regelungen für Einkaufszentren.

Elsässer ist nicht nur enttäuscht, sondern wütend. Denn: „Fast jeder darf inzwischen Sportartikel verkaufen – nur ich nicht“, so der Geschäftsführer. Die Quadratmeter-Regelung führe zu einer Wettbewerbsverzerrung, eine branchenweise Öffnung wäre seiner Ansicht nach gerechter gewesen. Zudem sei fraglich, ob größere Läden nicht sogar sicherer für die Kunden seien. Eine Einschätzung, die er mit dem FDP-Landtagsabgeordneten für den Enzkreis, Erik Schweickert, teilt: „Ladenöffnungen nach Quadratmeterzahlen sind willkürlich und unter Gesundheitsaspekten nicht objektiv nachvollziehbar“, schreibt dieser in einer Pressemeldung. Ausschlaggebend müsse sein, dass die Inhaber die Hygienevorschriften einhalten könnten. Wie genau diese aussehen, und welche Handlungsanleitungen sich aus der Verordnung ableiten lassen werden, beschäftigt derzeit auch die Stadtverwaltung, die schon vor der Veröffentlichung Sicherheitskonzepte diskutiert. Wie zum Beispiel in Einzelhandelsgeschäften der Abstand gewahrt werden kann. „Wir werden sehr verlässlich und schnell Wege finden, um die konkreten Verordnungen sichtbar zu machen und umzusetzen“, versichert OB Peter Boch in einer Pressemeldung. Nicht nur beim Handel, sondern auch in den städtischen Einrichtungen.

Enttäuschung bei großen Läden

Auch beim Möbelzentrum Pforzheim ist man enttäuscht. Auf dem aktuellen Prospekt des Möbelzentrums hieß es gestern noch, dass man wegen Corona vorerst bis 19. April schließen müsse. Ein Datum, das nicht haltbar ist – sehr zum Ärger von Ekkehard Hasse. „Wieso dürfen Bau- und Gartenmärkte öffnen, wir aber nicht?“, fragt sich der 69-Jährige, gerade auch mit Blick auf Nordrhein-Westfalen, wo Möbelhäuser ab Montag wieder den Betrieb aufnehmen können. Wie Elsässer sieht er in einer großen Ladenfläche – beim Möbelzentrum sind es 30.000 Quadratmeter – eher Vor- als Nachteile für den Infektionsschutz. Wie viele Betroffene wartet man auch im Hohenäcker verzweifelt auf ein konkretes Datum: „Keiner weiß, wann es weitergeht – das macht mich verrückt“, sagt Haase.

„Unendlich erleichtert“ ist Nicole Kaelber, Geschäftsführerin des Intersport Schrey auf der Wilferdinger Höhe, dass sie die kleinere ihrer beiden Filialen mit knapp 600 Quadratmetern an der Karlsruher Straße 38 ab Montag voraussichtlich wieder öffnen darf. Wobei die Freude zögerlich ist. „Die Verordnung ist noch nicht veröffentlicht, bisher wissen wir nicht, welche Auflagen damit verbunden sind“, erklärt Kälber. Desinfektion, Leitsysteme, Spuckschutz – denkbar sei viel, auf das Meiste wäre man vorbereitet. Doch was genau die Händler vorweisen müssen, wisse man erst heute Abend, vielleicht sogar erst am Samstag. Während es vor Corona in der kleinen Filiale vor allem Bergsport-Artikel zu kaufen gab, will Kaelber ab Montag auch andere Warengruppen anbieten. Wie andere Händler auf die angekündigte Verordnung reagieren, bleibt abzuwarten – Karsten Jung, Sprecher der Pforzheimer Einzelhändler, war gestern nicht für eine Stellungnahme verfügbar.

Bärbel Schierling

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Jeanne Lutz

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