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Seine Weggefährtin auf der Reise: Hendrik Stietencron und sein Motorrad „Emma“. Foto: Seibel
Seine Weggefährtin auf der Reise: Hendrik Stietencron und sein Motorrad „Emma“. Foto: Seibel
23.05.2017

Pforzheimer Hendrik Stietencron will mit dem Motorrad um die Welt

Pforzheim. Er wirkt gelassen, vielleicht etwas zu gelassen dafür, dass er mit seiner BMW GS Adventure, die er „Emma“ getauft hat, hinaus in die große, weite Welt starten will. „Witzigerweise besitze ich den Motorradführerschein auch erst seit einem Monat: Nachdem feststand, dass ich die Reise mit dem Motorrad bestreiten will, musste eben schnell noch der Führerschein her“, lacht der Pforzheimer Hendrik Stietencron.

Den Wunsch, für längere Zeit ins Ausland zu gehen, hegt der 24-Jährige aber schon länger. Nach einer beendeten, jedoch nicht erfüllenden Ausbildung als Zimmermann, hatte er sich anderweitig das nötige Kleingeld für sein Vorhaben verdient. „Eigentlich wollte ich nach Neuseeland fliegen, doch das schien mir auf einmal so absurd. Wie viele fremde Länder, Kulturen und Begegnungen mit Menschen überfliege ich einfach, ohne groß darüber nachzudenken“, hatte er sich gefragt.

Immer auf dem Boden bleiben

So entstand die Idee, die immerhin nun ein Dreivierteljahr Planung erforderte. Nötige Ersatzteile für das Motorrad, verschiedene Montagen daran, aber auch Versicherungen mussten abgeschlossen werden. „Nun besitze ich eigentlich nur noch mein Motorrad“, stellt Stietencron fest, denn alles andere hat er verkauft. Er sah darin aber mehr eine Befreiung von belastendem Besitz, als einen schwerfallenden Abschied.

„Erstmal Richtung Westen“, sei sein Plan. Von Frankreich über Spanien, runter nach Marokko und dann weiter mit dem Frachtschiff nach Brasilien. Rund um Südamerika, durch die USA bis hoch nach Kanada, um dann die Weiten Russlands zu befahren und exotischere Länder wie die Mongolei zu sehen – eine weite Strecke, die er jedoch nur über Bodenwege erreichen will. Stietencron hat noch viele weitere Vorstellungen vom Reisen, denn sein Ziel sei es außerdem, so wenig Geld wie möglich auszugeben.

Vieles solle nach einem „Work-and-Travel-Prinzip“ verlaufen: „Ich habe auch Lust, zu arbeiten. Ich lebe nicht gern auf Kosten anderer und würde daher gerne immer, je nachdem, wo ich unterkomme, eine Gegenleistung erbringen“, sagt er.

In wie weit das in den einzelnen Ländern machbar sei, werde sich zeigen. Überhaupt sei es wichtig, viel auf sich zukommen zu lassen – da ja immer etwas schief laufen könne, wie zum Beispiel ein streikendes Motorrad oder andere unerwartete Verzögerungen.

Spärliches Gepäck

Trotz des spärlichen Gepäcks von Stietencron – bestehend aus einer Arbeitshose, seiner Motorradkleidung und dem, was er darunter trägt – wiegt seine Emma mit der ganzen Campingausrüstung und dem Werkzeug 350 Kilogramm – täglich wird er somit wohl nur um die 500 Kilometer zurücklegen können.

Ähnlich wie einst Wyatt im Biker-Kultfilm „Easy Rider“, der vor einer Tour durch die USA symbolisch seine Uhr auf den Boden warf – da Zeit nun keine Rolle mehr spielt, will Stietencron sich die Zeit nehmen, die er braucht. Bis auf die wöchentliche SMS an die Familie wolle er sich auch im Handyverzicht üben. Ein bis zwei Jahre des Reisens seien zwar angesetzt, aber im Prinzip habe sein Trip um den Globus ein „Open End“.

Auf die Frage, was er etwa im Falle eines Diebstahls seines Reisegefährts tun würde, antwortet Hendrik Stietencron: „Es wäre zwar schmerzlich, aber irgendwie geht es immer weiter.“