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Der aus Pforzheim stammende Hotelier Kai Winkler.
Der aus Pforzheim stammende Hotelier Kai Winkler. © Privat
15.08.2018

Pforzheimer Hotelier in Istanbul: Beeindruckt von Stehauf-Mentalität

Aufgewachsen ist Kai Winkler, der Sohn des verstorbenen Pforzheimer Hoteliers Rudi Winkler („Goldene Pforte“ und Hotel Ruf), der auch Präsident des 1. FC Pforzheim war, in der Goldstadt. Doch er machte schon früh Karriere in der internationalen Hotellerie. Seit August 2016 ist er General Manager des zur kanadischen Luxus-Hotel-Gruppe „Fairmont“ gehörenden „Fairmont Quasar Istanbul“, zuvor war er bei der Kempinski-Gruppe tätig. Im PZ-Gespräch äußert sich Kai Winkler zur Situation in der Türkei.

Sie sind seit 15.08.2016 General Manager des zur kanadischen, weltweit operierenden Luxus-Hotel-Gruppe "Fairmont" gehörenden, unter ihrer Leitung eröffneten "Fairmont Quasar Istanbul". Wie ist derzeit die Stimmung im Land und das nicht nur mit Blick auf die Türkei-USA-Krise?

Das Land und insbesondere der Tourismus hat sich von der Vielzahl von Rückschlägen gut erholt. Sowohl die Großstädte als auch die Ferienregionen im Süden verzeichnen in diesem Jahr starke Wachstumsraten, allerdings noch mit niedrigeren Preisen im Vergleich zu 2014.

Die Sicherheit hat sich stabilisiert und der nationale Ausnahmezustand wurde im Juli 2018 ebenfalls aufgehoben. Die einstigen Sicherheitsbedenken sollten die Reisemotivation für deutsche und europäische Reisende nicht weiter negativ beeinflussen.

Die zuletzt erhöhten Zölle durch die USA waren in einer sich gerade wieder erholenden Wirtschaft nicht gerade eine große Hilfe und haben zu einem massiven Verlust der Währung geführt. Die Situation bringt Risiken nicht nur für die Türkei, sondern durchaus auch für Europa. Zuletzt gab es wieder leichte Entspannnung, als dass sowohl der US Dollar also auch der Euro am Dienstagmorgen gegenüber der Türkischen Lira wieder gefallen waren. Der Wertverlust folgte einen Tag nachdem die türkische Zentralbank den Geldinstituten des Landes eine ausreichende Liquditätsversorgung zugesagt hatte. Es bleibt insofern abzuwarten, ob sich die Türkische Lira weiter auf diesem Niveau halten wird oder ob die getroffenen Gegenmaßnahmen kurzfristig weiter zur Entspannung beitragen werden.

In jedem Fall beeindruckt die Stehauf-Menthalität der Türken und die Tendenz generell positiv mit den vergangenen und aktuellen Geschehnissen umzugehen.

Ihr Hotel setzt vor allem auch auf Gäste aus Nordamerika. Wie haben sich die Übernachtungszahlen seit der Eröffnung entwickelt, zumal es ja immer wieder Ausschreitungen, sogar Anschläge in Istanbul und in Tourismusgebieten gegeben hat? Wird die Türkei von Geschäftsleuten und von Touristen aus Übersee gemieden? Sie waren ja schon einmal in der Türkei, als Chef im Kempinski Hotel im Badeort Bodrum, bevor sie nach China ins Kempinski Hotel Dalian gingen, um dann zu einem weiteren Karriere-Sprung zu "Fairmont" in die Türkei, nach Istanbul, zurückzukehren.

Seit eineninhalb Jahren gab es keine Anschläge mehr und meines Erachtens sind aus heutiger Sicht die Türkei und Istanbul nicht als minder sicher als andere europäische Großstädte zu betrachten. 

Die Übernachtungszahlen an sich haben sich äußerst positiv entwickelt. Die Türkei hatte im ersten Halbjahr 2018 einen Zuwachs in der Hotelbelegung von 18%. Die Istanbul Hotels konnten dies mit einem Zuwachs von 24% sogar übertreffen. Aus dem Eröffnungsjahr 2017 kommend, konnte unser Hotel überdurchschnittlich hohe Zuwächse in allen Geschäftsbereichen verzeichnen. Langfristig betrachtet war jedoch viel wichtiger, dass die Etablierung unseres Fairmont Hotels und der am Türkischen Markt noch neuen Fairmont Marke, erwartungsgemäß erfolgreich gestaltet werden konnte.

In Anbetracht der Herkunft underer Hotelgesellschaft, haben wir am nordamerikanischen Markt nicht nur eine starke Präsenz mit unseren Fairmont Hotels, sondern auch eine Vielzahl von treuen Fairmont Gästen. Wir konnten hiervon auf Grund des Ausnahmezustands und der Einstellung amerikanischer Kreuzfahrtreisen – bedingt durch den Neubau eines großen Kreuzfahrtterminals – nicht vollumfänglich profitieren, sehen aber einen sehr positiven Trend in U.S. und kanadischen Reisenden innerhalb unserer Gästestruktur. Mit der Übernahme durch Accor Hotels hat der Fairmont Brand nun auch deutlich stärkeren Zugang zum Europäischen Markt.

Gesamthaft betrachtet hat sich die Gästestruktur über die letzten Jahre verändert. Abgesehen von den türkischen Reisenden war der türkische Markt und insbesondere der Städtetourismus in den Jahren bis 2014 eher von westlichen Reisenden geprägt. Spätestens seit 2015 ist hier ein Wechsel der Gästestruktur zu erkennen. Diese ist nun stärker von Reisenden aus dem Mittleren Osten geprägt. Das derzeitige Reiseverhalten ist eher privatreiselastig, obgleich zuletzt ein positiver Anstieg von europäischen Geschäftsreisenden zu verzeichnen ist. 

Nach dem Absturz der türkischen Währung Lira im Vergleich zum US-Dollar...machen ihre Hotelgäste jetzt ein Schnäppchen bei den Übernachtungspreisen, in den Restaurants, den Bars und im Wellnessbereich? Oder wurden die Preise schon zuvor in US-Dollar ausgewiesen?

Die Türkische Lira ist im Vergleich zum Euro und zum US Dollar relativ ähnlich stark eingebrochen. Der Kurs des Euro gegenüber der Türkischen Lira war noch unter 2,00 als ich 2012 die Leitung des Kempinski Hotel Barbaros Bay in Bodrum übernommen habe. Im Vergleich zu damals hat sich der Kurs in den vergangenen sechs Jahren nun vervierfacht bzw. insbesondere zuletzt in nur einer Woche auf einen Wert um 8,00 nahezu verdoppelt.

Hotel Übernachtungspreise sind seit Jahren mehrheitlich in Euro oder US Dollar Währungen ausgewiesen. Auch wenn dies im heutigen Fall nicht von Vorteil für europäische Reisende ist, ist dies ein durchaus üblicher Trend, als dass Touristen hierdurch vor Wechselkursschwankungen und erhöhten Reisekosten geschützt sind. Wechselkurs bedingte Schnäppchen können Türkeireisende dennoch in den Nebenausgaben wie Restaurants, Bars und Spa sowie auch bei Einkäufen erwarten.