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Pforzheimer Innenstadt soll im Osten attraktiver werden © Ketterl
19.07.2012

Pforzheimer Innenstadt soll im Osten attraktiver werden

Pforzheim. Oberbürgermeister Gert Hager und Bürgermeister Alexander Uhlig haben am Mittwochabend den Vorsitzenden der Fraktionen im Gemeinderat und den jeweiligen Sprechern im Planungsausschuss tiefgreifende planerische Überlegungen für den östlichen Innenstadtbereich vorgestellt.

Bildergalerie: Neugestaltung der Pforzheimer Innenstadt

Dies teilt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung mit. Die Innenstadtentwicklungsgesellschaft zusammen mit den städtischen Planern haben sich den Bereich zwischen Marktplatz, Schlossberg, Technisches Rathaus, Platz des 23. Februar und Westliche 1 genauer angesehen. Ein wesentliches Ergebnis: Zur Stärkung und Definition der Fußgängerachse Karl-Friedrich-Straße könnte im Osten der Innenstadt ein attraktiver Anziehungspunkt geschaffen werden: „Geeignet wäre ein Konzept mit unterschiedlichen Einzelhandels- Fachgeschäften, das die fehlenden Sortimente der Innenstadt ergänzt, wir haben bereits mit Investoren gesprochen, die allerhöchstes Interesse am Standort Pforzheim haben“, so Oberbürgermeister Hager. Bürgermeister Alexander Uhlig machte deutlich: „Wir wollen ein Stück Stadt neu bauen und mit diesen Überlegungen das Heft des Handelns in der eigenen Hand behalten“. Und das Gesamtprojekt Innenstadt- Ost beinhaltet noch mehr.

Ganz grob lassen sich fünf zentrale Punkte nennen: Die Schlosskirche soll in die Innenstadt integriert werden. Qualität und Angebotsstruktur des Einzelhandels und der Gastronomie sollen gestärkt werden. Aufwertung und Strukturierung des öffentlichen Raumes ist ein Kernziel. Bauliche Ergänzung und Stadtreparatur wird angestrebt. „Offene Rathauszonen“ sollen geschaffen werden.

In einem ersten Schritt ist zur Realisierung dieser Ziele der Bereich zwischen Marktplatz, Schlossberg, Schloßkirchenzentrum, Technisches Rathaus, Bebauung Rathaushof und Neues Rathaus in den Focus der Planer geraten. Darüber hinaus wird über den „Platz des 23. Februar“ und die Adressen Westliche 1 – 7 nachgedacht.

Insbesondere für den Bereich Östliche 3 – 11 haben sich Architekten und Stadtentwickler in einer „in Gründung befindlichen Innenstadtentwicklungsgesellschaft“ (sie geht im Kern aus der Buckenberg-Konversionsgesellschaft hervor) Gedanken gemacht. Hier soll ein Handels-Konzept entstehen, das einen neuen Schwerpunkt im östlichen Bereich der Innenstadt setzt. Vorstellbar wäre ein Ankermieter, der durch die bereits bestehenden Läden und Lokale ergänzt und mit der C & A-Handelsfläche zu einer Einkaufswelt verbunden wird. Durch Anklänge an das historische Straßenprofil soll die Östliche verschmälert werden. Somit kennzeichnet eine markante Einkaufssituation zum Marktplatz den Endpunkt der Fußgängerachse. „Wenn uns das gelingt, werden wir an dieser Stelle für eine deutliche Aufwertung des Stadtquartiers sorgen, darüber hinaus werden wir hier die Einkaufs- und Aufenthaltsfrequenz erzielen können, die uns bisher an dieser Stelle fehlt“, so ein optimistischer Oberbürgermeister. Beispiele dafür gibt es in anderen Städten, „Wir haben während der EXPO-REAL in München mit verschiedenen Projektentwicklern und Investmentgruppen gesprochen, da besteht großes Interesse an Pforzheim“, so der Sprecher der Innenstadtentwicklungsgesellschaft, Ulrich Füting. Es ist nicht nur die hohe Kaufkraft in Pforzheim, sondern auch die Zentralitätskennziffer, die mit 146 deutlich höher als der Bundesdurchschnitt (100) und als in den Städten Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart oder Heilbronn liegt. „Pforzheim ist in den vergangenen Jahren als mittelgroße Großstadt äußerst interessant für Investoren geworden, die Gunst der Stunde müssen wir nutzen, wir leben in spannenden Zeiten“, warb der Oberbürgermeister für diese Überlegungen. Die Sichtweise auf Pforzheim habe sich geändert, das wisse man aus vielen Gesprächen mit potentiellen Investoren, die auf realisierbare Projekte warten.

Stadtplaner Michael Wolf präzisiert den Rahmen für die unterschiedlichen Projekte: „Wir haben uns in unseren Überlegungen von den Themen Aufenthaltsqualität, Anziehungspunkte, Plätze und qualitative Stadtentwicklung leiten lassen“. Daher wurde der Untersuchungsraum größer gefasst. Parallel zum Projekt Östliche 3 bis 11 könnte die Schlossbergauffahrt komplett umgestaltet und damit entschleunigt werden. Der Schwerlastverkehr würde herausgenommen, die Aufenthaltsqualität deutlich gesteigert in diesem Bereich. „Schon jetzt haben wir beim Regierungspräsidium eine andere Auszeichnung der B 463 beantragt, der Schlossberg muss sich in Zukunft verkehrstechnisch anders darstellen“, so Bürgermeister Uhlig. Eine Bebauung des heutigen Rathausparkplatzes unter dem Stichwort – „Rathaus als offenes Forum“ – ist gleichfalls angedacht. Die Verwaltung braucht bezahlbare Flächen, ein Zusammenrücken gerade auch unter dem Aspekt des Jobcenters mit weit über 100 neuen Mitarbeitern brächte einen Mehrwert für den Bürger. Sowohl im Technischen als auch im Neuen Rathaus könnten die Erdgeschoßbereiche für neue Nutzungen geöffnet werden: „Warum nicht eine öffentliche Nutzung im Erdgeschossbereich in diesem Bereich vorsehen?“, fragt Ulrich Füting. Hier könnte – so die Vorstellung der Planer- ein gemischtes Rathaus-Quartier mit Einzelhandel, Gastronomie, Verwaltung, öffentliche Einrichtungen und Dienstleistungen entstehen: „Wir hätten hier ganz unterschiedliche Nutzungen für ganz unterschiedliche Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger, was zusätzlich die Raumqualität deutlich erhöhen dürfte“, so Gert Hager.

Nachdem das städtebauliche und architektonische Grundkonzept vorgestellt wurde, werden nunmehr die betroffenen Eigentümer detailliert informiert. Danach wird ein Rahmenplan „Innenstadt Ost“ mit Fachleuten erarbeitet. Gedacht ist an einen zweistufigen Ideen- Workshop zur Innenstadtentwicklung- Ost (Stadtplanung und Architektur) im September oder Oktober dieses Jahres. Auch die Betroffenen und Partner wurden und werden eingebunden.

Nachdem die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, wird ein Genehmigungsverfahren angestrengt: „wir haben heute und hier einen möglicherweise großen Wurf für den östlichen Bereich der Innenstadt vor uns liegen. Ich bin hoffnungsvoll, dass wir die Kraft haben, diese tollen Überlegungen in der Zukunft in die Realität zu überführen“, so der Oberbürgermeister.

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