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16.01.2010

Pforzheimer Künstlerin macht Schmuck in Wurstform

PFORZHEIM. Nein, aus einer Metzgerfamilie kommt sie nicht. Und Wurst esse sie eigentlich auch nicht besonders gerne, sagt Stephanie Hensle. Trotzdem: Die Schmuckstücke der Pforzheimer Künstlerin lassen eine gewisse Vorliebe für Fleischwaren vermuten. Ihre Kollektion „Geschnitten oder am Stück“ besteht ausschließlich aus Ohrringen und Broschen in Wurstform.

Die Resonanz sei groß, meint Hensle. Blutwurst-Brosche ist ein Renner Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Kollektion kam der 29-Jährigen beim Studium an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim. „Das Thema einer Semesterarbeit lautete “Schmuck am Stück““, erzählt sie. Sie habe an eine Metzgertheke oder schön hergerichtete Wurstplatten denken müssen, erinnert sich Hensle. Da war die Idee zum Schmuck geboren, der aussieht wie Salami- oder Mortadellascheiben.

Auf Messen sei sie zufrieden mit dem Interesse an ihrer Kollektion, sagt die 29-Jährige. Der absolute Renner bei Männern: eine Blutwurst-Brosche mit Senffleck.Ein bisschen deftiger wird es bei den Stücken der Kollektion „Meat-Lover“ (Fleischliebhaber): Dazu gehören etwa eine Kette mit dem scheinbar echten eingeschnürten Rollbraten oder kleine Tellerchen mit rosafarbenen Würstchen oder Pastete. Hensle will aber nicht nur auf ihre Wurst-Kollektion reduziert werden. In ihrer Pforzheimer Werkstatt entwirft sie noch einiges mehr, darunter „Klunker für Uschi“.

Dahinter verbergen sich bunte neonfarbene Edelsteine, die durch einen Magneten variabel auf einer Brosche befestigt und wieder entfernt werden können. „Schmuck muss auffallen“, sagt die 29-Jährige. Bloß nicht zu bieder, nur nicht zu langweilig. Es darf gerne provokant sein.

 Die junge Künstlerin lässt sich inspirieren von Schmuckstücken aus der Barockzeit oder von Dingen, denen sie im Alltag begegnet. „Es darf auch gerne provokant sein“, sagt sie. Als Modell für ihren Schmuck wäre deshalb die Moderatorin und Autorin Charlotte Roche („Feuchtgebiete“) gut geeignet, meint Hensle.

In ihrer Werkstatt entwirft sie nicht nur, sie fertigt ihren Schmuck auch selbst an. Außerdem arbeitet sie noch in einem Hut- und Taschenladen in Karlsruhe. Freizeit bleibe so kaum, „was aber nicht schlimm ist“, betont Hensle. Sie liebe ihren Job. Noch sei die Gegend rund um die Fächerstadt ein schweres Pflaster für junge Künstler, erzählt die 29-Jährige. Karlsruhe sei eine typische Beamtenstadt.

Zu ihren Kunden gehören allerdings eher junge Akademiker, die für etwas Buntes und Ausgefallenes auch gerne mal ein bisschen mehr bezahlen. Deshalb reist sie derzeit viel zu Messen, auch im Ausland. Und versucht dort, Käufer zu finden. Mit ihren sehr speziellen Arbeiten hat sie sich jedenfalls bereits einen Namen gemacht. „Eine Frau kam auf einer Messe in Mailand zu mir und meinte: “Ich kenne dich - du bist doch das Wurstmädchen aus Deutschland!“ dpa