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Als Stammpatient bekommt Krankenpfleger André Lindner noch regelmäßig Termine bei Physiotherapeutin Modesta Kriebel. Gerne würde die Praxisbetreiberin mehr Menschen versorgen – kann es aufgrund fehlenden Personals aber nicht.  Foto: Meyer 
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So wie hier in Mönchengladbach wollen auch die Pforzheimer Therapeuten am Samstag ihre Forderungen mit Kreide auf den Straßen in der Innenstadt der Goldstadt festhalten.  Foto: Therapeuten am Limit 

Pforzheimer Physiotherapeuten gehen gegen Niedriglöhne und Bürokratie-Chaos auf die Straße

Pforzheim/Nöttingen. Der Rücken zwickt, das Knie schmerzt - jede Bewegung wird zur Qual. In diesem Fall schicken Ärzte ihre Patienten meist zum Physiotherapeuten. Doch die können der hohen Nachfrage kaum noch nachkommen. Denn aufgrund der niedrigen Löhne und hohen Ausbildungskosten will kaum noch jemand in dem Beruf arbeiten.

Der Personalmangel wird zunehmend zum Problem - für die Therapeuten selbst, aber vor allem auch die Patienten. Am Samstag wollen Therapeuten aus Pforzheim und dem Enzkreis im Rahmen der bundesweiten Aktion „Therapeuten am Limit“ auf die prekäre Lage aufmerksam machen.

Die Krankenkassen zahlen wenig, die Ärzte verschreiben seltener: Wird Krankengymnastik bald zum Luxus für wenige?
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Drei bis vier Wochen – so lange müssen Patienten derzeit auf einen Termin in der Physiotherapie-Praxis von Modesta Kriebel in Nöttingen warten. In den Augen der Therapeutin ein Desaster – aber inzwischen Alltag in vielen Praxen nicht nur in der Region, sondern bundesweit. „Unserem Beruf geht es einfach schlecht. Unsere Kalender sind voll, wir können aber nicht noch mehr arbeiten“, so Kriebel.

Das große Problem: Personalmangel. Mit einem Durchschnittslohn von 2200 Euro brutto habe der Beruf des Physio-, aber auch Ergotherapeuten sowie der Logopäden und Podologen massive Nachwuchsprobleme. Freie Stellen blieben derzeit laut des Aktionsbündnisses „Therapeuten am Limit“ durchschnittlich 156 Tage unbesetzt, was eine massive wirtschaftliche Bedrohung für die Praxen darstelle. „Mit dem Gehalt lockst du niemand an die Schulen“, so Kriebel. Auch die Ausbildungskosten schreckten potenzielle Interessenten ab. Denn wer Physiotherapeut werden möchte, muss für drei Jahre ein Schulgeld von mehreren Tausend Euro aus eigener Tasche berappen. Die ohnehin schon kleineren Azubi-Jahrgänge dünnten so weiter aus.

Der Grund für die niedrigen Löhne liegt laut Kriebel in den Sätzen, die die Krankenkassen für Heilmittel zahlen. 20 Minuten Krankengymnastik sind den Kassen im Schnitt knapp 20 Euro wert – brutto.

Die Folgen bekämen neben den Therapeuten selbst vor allem die Patienten zu spüren. Denn die müssen immer länger auf Termine warten. Hausbesuche und Behandlungsformen wie Lymphdrainage würden aus Kostengründen immer seltener angeboten.

Der Aktionstag

„Therapeuten am Limit“ ist ein vom Frankfurter Physiotherapeuten Heiko Schneider gegründetes Aktionsbündnis. Schneider fuhr mit rund 1000 Beschwerdebriefen seiner Kollegen mit dem Fahrrad von Frankfurt zum Gesundheitsministerium nach Berlin. Hunderte Betroffene schlossen sich an – darunter auch Modesta Kriebel aus Nöttingen. Gleichzeitig startete eine Therapeutin damit, die Probleme mit Kreide auf Hamburgs Straßen zu schreiben. Ihre Idee mündete in die bundesweite Kreideaktion am Samstag, 25. August, an rund 80 Standorten. Kriebel beteiligte sich am Aufbau der Gruppen in Pforzheim und Karlsruhe. Ab 11 Uhr sind Therapeuten, aber auch Patienten, dazu aufgerufen, mit dem Hashtag „Therapeuten am Limit“ die Forderungen des Bündnisses nach besserer Vergütung und weniger Bürokratie zu unterstützen. Treffpunkt ist vor dem Alten Rathaus.

Mehr über die Situation von Therapeuten und Patienten lesen Sie am Donnerstag. in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.