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Das Ziel von Mounirs Reise: Syrien, wo der Kampf von Rebellen gegen das Assad-Regime tobt. Er wird auch von radikalen Islamisten geführt.
Das Ziel von Mounirs Reise: Syrien, wo der Kampf von Rebellen gegen das Assad-Regime tobt. Er wird auch von radikalen Islamisten geführt. © Symbolbild: dpa
Die Gebetsräume der Pforzheimer Salafisten befinden sich in diesem Haus an der Ecke Linden-/Franziskusstraße. Von dort zog es Mounir I. offenbar zu radikaleren Glaubensbrüdern nach Nordrhein-Westfalen. Foto: Seibel
Die Gebetsräume der Pforzheimer Salafisten befinden sich in diesem Haus an der Ecke Linden-/Franziskusstraße. Von dort zog es Mounir I. offenbar zu radikaleren Glaubensbrüdern nach Nordrhein-Westfalen. Foto: Seibel
22.03.2012

Pforzheimer Salafist Mounir zieht in den Krieg

Ein Freund markiger Worte ist Mounir I. schon seit Jahren. „Ihr Opfer-Hunde, kommt nach Oststadt, dann wisst Ihr, was Ghetto ist“, hat er vor vier Jahren als damals 14-Jähriger in einem Internet-Forum über sein Pforzheimer Stadtviertel geschrieben. Damals wandte sich der Deutsch-Tunesier den Salafisten zu. Und schon damals ist er in seiner Schule, einer Werkrealschule in der Kernstadt, auch wegen seiner religiösen und politischen Überzeugungen aufgefallen. Diese haben sich seitdem weiterentwickelt und führen den heute knapp 19-Jährigen offenbar direkt in den syrischen Bürgerkrieg.

Das soll er in seinem Umfeld angekündigt haben – verbunden mit der Bereitschaft, im Dschihad, dem Heiligen Krieg, gegen das Assad-Regime sein Leben zu lassen. Nachdem dem Deutsch-Tunesier daraufhin sein Reisepass abgenommen worden war, habe er ohne Pässe versucht, Deutschland in einem türkischen Fernlinienbus in Richtung Bosporus zu verlassen. In Oberbayern sei er bei der Ausreise deutschen Grenzern aufgefallen, die ihm auch seinen deutschen Personalausweis abgenommen haben sollen. Offenbar ist Mounir I. nun ohne gültige Papiere auf dem Weg über die Türkei nach Syrien. Entsprechende Medienberichte werden weder vom baden-württembergischen Landeskriminalamt noch von der Pforzheimer Polizei kommentiert. Also auch nicht dementiert. Was in aller Regel heißt, dass sie im Wesentlichen zutreffen.

Mutter war verschleiert

„Von seiner religiös-politischen Orientierung her würde es passen“, heißt es aus dem Umfeld seiner ehemaligen Schule. „Wir haben uns über seine Entwicklung Gedanken gemacht.“ Mounir I. stamme vermutlich bereits aus einem straff islamischen Elternhaus. „Einmal ist seine Mutter in der Schule gewesen, da war sie verschleiert.“ Allerdings habe die Hinwendung des Jugendlichen zum Islam erst mit etwa 13 oder 14 Jahren auffällige Züge angenommen. „Bis in die siebte Klasse hinein war er ganz normal.“ Erst in der achten und neunten Klasse habe er sich zurückgezogen.

„Er grenzte sich deutlich von seinem Umfeld ab und auch von den Mitschülern.“ Mit der in Deutschland üblichen Art zu leben, mit einer offenen Gesellschaft, habe er nichts mehr anfangen können. Stattdessen habe er sich der islamistisch orientierten Gruppierung der Salafisten angeschlossen, die in Pforzheim wiederholt auffielen und in der bundesweiten Islamisten-Szene bestens vernetzt sein sollen. Auch Munir I. selbst weist in seinen Internet-Aktivitäten über soziale Netzwerke immer wieder auf die Online-Adresse der Pforzheimer Salafisten hin, die an der Ecke Linden-/Franziskusstraße unter dem Namen Al-Baraka-Moschee ihre Gebetsräume unterhalten.

Doch irgendwann müssen die Pforzheimer Glaubensbrüder dem jungen Mann nicht mehr genügt haben, und er orientierte sich nach Nordrhein-Westfalen.

Zeugniskopie erbeten

Dort hat er nach Polizei-Erkenntnissen 2012 in Bonn an Ausschreitungen der dortigen Salafisten teilgenommen, bei denen einer seiner Glaubensbrüder zwei Polizisten mit einem Messer lebensgefährlich verletzte. Und kurz nach dem Jahreswechsel verlegte er nach PZ-Informationen auch seinen polizeilich gemeldeten Wohnsitz nach Nordrhein-Westfalen. Dort muss der Entschluss gereift sein, in Syrien in den Heiligen Krieg zu ziehen. Mounir I. versuchte, mit geringem Erfolg, seine Spuren im Internet zu verwischen, indem er sich bei diversen sozialen Netzwerken abmeldete. Und er begab sich offenbar vor anderthalb Wochen ein weiteres, bislang letztes Mal nach Pforzheim: Mounir I. hat nach PZ-Informationen an seiner früheren Schule eine beglaubigte Kopie eines Zeugnisses gewollt. Wozu, ist unklar. Zumal er die Schule nach der neunten Klasse ohne Abschluss verließ.

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