nach oben
Pfarrerin Heike Reisner-Baral stellte Pläne für die Ertüchtigung der Pforzheimer Schloßkirche vor. Foto: Meyer
Pfarrerin Heike Reisner-Baral stellte Pläne für die Ertüchtigung der Pforzheimer Schloßkirche vor. Foto: Meyer
09.10.2016

Pforzheimer Schloßkirche wird für 800.000 Euro wieder fit gemacht

Die Pforzheimer Schloßkirche wird für 800.000 Euro ertüchtigt. Eine funktionierende Heizlösung, Raum für Gespräche, eine Toilette, eine kleine Teeküche, Flexibilität für die Citykirchenarbeit, barrierefreier Zugang, ein Konzept für den Orgelprospekt und eine bessere Beleuchtung: Die Anforderungsliste für die Architekten, die zur Ertüchtigung der Schloßkirche beitragen wollen, war umfangreich. Am Sonntag haben Pfarrerin Heike Reisner-Baral und Jochen Rapp, verantwortlich für kirchliche Bauten bei der badischen Landeskirche, den Siegerentwurf vorgestellt.

Die Arbeit des Freiburger Architektenbüros Sandhaus ist nun „eine Grundlage, mit der wir weiterarbeiten können“, sagt Reisner-Baral, die die Zukunftsfähigkeit der Kirche betont. Wie und ob die Vorschläge im Detail umgesetzt werden, wird sich zeigen – ganz entsprechend der Vorgabe, es würden „Gestaltungsideen erwartet, die in der weiteren Bearbeitung entwicklungsfähig sind“.

Der stärkste Eingriff des Entwurfs, der nach einem anonymen Wettbewerbsverfahren am Mittwoch das einstimmige Votum der Sach- und Fachjuroren erhalten hatte, ist die neue Nutzung der Nordkapelle. Sie soll die durch eine Anhebung der Decke – die aktuelle Höhe ist offenbar nachträglich entstanden – auf zwei Stockwerken Raum für Andacht und Gespräche (oben) sowie Toilette, Teeküche und Stuhllager (unten, barrierefrei, wie auch künftig der Haupteingang) bieten soll. Andere Entwürfe sahen mitunter Durchbrüche durchs Mauerwerk oder neue Außenbauten vor, was etwa aus Denkmalschutzgründen verworfen wurde.

Mehr als nur ein willkommener Nebeneffekt ist, dass die Fenster in der Nordkapelle wieder ihre alte Höhe erhalten sollen – und damit deutlich mehr Licht in die Kirche drängt. Dasselbe gilt für den Orgelprospekt, im Westen, wo der Sonnenschein bislang einige Hindernisse zu überwinden hat.

Eine Idee der Freiburger dürfte auch aus Beleuchtungsgründen nicht zum Tragen kommen: ein Sichtschirm vor der Nordkapelle aus Cortenstahl, jenem Material, das seit den Blumenkübeln an der Zerrennerstraße einen ganz eigenen Klang bekommen hat. Dasselbe gilt für die Gestaltung des Orgelprospekts, wo die Architekten den Stahl wiederaufnehmen wollten. Auch die „prominente Anordnung der Küchenzeile wird in der Jury kontrovers diskutiert“, berichtet der Entscheidungstext.

Positiv in dem insgesamt als „sehr guter Beitrag“ gewürdigten Entwurf, wird bemerkt, dass es bei Bänken bleibt, diese allerdings den Kirchenraum nicht mehr „überfüllen“ sollen, wie die Architekten es nennen, die die Lage hinter Tragpfeilern „befremdlich“ nennen. Die Bänke werden, wie auf den Darstellungen zu sehen, „bis auf die Außenkante des zum Hauptraum gehörenden Pfeilerteils“ zurückgenommen. Das Beleuchtungskonzept soll durch drei Lichtqualitäten – „Sehen“, „Hinsehen“ und „Atmosphärisches Licht“ die einstige Grablege der badischen Markgrafen zu voller Wirkung bringen.

Dass die Schloßkirche überhaupt eine Ertüchtigung erfahren kann, ist der badischen Landeskirche geschuldet. Nach einer Begutachtung der kirchlichen Bauten erhielt Pforzheim den Zuschlag über rund 800.000 Euro. „Wir sind der Landeskirche großen Dank schuldig“, sagt Reisner-Baral – und Rapp würdigt die Arbeit der Citykirche, die im Baureferat offenbar Eindruck gemacht hat. 3800 Euro sind in den vergangenen drei Jahren für die langersehnte Toilette zusammengekommen. Nun stehen also neue Dimensionen an, auch wenn Rapp betont, dass die Mittel für das 800 Jahre alte Bauwerk nicht gerade üppig seien. Die Arbeiten sollen nach der Ausstellung „Mensch Luther“ im kommenden Jahr beginnen, die vom 15. Mai bis 28. Juli dauert.