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Bei einer hochemotionalen Gemeinderatssitzung, die rund 350 Klapfenhardt-Schützer besuchten, hatte OB Boch zu einer Tour durch den Wald eingeladen. Foto: Archiv/Meyer
16.05.2018

Pforzheimer Stadtrat Bruch bricht mit den Wutbürgern

Pforzheim. Hans-Joachim Bruch hat sich schon einmal selbst einer OB-Wahl gestellt. Er ist Initiator der Liste, die die Bürgerbeteiligung im Namen trägt. Und er sucht – bewusst gern niederschwellig – den direkten Kontakt mit Pforzheimern, sei es auf dem Wochenmarkt oder auf offener Straße. Doch nun hat Bruch genug. Er bricht mit den Bürgern, zumindest mit jenen, die aus seiner Sicht mehr und mehr das Zepter übernehmen.

In der Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend teilte er mit, bei der Kommunalwahl 2019 nicht mehr anzutreten. Der Stadtrat Bruch und die Liste BürgerBeteiligungsHaushalt sollen Geschichte sein, wegen „Bürgerverdrossenheit“. Ein Begriff, der auf der Tribüne im Ratssaal ein Rumoren auslöste.

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In Bruch rumort es schon lange, wie am Tag danach im PZ-Gespräch deutlich wird. Dort droben seien Leute gesessen, die „jenseits von Gut und Böse“ und „unerträglich“ seien, sagt der 66-Jährige zu den Begleitumständen der Diskussion um potenzielle künftige Gewerbegebiete im Ochsenwäldle oder im Klapfenhardt-Wald. Für dessen Erhalt demonstrierten rund 350 Bürger, darunter laut Bruch eben etliche Wutbürger. „Deren Schilder hatten nichts mit Klapfenhardt zu tun“, sagt Bruch, „sondern mit Klopfenhardt.“ Neben Plakaten mit Aufschriften wie „Rettet den Wald“ waren eben auch persönliche verbale Angriffe auf CDU-Fraktionschef Florentin Goldmann, dessen Sohn Louis Goldmann, der im Büro des Oberbürgermeisters Peter Boch arbeitet, und insbesondere gegen den OB selbst zu lesen.

Unter anderem hieß es „Noch sieben Jahre bis zur Abwahl“ oder „Bin der OB für schön und reich, alle andern sind mir gleich“. Noch in der Sitzung hatte Bruch von „unterster Gürtellinie“ gesprochen. Er habe dies bewusst getan, „um in die Schusslinie zu kommen“, erläutert der einzige Stadtrat der LBBH, die mit der CDU eine Fraktion bildet, um den OB und andere aus eben jener zu nehmen.

Bildergalerie: Bürgerprotest im Ratssaal trifft auch OB Boch

Längst sei der Entschluss gereift gewesen, sich vom Ratstisch zurückzuziehen. „Ich möchte mit den Leuten über die Gesamtzukunft der Stadt reden“, sagt Bruch, „aber das scheitert an diesen Wutbürgern.“ Ziel der 2006 aus der Arbeitsgruppe „Meine Stadt gehört mir“ hervorgegangenen und auf einem globalen Konzept für Bürgernähe und Nachhaltigkeit basierenden Liste BürgerBeteiligungsHaushalt sei eben das gemeinsame Gestalten der Kommune gewesen. Andernorts in Europa zeige das Erfolge. „In Pforzheim geht es nicht“, so Bruch. Hier werde überwiegend und zunehmend um Einzelinteressen gerungen, und das teils in einer aus seiner Sicht nicht mehr zu akzeptierenden Tonart.

Proteste gegen Klapfenhardt vor Sitzung des Gemeinderats

Resignieren will Bruch nicht, sondern im kommenden Jahr eben doch in den Kommunalwahlkampf ziehen: „Ich werde mich diesen Leuten stellen.“ An „Populisten-Ständen“ und andernorts will er Bürgern die Meinung geigen: „Die können mich ja nicht strafen, indem sie sagen, sie wählen mich nicht.“

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Enzian
17.05.2018
Pforzheimer Stadtrat Bruch bricht mit den Wutbürgern

Vielleicht sollte Herr Bruch -anstatt zu lamentieren- erst einmal darüber nachdenken, was die Ursache für das starke Aufkommen der "Wutbürger" ist. Die Fraktion, der er sich angeschlossen hat, hält nämlich nichts von der von ihm propagierten Bürgerbeteiligung, siehe Ablehnung eines Bürgerentscheids über die Innenstadt Ost. Da muss er sich nicht wundern, dass die Bürger nach anderen Mitteln und Wegen suchen, Ihre Meinung kund zu tun - auch wenn einige dabei mit ihrer Wortwahl leider auch über ...... mehr...

OB-Kandidat
17.05.2018
Pforzheimer Stadtrat Bruch bricht mit den Wutbürgern

1:0 für Spitzenstadtrat Bruch! Es ist ein gelungener, fast schon fieser Schachzug von Hern Bruch - sich selber einfach nicht mehr der Wahl zu stellen. Von den Bürgern ist es aber auch richtig gemein, von oben herab laut zu werden, wenn man sich von der Politik nicht wahrgenommen fühlt. Schnautze halten da oben! Die sollen mal lieber dankbar sein, dass sich Aussnahmetalente wie Herr Bruch, als Stadtrat den A.... für die Bürger aufreissen. Der nächste Ratssaal der Stadt Pforzheim, sollte ...... mehr...

Eiermann
17.05.2018
Pforzheimer Stadtrat Bruch bricht mit den Wutbürgern

Selbstverständlich müssen sich OB und Stadträte auch einer breiten Kritik stellen. Da darf man nicht jedes Mal überempfindlich und beleidigt reagieren. Aber: In seiner Kritik an der Art und Weise, wie sich manche "Wutbürger" äußern, muss man Herrn Bruch recht geben. Vieles hat mit sachlicher Kritik einfach überhaupt nichts mehr zu tun. So ähnlich treiben es manche Leute ja auch hier im Forum, und zwar ganz unabhängig vom Thema: persönliche Angriffe und übelste Beleidigungen statt Argumenten.... mehr...

Realist01
17.05.2018
Pforzheimer Stadtrat Bruch bricht mit den Wutbürgern

Es gibt aber auch sicher den einen oder anderen Stadtrat, der nach seiner Wahl abgehoben ist und denkt daß der einfache Bürger eben die großen Zusammenhänge nicht sieht? Wie Enzian richtig gesagt hat - es gibt auch einen Grund für "Wutbürger". Das obrigkeitshörige Kuschen gibt es eben nicht mehr und dadurch, daß man sich immer besser selbst informieren kann, kann man seine Meinung auch selbst bilden. mehr...