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Lieferservice: Hans-Dieter Häger beliefert 13 Bedürftige mit dem Essen aus der Vesperkirche.  Foto: Meyer 

Pforzheimer Vesperkirche begrenzt Bring-Service auf 50 Mahlzeiten: Essen kommt im Notfall nach Hause

Pforzheim. Für ganz dringende Notfälle haben sich die Ehrenamtlichen der Vesperkirche etwas einfallen lassen: Sie liefern seit Sonntag das warme Essen, die Vespertüte mit Brot, Aufschnitt, Getränk und süßem Stückle täglich mit dem Auto an Menschen, die sonst ganz verzichten müssten, direkt nach Hause. Dieses Extra unterstützt die PZ-Aktion ,,Menschen in Not“. Sie stellt für die Vesperkirche 2022 insgesamt 30 000 Euro zur Verfügung. 290 Essen sind am Sonntag gleich zum Start über den Tisch gegangen. Im Jahr davor waren es zu Beginn 220 Essen gewesen. Diese Zahl steigere sich in der Regel bis zum Ende hin auf rund 400 Mahlzeiten, erklärt Thomas Lutz, Vorsitzender des Vereins Ökumenische Vesperkirche Pforzheim.

Allerdings auch dieses Jahr wieder nur zum Abholen unter 2G-Bedingungen, weil Corona das Zusammensitzen zum zweiten Mal seit Pandemiebeginn verhindert. Doch nicht alle Stammkunden der Vesperkirche schaffen den beschwerlichen Weg, das geduldige Anstehen und den Weg wieder zurück. Sozialarbeiterin Sarah Spohn vom Erwerbslosentreff kennt allein drei ältere Frauen, die das Geld für den Bus nicht haben, aber durch die starke Gehbehinderung den Weg nicht auf sich nehmen könnten. Die Frauen seien in Fragen der Grundsicherung, des Jobcenters oder auch Fragen der Krankenkasse auf Hilfe angewiesen. 20 Personen stehen auf der Liste derer, die die Diakonie jetzt mit Hilfe von ehrenamtlichen Fahrern beliefert.

Eröffnung Vesperkirche Gottesdienst
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Gieso Wege, Sozialarbeiter von der Obdachloseneinrichtung Wichernhaus, will ebenfalls viermal in der Woche (montags, donnerstags, samstags und sonntags) für insgesamt 20 Frauen und Männer eine warme Mahlzeit mit in die Siedlung Eutinger Tal nehmen. Das solle aber grundsätzlich eine Ausnahme sein, erklärt Lutz. Denn der Gedanke, an einem Ort zusammenzukommen, solle nicht gänzlich aufgegeben werden. Die Helfer könnten einen solchen Service nur bedingt leisten. Und so heißt es für die Allermeisten täglich in der Schlange auf das Essen zu warten. Diakonie-Sozialabeiter Uwe Riehl und zwei weitere Kollegen haben abwechselnd ein offenes Wort für deren Nöte. Eine Impfmöglichkeit, wie bei der Stuttgarter Vesperkirche gebe es zwar an der Stadtkirche nicht, wohl aber am Freitag, 28. Januar, im Diakoniestützpunkt an der Altstädter Straße, erklärt Riehl.

Martina Schaefer

Martina Schaefer

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