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© Symbolbild dpa
01.10.2015

Pforzheimer Zahnarzt wird Kassenzulassung entzogen

Der unter dem Verdacht des Betrugs und der Körperverletzung stehende und immer noch in Pforzheim praktizierende Zahnarzt hat nach PZ-Informationen seine Kassenzulassung entzogen bekommen und darf nur noch Privatpatienten behandeln.

Der Zulassungsberufungsausschuss des Bezirks Karlsruhe, dem Vertreter der Krankenkassen und Zahnärzte angehören, hat nach PZ-Informationen die erstinstanzliche Entscheidung des Zulassungsausschusses bestätigt. Aus Datenschutzgründen will sich die kassenzahnärztliche Vereinigung zu dem Vorgang nicht äußern. Gegen diesen Entzug der Kassenzulassung kann der Zahnmediziner vor dem Sozialgericht klagen – im Falle eines möglichen Verlusts der Approbation wäre die zuständige Stelle das Verwaltungsgericht. Parallel zu der standesrechtlichen Auseinandersetzung läuft das strafrechtliche Ermittlungsverfahren. In mehreren Tranchen ist die Uni-Klinik Leipzig beauftragt worden, ihr Gutachten zu mehreren Dutzend Fällen abzugeben – und zu beurteilen, ob der Zahnarzt ohne medizinische Notwendigkeit in verschiedenen Fällen weitaus mehr Zähne gezogen hat als nötig.

Diese Vorgänge sind nach PZ-Informationen nur ein Teil der mutmaßlich rund 100 Fälle, die die Ermittlungsgruppe „Zahn“ des Kriminalkommissariats zusammengetragen hat (die PZ berichtet). Federführend bei den Ermittlungen ist die Pforzheimer Staatsanwaltschaft. Bis zu 17 Zähne soll der Zahnarzt in einem Fall gezogen haben, um sie durch teure Implantate zu ersetzen.

Rechnungen im fünfstelligen Bereich sollen in den untersuchten Fällen keine Seltenheit gewesen sein. Nach PZ-Informationen belief sich ein Kostenvoranschlag sogar auf 50 000 Euro.

Auch Praxis durchsucht

Weitaus mehr als die üblichen Reklamationen gingen bei der Bezirkszahnärztekammer Beschwerden über den Mann aus Pforzheim ein – aus Mannheim bekam die Kripo auch den ersten Tipp, und das Ermittlungsverfahren ging seinen Gang. Was folgte, war unter anderem auch eine Praxis-Durchsuchung und die Beschlagnahme von Akten. Der Anwalt des Beschuldigten kämpfte – am Ende erfolglos – dagegen, dass die Kripo die beschlagnahmten Unterlagen auswerten durfte.

Pressefreiheit verteidigt

Eine zweite, auf Medienrecht spezialisierte Kanzlei war zivilrechtlich gegen die Berichterstattung über den Zahnarzt vorgegangen – scheiterte jedoch letztinstanzlich vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe. Das Gericht führte unter anderem aus, die Pressefreiheit und das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit seien in diesem Einzelfall höher zu bewerten als der Schutz der Persönlichkeitsrechte des Zahnarztes.

Eine PZ-Anfrage beim Anwalt des Mediziners vom Montag blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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