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Der FDP-Chef im Landtag, Hans-Ulrich Rülke, und die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast (von links) freuen sich wie Oberbürgermeister Gert Hager (rechts) über die neuen Pforzheimer Bürger mit deutschem Pass. Foto: Ketterl
Der FDP-Chef im Landtag, Hans-Ulrich Rülke, und die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast (von links) freuen sich wie Oberbürgermeister Gert Hager (rechts) über die neuen Pforzheimer Bürger mit deutschem Pass. Foto: Ketterl
08.01.2017

Pforzheimer aus aller Welt erwerben alle Rechte und Pflichten deutscher Staatsbürger

Pforzheim. Dass es für diesen Schritt Kraft, Mut und Überzeugung braucht, macht Hasnaa Dahabi in ihrer Ansprache deutlich. Die 30-Jährige aus dem Libanon ist eine von vielen Menschen in Pforzheim mit ausländischen Wurzeln, die sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden haben. 309 waren es im vergangenen Jahr, allein von Mai bis Mitte November 141. Einige davon erleben an diesem Sonntagvormittag die Feierstunde im Kleinen Saal des CongressCentrums mit. „Bringen Sie sich ein in die Stadtgesellschaft“, ruft ihnen Oberbürgermeister Gert Hager zu: „Wir sind alle Pforzheimer.“

Sich zu Deutschland zu bekennen, sollte ein reiflicher Entschluss sein, betonte der OB. Man benötige ein Grundwissen über die neue Heimat. Wer noch nicht lange hier ist, habe einen Einbürgerungstest zu absolvieren. Die eigenen Wurzeln müsse keiner verleugnen. „Es kommt nicht darauf an, wo jemand herkommt, sondern darauf, was er leistet und wie er sich einbringt“, betonte Hager.

Mittendrin in der Gesellschaft

Dies sei die Voraussetzung für Integration, aber auch die Offenheit der Gesellschaft im neuen Heimatland: „Da lässt sich noch manches verbessern, wie die politischen Diskussionen zeigen.“ Pforzheim sei eine internationale Stadt geworden. Das Bekenntnis der Menschen „zu Pforzheim, zu unserem Land, zur Bundesrepublik“ könne man nur begrüßen.

Sie kommen aus Kroatien, Italien oder der Türkei, aus Ägypten, dem Irak oder eben aus dem Libanon. Vor elf Jahren habe sie zum ersten Mal überhaupt ihre Heimat verlassen und sei auf dem Flughafen Düsseldorf angekommen, berichtet Hasnaa Dahabi. Für sie als Frau sei dies alles andere als selbstverständlich gewesen. Ja, auch Angst sei unter der „Flut“ von Gefühlen gewesen. Aber sie habe ihren ganzen Mut zusammengenommen: „Das klappt schon.“ Ohne jede finanzielle Hilfe habe sie sich einen Job gesucht, als Honorarkraft bei der Stadt und für „pro familia“ gearbeitet. Inzwischen hat die junge Frau ihr Studium der Islamischen Theologie abgeschlossen und kümmert sich als städtische Sachbearbeiterin um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. „Mein Ziel war es, in der Mitte der deutschen Gesellschaft anzukommen“, sagt Dahabi. Sie fühle sich als Deutsche: „Hier ist mein Lebensmittelpunkt.“

Es ist Folge des städtischen Sparkurses, dass die von Pop-Geiger Noah Bahcecioglu umrahmte Einbürgerungsfeier nicht mehr im Sommer separat, sondern am Rande des Neujahrsempfangs stattfindet. Hager hält es aber auch inhaltlich für sinnvoll, die Feier mit diesem „großen Ereignis für die Bürgerschaft“ zu verbinden.