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26.09.2008

Pforzheimer beeindruckt vom "Baader Meinhof Komplex"

PFORZHEIM. Zehn Jahre Terrorgeschichte in 150 Minuten Kinofilm gepresst - der neue Streifen von Bernd Eichinger bringt die Geschichte der deutschen Terrororganisation RAF auf die Leinwand. Am Donnerstag feierte der Film auch in Pforzheimer Kinos Premiere.

"Wir bauen eine Gruppe auf", verkündet Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin von der Leinwand herab. "Wir wollen die politischen Verhältnisse ändern." Im Saal herrscht Beklemmung: Sehr überzeugend spielt die Elite der deutschen Schauspieler die Terrorgruppe um Andreas Baader und Ulrike Meinhof.

Vor dem Kinosaal 5 im Pforzheimer Cineplex bildet sich am Donnerstagend eine Menschentraube, als der Film vorüber ist. Es herrscht Redebedarf, der Film hat bei den Zuschauern Eindruck hinterlassen - insbesondere bei den jüngeren.

"Heftig", findet eine junge Frau den Film. Und fügt hinzu: "Beeindruckend." Im positiven wie im negativen Sinnne. "Es ist eigentlich gut, dass man was bewegen möchte", meint sie. "Aber ich finde es negativ, wenn dabei Waffen zum Einsatz kommen."

Ein junger, männlicher Zuschauer sagt: "Die Realitätsnähe fand ich sehr bedrückend. Normalerweise kann man sagen, naja, das hat sich jemand ausgedacht. Aber in dem Fall ist das so nicht möglich."

Bei Filmen, die sich mit historischen Ereignissen beschäftigen, kommt oft der Vorwurf der Verherrlichung auf. Beim "Baader Meinhof Komplex" also die der Terrororganisation RAF. Ein Zuschauer bemängelt, "dass der Linksextremismus und die RAF ein Stück weit heroisiert werden."

Zu Beginn des Films können beim Zuschauer durchaus Sympathie und Verständnis für die Aktionen der RAF-Mitglieder entstehen. Doch spätestens nach der Hälfte des Films kippt die Stimmung, meint ein Zuschauer: "Da wird jedem klar, dass das Ganze einfach ein übertriebener Gewaltexzess war."

Trotz der eher langen Spielzeit von 150 Minuten entsteht beim "Baader Meinhof Komplex" nie Langeweile, für Action ist ausreichend gesorgt. Eine gewisse Vorkenntnis über die RAF-Zeit ist allerdings beinahe Pflicht, da einige Zusammenhänge nicht oder nur kurz erklärt werden. Auch wenn einige Kritiker dem Film vorwerfen, er würde nichts Neues über die RAF erzählen, so hat Produzent Bernd Eichinger doch zumindest eines geschafft: Die Baader-Meinhof-Gruppe ist wieder in der öffentlichen Diskussion. Und damit im Bewusstsein der Menschen.