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Lange Einkaufsnacht in Pforzheim © Ketterl
05.12.2010

Pforzheimer erfreuen sich an langer Einkaufsnacht

PFORZHEIM. "Der Einzelhandel spürt deutlich an seinen Umsätzen, dass viele Firmen in diesem Jahr wieder Weihnachtsgeld bezahlen". Horst Lenk, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Pforzheim, zieht eine positive Bilanz über das Weihnachtsgeschäft in der vergangenen Woche inklusive der Langen Einkaufsnacht am Samstag bis 24 Uhr. Der Erlebniseinkauf im Lichterglanz der Goldstadt sei bei den Kunden hervorragend angekommen. Dazuhätten auch die von der PZ unterstützte Eisbahn "City on Ice" auf dem Marktplatz mit ihrem Winterzauber und der 39. Goldene Weihnachtsmarkt beigetragen, der nicht nur Besucher aus Pforzheim und dem Enzkreis anlocke, sondern auch Kunden aus dem Großraum Karlsruhe und Stuttgart.  

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"Ich habe mich über eine unglaublich starke Umsatzwoche gefreut", sagt Rolf Spiertz, Geschäftsführer von C & A in Pforzheim und stellvertretender Vorsitzender des Pforzheimer Einzelhandelsverbandes. Noch stärker als der Umsatz bei der Langen Einkaufsnacht sei das Geschäft am Freitag gewesen. "Um 18 Uhr hatten wir bereits unser gesamtes Vorjahresergebnis in der Tasche", freut er sich. Ob Jacken, Mützen, Schals oder Pullover - alles was winterlich sei, finde derzeit reißenden Absatz. "Die Kunden kommen, suchen sich bewusst etwas aus, achtenauf Qualität und kaufen dann auch", sagt er. Dabei seien die meisten bereit, wieder etwas mehr als im Jahr 2009 auszugeben. Bei der Langen Einkaufsnacht am Samstag habe die starke Kundenfrequenz allerdings erst gegen 11 Uhr eingesetzt, da viele Bürger wohl erst einmal ausgeschlafen hätten. Am frühen Nachmittag habe es dann ein kleines Loch gegeben, wobei die Kundenfrequenz gegen 15 Uhr wieder angestiegen sei und zwischen 17 und 18 Uhr einen Höhepunkt erreicht habe. Das besätigt auch Horst Lenk, der von einer "sehr positiven und kauffreudigen Stimmung" spricht. Gegen 21 Uhr sei das Geschäft dann wieder abgeflacht.

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"Zeitweise waren die Imbissständeauf demWeihnachtsmarkt bei der Langen Einkaufsnacht so umlagert von Kunden, dass ich meinen Currywurst-Hunger bis gegen 22 Uhr aufgeschoben habe, als etwas weniger Betrieb am Stand des Pforzheimer Festwirts Manfred Hörrmann war, wo meine Ehefrau Renate bereits im dritten Weihnachtsmarkt-Jahr mit voller Begeisterung direkt vor dem C & A Würstchen und Pommes verkauft", sagt Rolf Spiertz. "Ich glaube, an mir ist eine Schaustellerin verloren gegangen, denn ich freue mich das ganze Jahr über darauf, zwei Mal jährlich - beim Weihnachtsmarkt und bei der Pforzemer Mess - wieder im Imbisswagen zu stehen. Die Hörrmanns sind wie eine zweite Familie für mich", bekennt Renate Spiertz.

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Apropos Familie: Die hat die 67-jährige "Tante Emma" vom Weihnachtsmarkt, Marktfrau Gertraud Hötz, nicht nur mit Tochter Birgit (36) und Sohn Klaus (44) im Süßwarenstand neben sich, sondern in manchen Stammkunden auch direkt vor sich. "Sie kommen zum Teil aus Riechen bei Heilbronn, Liebenzell, Schömberg, Karlsruhe und Stuttgart, weil sie mit mit ein Schwätzchen halten wollen und von unseren Produkten überzeugt sind. Da macht es mir dann überhaupt nichts aus, von morgens bis wie bei der Langen Einkaufsnacht um 24 Uhr auf den Beinen zu sein", sagt die "gute Seele der Marktfrauen". "Wenn es mir dann mal ein bisschen viel wird, nasche ich von meinen eigenen Mohrenköpfen und dann habe ich wieder Energie. Zucker ist schließlich gut für die Nerven", so Hötz. "Meine Mutter ist fitter als ich", bestätigt ihre Tochter Birgit. Der Süßwarenstand sei eben das beste Fitness-Studio "und meine Mutter ist immer da".

Nicht weit davon entfernt erstrahlt das "Goldene Kaffee" von Waffelbäcker Alexander Schreiber, wo auch Oberbürgermeister Gert Hager öfter mal eine süße Waffel mit Sahne und Kirschengenießt und dann ganz schweigsam ist. Eine gute Beobachterin ist auch FDP-Stadträtin Monika Descharmes, die erstmals bei der Jury zur Bewertung der schönsten Weihnachtsstände dabei war und viele Stadträte beim Wurstessen noch nie zuvor so schweigend erlebt hat. "Willst Du einen Stadtrat mundtot machen, dann gib ihm eine Wurst und einen Glüchwein vom Weihnachtsmarkt", sagte sie. Etwas anders drückte sich ein 43-jähriger Mann aus Mühlacker aus, der etwas ungeduldig auf die Kleider-Anprobe seiner Frau im Modehaus Lenk wartete. "Wenn das so weitergeht, muss die Lange Einkaufsnacht von 24 Uhr auf zwei Uhr morgens verländert werden", sagte er etwas unwirsch auf dem Wartebänkchen im Modehaus. Auch wenn es den Einzelhandel in Mühlacker ärgere, er liebe es trotzdem, in der Goldstadt einzukaufen. Kundin Ulla don von Yrsch, die beim Weihnachtsmarkt im VolksbankHaus einen originellen Frosch-Anstecker gekauft hat, gibt ihm Recht: "Dieser Weihnachtsmarkt im VolksbankHaus ist einfach genial. Da stimmt alles - vom Angebot über die tolle Atmosphäre bis zur geschmackvollen Weihnachtsdekoration", sagt sie. Solche Worte freuen Künstlerin Claudia Eckert, die Vintage-Medaillons und Weihnachts-Papeterie herstellt sowie die Mit-Organisatorin Ute-Friedrich, die mit einem Glas Sekt auf ihr Durchhalte- und Standvermögen von morgens bis 22 Uhr anstößt. "Ich hätte jetzt die Gelegenheit, noch zwei Stunden über den Goldenen Weihnachtsmarkt zu bummeln, aber mir tun die Füße derart weh, dass ich das jetzt lieber lasse und zu einem anderen Zeitpunkt ausgeruht den Weihnachtsmarkt und die Eisbahn besuchen werde", sagt sie.

Ob bei Galeria Kaufhof, in der Schlössle-Galerie, in den Schmuckwelten oder in den kleineren Pforzheimer Einzelhandesfachgeschäften - überall herrschte bei der Langen Einkaufsnacht eine Stimmung, wie sie beim Weihnachts-Preisrätsel des CityMarketing mit dem Wort "Diamantenfunkeln in der Goldstadt" beschrieben wird: festlich und glänzend, golden und erlebnisreich mit vielen Aktionen in den Geschäften.Und der riesige goldene Weihnachtsengel am Süßwarenstand von Gertraud Hötz und ihrer Tochter scheint ein Symbol dafür zu sein, den wahren Sinn des Weihnachtsfestes nicht ganz aus den Augen zu verlieren. "Es geht auch darum, den Menschen ein bisschen das Leben zu erleichtern, ihnen zu helfen oder ein Wort des Mitgefühls oder Trostes zu spenden, wenn sie dies wünschen. Oder einfach nur mit ihnen einen kleinen Plausch zu halten und ihnen mit etwas Nettem als Zugabe das Leben zu versüßen", sagt die lebenserfahrene Marktfrau mit dem großen Herz und offenem Ohr. Und dasnicht nur in der Vorweihnachtszeit. roger rosendahl

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