nach oben
Der Mut der Niederländer, neue Ideen anzupacken und umzusetzen, begeisterte die Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter, hier vor der Möbelmanufaktur „Piet Hein Eek“ in Eindhoven. Privat
Der Mut der Niederländer, neue Ideen anzupacken und umzusetzen, begeisterte die Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter, hier vor der Möbelmanufaktur „Piet Hein Eek“ in Eindhoven. Privat
08.07.2015

Pforzheimer wollen beim Städtebau von Holländern lernen

Pforzheim. Die Stadt Pforzheim ist im Umbruch. Stichworte sind aktuelle Themen der Innenstadtentwicklung – „Leitbild Innenstadt Pforzheim“, „Nutzungskonzept Innenstadt“ und „Pforzheim-Mitte“: Überlegungen, die zusammengehören. Verwaltung und Gemeinderat haben sich 65 Stunden Zeit genommen, um sogenannte „Best-Practice-Beispiele“, also sehr gute Anschauungsobjekte, anzusehen.

Pforzheim sei inhaltlich bereits sehr weit, nun brauche es den Mut der Umsetzung, so Oberbürgermeister Gert Hager: „Im Unterschied zu Deutschland, wo alles bis ins Detail durchgeplant wird, besteht in Holland ein Geist der Ermöglichungskultur. Bei den zahlreichen Projekten, die wir besichtigt haben, stand immer eines im Vordergrund: das Machen.“

OB Hager: „ganz wichtige Reise“

Das ehemalige Philips-Gelände in Eindhoven war eine der Stationen der Tour. Die Pforzheimer besichtigten eine Design-Manufaktur, ein integriertes Einkaufsquartier, die Quartiersentwicklung in Amsterdam, die Kultur-Markt-Gastronomie, ein Mode-Quartier sowie ein Kunst- und Kulturzentrum. Es wurde viel erklärt und gefragt. Etliche Ideen wurden aufgegriffen und angesprochen. „Eine Bereicherung für alle Teilnehmer, die ein Gefühl dafür entwickeln konnten, dass unsere zahlreichen Ansätze in der Stadt Pforzheim einem gemeinsamen Ziel dienen“, berichtet Stadtplaner Michael Wolf. Das Ziel scheine mehr denn je erreichbar. Die Themen des Pforzheimer Leitbildes Innenstadt – Vielfalt, Flexibilität, Bildung, Natur, Design und Präzisionstechnik zusammen mit dem Nutzungskonzept – all dies könne funktionieren.

Ein vergleichbarer Ansatz funktioniere etwa bei der Umnutzung des ehemaligen Philips-Gebäudes in Eindhoven. Räume, bei denen eine andere Nutzung ursprünglich nicht für möglich galt, bekamen im Laufe der Monate und Jahre ein neues Gesicht. Es gebe viele Wahrheiten, unterschiedlichste Themen lägen auf der Straße, und „die richtigen Leute müssen zusammengebracht werden“, sagt Martin Göckler, zuständig im Rathaus für das Leitbild und Nutzungskonzept Innenstadt. Dann würden aus guten Ideen Realität.

Für OB Hager war dies eine „ganz wichtige Reise“ in die Welt der Umsetzungsmöglichkeiten: „Wir konnten eine Vielzahl von gelungenen Beispielen der Umsetzung selbst ansehen. Es funktioniert, es ist möglich – so lautet die Botschaft, mit der wir alle gestärkt in den Pforzheimer Prozess zurückkommen“.

Stadtplaner will durchstarten

Es sei vor allem diese holländische „Ermöglichungskultur“ gewesen, die den Teilnehmern besonders gefallen habe: Menschen, die etwas verändern wollen, müssten angenommen und zusammengebracht werden; Lösungen würden gesucht und gefunden. Dann werde „einfach mal etwas ausprobiert“. In Deutschland stehe schon mal das Baurecht vor einer schnellen Lösung. Die Holländer, so Hager, seien beim Thema Stadtumbau ein Stück weiter als die Städte in Deutschland. Im Lichte dieser Holland-Erfahrungen werde erstmals so richtig deutlich, wie notwendig die bisherigen und grundsätzlich angestellten Überlegungen seien. „Bisher waren wir beim Warm-up und Volltanken, jetzt sind wir an die Startlinie vorgefahren und wollen loslegen“, so Stadtplaner Wolf. pm

Leserkommentare (0)