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Christoph Quarch ist Philosoph und Spiele-Fan.  Fischle
Christoph Quarch ist Philosoph und Spiele-Fan. Fischle
02.12.2017

Philosoph Christoph Quarch bricht eine Lanze für das Nicht-Ökonomische

Auf Einladung des Vereins Goldader Bildung hat der Philosoph Christoph Quarch am vergangenen Mittwochabend zum Thema Spielen ins Kulturhaus Osterfeld referiert. Unterstützt wurde er durch das Theater-Duo „Q-Rage“ aus Ludwigsburg. Die beiden Schauspieler moderierten auch die Podiumsdiskussion im Anschluss Ralf Birkner, Mitarbeiter bei Spielmobil, Carsten Kraus, Geschäftsführer der Pforzheimer Firma Fact-Finder sowie dem ehemalige Spieler des FC Bayern München Edgar Schneider.

„Jede Form von Kultur hat sich aus dem Spiel entwickelt“, philosophierte Quarch. Schon im antiken Griechenland seien sogenannte Kultspiele, die Vorform des Schauspiels, von großer Bedeutung gewesen.

Doch wie sehe es heute im digitalen Zeitalter aus? Man müsse erkennen, welche Spiele schädlich seien, erklärte Quarch, dazu gehörten solche, deren Spielzeit und Spielfeld nicht begrenzt seien. Richtige Spiele seien solche, die nicht auf ökonomischem Denken basierten, also nicht vernünftig, nützlich oder profitabel seien. Viel mehr ginge es darum, sich frei und lebendig zu fühlen, kreativ zu sein und sich in verschiedenen Situationen auszuprobieren.

Das Pendant zum Spielen ist laut Quarch das ökonomische Denken. Menschen, die immer rational und vernünftig handelten und dabei nur auf den eigenen Vorteil bedacht seien, nennt er Homoökonisten.

Generell warnt er vor der Idee, Spielen als Mittel zum Zweck zu sehen. So sei auch das Glücksspiel an Automaten kein Spiel, weil man damit Geld verdienen wolle. Besser sei es, mit Freunden ins Casino zu gehen, um einen schönen Abend zu verbringen. Es solle dabei jedoch nicht ums Gewinnen gehen.

Quarch stellt immer wieder klar: „Spielen genügt sich selbst.“ Natürlich wolle man beim Spielen gewinnen, das gehöre schließlich zur Logik eines Spiels. Wichtiger sei es aber, ein gutes Spiel zu machen und sein Bestes zu geben. Der wirtschaftliche Gewinn hingegen solle nicht im Vordergrund stehen. Dem stimmte der ehemalige Bayern-Spieler Edgar Schneider zu, beim Fußballspiel sei seine Mannschaft damals aufs Spiel, nichts aufs Geld fokussiert gewesen.

Ralf Birkner, Mitarbeiter bei Spielmobil, kritisierte, dass Kinder in unserer von Erwachsenen geprägten Welt unter großem Leistungsdruck stünden und kaum noch Zeit zum Spielen hätten. Man solle ihnen mehr vertrauen und sie einfach Kind sein lassen. Auch Erwachsenen tue es gut ein bisschen Kind zu sein.

Carsten Kraus, Geschäftsführer der Pforzheimer Firma Fact-Finder, spielt in seiner Freizeit gerne Live-Rollenspiele, eine Art Improvisationstheater ohne Zuschauer. Dabei geht darum, in Kostümen einen Charakter darzustellen und sich auszuprobieren.