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Anita Greupner desinfiziert eine Liege bei Reha Prax. Das „D“ ist der Hinweis darauf, dass bereits desinfiziert wurde.  Foto: Moritz 

Physiotherapeuten aus der Region klären ihre Kunden auf, wo es nur geht

Pforzheim. Seit dem Wochenende erlebt Hans Georg Reinert, Betriebsleiter bei Reha-Prax, eine zunehmende Verunsicherung bei seinen Kunden. Die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Wochenende, dass Schließungen von Friseuren und Massagepraxen angezeigt seien, habe zu Verwirrung geführt.

Natürlich seien Heilbehandlungen, die aufgrund von ärztlichen Verordnungen in einer Physiotherapiepraxis erfolgen, weiterhin erlaubt, so Reinert. Für einen Schlaganfallpatienten etwa sei es wichtig, sofort und dauerhaft versorgt zu werden. Reinert konstatiert aber, dass vermehrt Pflege- und Altenheime den Zugang zu Patienten verwehrten. Den Grund sieht er in den bereitzuhaltenden Desinfektionsmitteln und Kitteln. Das gehe für die Heime ins Geld. In seine vier Praxen in Pforzheim und Königsbach-Stein drängten indes immer mehr chirurgisch-orthopädische Fälle, deren Operation wegen der Vorbereitung auf Corona-Patienten verschoben worden seien.

Pforzheim

Therapeutin fühlt sich im Stich gelassen - Politik in der Pflicht

Frühzeitig hätten sich die 30 Mitarbeiter mit den Hygieneregeln vertraut gemacht, und Handdesinfektion, Abstandshalter und genügend Platz zum Nächsten gehörten seit Februar zum Standard. Für eine Absage bekomme er zwei neue Kunden. Für die großen Praxen seien die verschärften Regeln kein Problem, die kleinen würden sterben, so seine Prognose.

Das Acura Wagner Gesundheitszentrum mit seinen 70 Mitarbeitern hat unter anderem einen Reha- und einen Physiotherapiebereich. Geschäftsführerin Siegrid Metzler hat eigens eine Therapeutin abgestellt, um stündlich alles zu desinfizieren, was die Patienten in die Hände nehmen. Regelmäßige Vorträge, Plakate und Eingangsgespräche bei der Reha-Maßnahme sollen auf die Hygienestandards aufmerksam machen, damit Patienten nicht aus Verunsicherung wegbleiben. Denn postoperative Versorgung, etwa bei einem implantierten Kniegelenk, sei unabdingbar, sagt Chef-Physiotherapeut Konstantin Larsen.

Der Physiotherapeut Tim Großmann und sein Team bekommen in der Praxis an der Schwarzwaldstraße die Verunsicherung und den Informationsbedarf der Patienten immer mehr zu spüren, je länger die Krise dauere. Seit zwei Wochen gebe es kaum Neukunden und einige Absagen. Bei älteren Menschen rate er je nach Dringlichkeit von sich aus, die Behandlung zu verschieben, sagt Großmann. „Wir wollen aber für diejenigen, die kommen, da sein.“ Die erforderliche Hygiene durch Desinfektion, Abstand der Patienten zueinander und bei bestimmten Behandlungen auch durch Mundschutz sei erfüllt. Bislang konnte er Kurzarbeit vermeiden. Wie es weitergehe, entscheide sich von Tag zu Tag, sagt er.

Martina Schaefer

Martina Schaefer

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