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Verabschiedet: Das Schulleiter-Ehepaar Rotraut Utz-Schley und Johann Utz mit Bildern aus früheren Zeiten.
Verabschiedet: Das Schulleiter-Ehepaar Rotraut Utz-Schley und Johann Utz mit Bildern aus früheren Zeiten. © Ketterl
22.07.2011

Pioniere der Kinderförderung verabschiedet

PFORZHEIM. Der blinde Schüler Martin Gensberger spielt im Turnsaal der Anna-Bertha-Königsberg-Schule zum Abschied des Schulleiter-Ehepaares Johannes Utz und Rotraut Utz-Schley den Türkischen Marsch von Mozart. Der Applaus des Publikums ist zugleich Beifall für ein Ehepaar, das Stadtgeschichte geschrieben hat und nach den Worten von Frank-Johannes Lemke, Vorstandsvorsitzender des Pforzheimer Caritasverbandes, dazu beigetragen habe, dass viele benachteiligte Menschen eine Lebensperspektive bekommen hätten.

„Ihr Einsatz für die Schule war Einsatz für die Schüler“, sagte Lemke und blickte in Richtung dieses Schulleiter-Ehepaares, das fast 40 Jahre segensreich gewirkt und Pinonierarbeit bei Kindern mit schwerer Beeinträchtigung geleistet habe. Passend auf diese Eheleute sei der Sinnspruch: „Was Du in anderen entzünden willst, muss in Dir selbst brennen.“

„Sie haben diese Schule aus einer kleinen Keimzelle aufgebaut. Bei ihnen haben Kinder gelernt, Leben zu lernen“, so Lemke. Das Ehepaar Utz habe gesellschaftspolitisch aufgezeigt, dass eben doch vieles gehe, was man zuvor als unmöglich eingestuft habe.

„Diese Pforzheimer Gemeinschaftsschule ist Vorreiter in Baden-Württemberg, die als erste Schule Kinder mit mehrfacher Behinderung aufgenommen hat“, sagte Sozialbürgermeisterin Monika Müller. Sie bezeichnete das Ehepaar Utz als „Seelen der Schule“.

Im öffentlichen Schuldienst gibt es das nicht, dass ein Ehepaar zusammen an der selben Einrichtung unterrichtet und die Schule jahrzehntelang gemeinsam leitet. „Bei einer Privatschule in der Trägerschaft der Caritas ist das aber schon möglich“, sagt Rotraut Utz-Schley im Gespräch mit der PZ am Tag ihrer offiziellen Verabschiedung. Es habe sich im Laufe der Jahre einiges verändert, so Utz-Schley im Gespräch mit der PZ. Als sie 1975 – damals noch in Huchenfeld – mit zwölf Kindern und drei Lehrkräften diese wichtige Arbeit mit behinderten Kindern begonnen habe, seien Sonderschullehrer ganz rar gewesen. Immer mehr Interessierte studierten inzwischen Fächer in diesem Sonderschulbereich mit verschiedenen Spezialisierungen. „Heute haben wir 70 Mitarbeiter, die sich um 115 Schüler aus Pforzheim und dem Enzkreis kümmern und in den Klassen eins bis sechs unterrichten“, betont sie. Neben Erziehung und Sonderschullehrern seien auch Physio- und Ergotherapeuten tätig, damit die Kinder eine ganzheitliche Betreuung und Förderung erfahren.

Was sich in den 40 Jahren so alles verändert habe, sehe man nach den Worten von Utz-Schley schon daran, „dass wir im Jahr 1971 als damals noch unverheiratetes Paar unserer Wohnungs-Vermieterin Emilie Käser in Heimsheim versprechen mussten, bald zu heiraten. Sonst hätten wir die Wohnung damals nicht bekommen“.

Mit handwerklichem Geschick werde auch das eigene Haus in Neubärental renoviert, „so dass es uns im Ruhestand sicherlich nicht langweilig werden dürfte“, sagt die Pforzheimer Pionierin in der Förderung von Kindern mit schwerer Beeinträchtigung.