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In etwa so könnte es werden: Die Visualisierung des ten-Brinke-Entwurfs für den Platz hinter dem Rathaus (links das Alte Rathaus), wie es der potenzielle Investor im Sommer vorgestellt hatte. Das Konzept mit den zwei großen Baukörpern rechts zur Deimlingstraße hin ist seitdem noch etwas überarbeitet worden.
In etwa so könnte es werden: Die Visualisierung des ten-Brinke-Entwurfs für den Platz hinter dem Rathaus (links das Alte Rathaus), wie es der potenzielle Investor im Sommer vorgestellt hatte. Das Konzept mit den zwei großen Baukörpern rechts zur Deimlingstraße hin ist seitdem noch etwas überarbeitet worden.
13.10.2018

Pläne für City-Ost – zwei Schritte vor, einen zurück

Nach dem Aus für die Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt gilt der Blick dem zweiten Vorhaben, von dem sich die Befürworter eine großangelegte Weichenstellung in eine gute Zukunft für Pforzheim versprechen und das seine Gegner für ein Prestigeprojekt halten: die Innenstadtentwicklung Ost für das Areal zwischen Waisenhausplatz, Deimlingstraße, Schloßberg und Neuem Rathaus.

Was sich auf offizieller Ebene nun getan hat: Am Donnerstagabend tagte der vergrößerte Projektbeirat, dem neben Stadträten und Bauexperten auch Vertreter des öffentlichen Lebens in Pforzheim angehören. Die Sitzung fand nichtöffentlich statt, aber nach PZ-Informationen lässt sich Folgendes sagen: Die Wettbewerbsjury hat sich klar für den städtebaulichen Entwurf, das Nutzungs- und das wirtschaftliche Konzept des potenziellen Investors ten Brinke ausgesprochen, und dies mit sehr hohen Zustimmungswerten. Der erweiterte Projektbeirat folgt dieser Empfehlung mit überaus deutlicher Mehrheit. Das Konzept sieht – wie im Juni bereits öffentlich vorgestellt – später eine Bebauung der Nordseite der Östlichen Karl-Friedrich-Straße hin zum Schloßberg vor, zunächst vor allem aber ganz konkret zwei große Baukörper auf dem Parkplatz zwischen Neuem und Altem Rathaus und Stadtbibliothek. Diese sollen wie bereits die Bibliothek der Rundung der Deimlingstraße folgen. Die Gebäude beinhalten Verwaltungsflächen als Ersatz fürs denkmalgeschützte Technische Rathaus, das marode ist und abgerissen werden soll, dazu Wohnungen, eine Kita im Dachgeschoss, in den tieferen Etagen Gastronomie und Handel. Hierbei sind als größere Geschäfte wohl ein Rewe-Supermarkt, ein Elektronikmarkt (etwa Saturn) und ein Drogeriemarkt (es könnte Rossmann sein) vorgesehen. Auch das wirtschaftliche Konzept hat überzeugt, genau wie die von ten Brinke angebotene Vertragsgestaltung, die der Stadt weitgehende Mitsprache einräumen soll. Dies war einigen Beteiligten besonders wichtig, denn der Investor steht im Ruf, seine Vorstellungen robust umzusetzen. Der zweite verbliebene Investor konnte mit einem stark überarbeiteten Entwurf nicht punkten, trotz einer von vielen gewünschten Einbeziehung des bestehenden Technischen Rathauses.

Wie es weitergeht: Als nächstes kommt das Ringen um politische Mehrheiten im Gemeinderat. Nach der nun getroffenen Entscheidung, den Weg mit ten Brinke zu gehen, soll der Gemeinderat noch vor Weihnachten darüber abstimmen, in die so genannte Angebotsphase einzutreten. Aus dieser heraus sollen das Vertragswerk und die endgültige Planung erarbeitet und dann erneut beschlossen werden, danach geht es an die Realisierung. Die Gegner des Vorhabens wollen es – vermutlich nach der nächsten Gemeinderatsentscheidung zum Thema – mittels eines Bürgerbegehrens mit anschließendem Bürgerentscheid zu Fall bringen. Die dafür erforderliche Wahlbeteiligung von mindestens 20 Prozent ist aber eine hohe Hürde.

Warum vieles auf eine Realisierung hindeutet: Zum einen, weil sich auch OB Peter Boch, vor seiner Wahl und zu Beginn seiner Amtszeit 2017 noch ein Skeptiker, mittlerweile eindeutig zu dem Vorhaben bekennt. Das hat Gewicht. „Ich möchte alles dafür tun, dass dieses Vorhaben realisiert werden kann“, sagte er gestern zur PZ. Zum zweiten, weil sich bislang die Gerüchte in Luft auflösten, wonach ten Brinke einen Besatz mit Billig-Einzelhandel vorsehe. Das Gegenteil sei der Fall, versichern Insider nach Beobachtungen auf der als maßgeblich geltenden Immobilienmesse Expo Real. Ebenfalls dort habe ten Brinke ein solches Interesse an Pforzheim gezeigt, dass auch Gerüchte von einem sich abzeichnenden Abspringen des Investors nichts anderes sein könnten als gezielt gezündete Nebelkerzen.

Weshalb das Vorhaben dennoch stärker strauchelt als gedacht: Weil mit der dreiköpfigen Gemeinderatsfraktion der Grünen Liste womöglich mit die treuesten Unterstützer von der Leine gehen (die anderen sind die SPD und weit überwiegend die CDU), ohne die angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse im Ratssaal eine Zustimmung derzeit ausgeschlossen scheint. Der Grund: Nach den Worten des Fraktionsvorsitzenden Axel Baubusch überzeugt der ten-Brinke-Entwurf städtebaulich nicht so stark, dass man dafür ohne weiteres den von der Grünen Liste ungern gesehenen Abriss des Technischen Rathauses in Kauf nehmen würde. Einen überzeugenden Entwurf hatten sie stets zur Bedingung dafür gemacht. In ihrer nächsten Fraktionssitzung und mit den Mitgliedern will die Grüne Liste nun entscheiden, ob sie dennoch wegen städtebaulicher Erwägungen mitgeht oder mit Nein stimmt.

Für letzteren Fall nennt Baumbusch als Gegenentwurf eine Bebauung entlang der Östlichen zum Schloßberg hin durch die Arbeitsgemeinschaft Pforzheimer Wohnungsbau-Unternehmen, die als Einzelne in jüngerer Zeit mit vielfach preisgekrönten Objekten bewiesen hätten, dass sie die nötige Qualität draufhätten. Zudem solle entlang des Deimlingstraßen-Bogens ein Verwaltungs- und Wohngebäude gebaut werden und das Technische Rathaus als Baukörper erhalten, aber danach nicht mehr als Verwaltungsgebäude genutzt werden.