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Rund 800 Meter lang  wäre eine Untertunnelung der Östlichen und Westlichen mit Ein- und Ausfahrten an der Einmündung Schulberg (rechts) und dem Benckiserpark.
Rund 800 Meter lang wäre eine Untertunnelung der Östlichen und Westlichen mit Ein- und Ausfahrten an der Einmündung Schulberg (rechts) und dem Benckiserpark.
24.11.2008

Plan für Tunnel unter Leopoldplatz ausgearbeitet

PFORZHEIM. Mit dem Ausweisen einer Fußgängerzone zwischen Schloßberg und Leopoldplatz war einst die Ost-West-Achse unterbrochen werden. Mit einem Tunnel könnte der Verkehr wieder wie früher fließen.

Die Untertunnelung des Leopoldplatzes ist keine Utopie. Ulrich Kollmar, der „Techniker“ im Verein „Pforzheim mitgestalten“ hat sich mit einer solchen Vision befasst, die seiner Meinung nach keine sein muss. Denn: „Diese Variante ist machbar, kostet natürlich etwas, man muss aber auch eine Erfolgs-Gegenrechnung aufmachen“, bemerkte Kollmar im Gespräch mit der PZ. Er stellt sich vor, den Verkehr zwischen dem Schulberg und dem Benckiserpark unter die Erde zu verlegen.

Immer mal wieder im Gespräch

Verkehrstrassen in der Innenstadt unterirdisch zu verlegen, diese Idee kommt immer wieder. So erinnert sich Kollmar auch daran, dass in den 50er-/60er-Jahren schon einmal ein Leo-Tunnel im Gespräch gewesen sei. Der Architekt Karl Zeitler hat in Zusammenhang mit dem Bauprojekt „Aufbau 73“ (das gelbe Haus) vor drei Jahrzehnten eine tiefer gelegte Zerrennerstraße vorgeschlagen, um diesen Bereich zu beruhigen.

Der damals neue gewählte Oberbürgermeister Joachim Becker hatte in seiner ersten Haushaltsrede im November 1985 angekündigt, er lasse eine Untertunnelung der Zerrennerstraße untersuchen, „denn so könnte die Zerschneidung des Raumes Marktplatz und Waisenhausplatz aufgehoben werden“. Auch ein Tunnel unter der Schloßberg-Auffahrt war lange Zeit im Gespräch. Als „kühnes Vorhaben“ bewertet wurde 1981 der Vorschlag des Architekten Eberhard Geiss, der „Hausarchitekt“ der Sparkasse, unter dem Leopoldplatz eine Fußgängerpassage mit Ladengeschäften zu schaffen, um die City attraktiver zu machen.

Schließlich war es der heutige Bau- und Planungsbürgermeister Alexander Uhlig, der erneut für eine Untertunnelung der Zerrennerstraße war. Doch blieb es mit Blick auf die Kosten ein Wunschgedanke.

Nicht locker ließ jedoch der Verein „Pforzheim mitgestalten“. Erst vor Kurzem hatte er, die PZ berichtete, wieder sein Konzept eines Innenstadtrings mit sieben Kreisverkehren hervorgeholt. Nun erinnert Kollmar daran, dass der Verein schon vor drei Jahren bei Uhlig einen Vorstoß wegen einen Zerrenner-Tunnels unternommen habe. Im Mai dieses Jahres habe man erneut über Varianten, auch für die Östliche/Westliche gesprochen.

Zu viele Leitungen im Weg

Für Kollmar scheint die Lösung Zerrennerstraße kaum zu verwirklichen. „Da kommt man in Konflikt mit Strom, Telefon, Wasser und Abwasser. Zudem würde die Trasse nicht in direkter Ost-West-Linie verlaufen und müsste unter dem Wasserspiegel liegen. Das würde eine teure Bauweise erfordern.“

Daher hat er sich mit einem Tunnel unter dem Leopoldplatz beschäftigt, der rund eineinhalb Meter höher liegt als ein – stadteinwärts kommend – Einfahrtsbereich beim Schulberg und der Ausfahrt beim Benckiserpark. Tiefer als 2,80 Meter liegt keine Wasserversorgung. Zudem könnte die rund 800 Meter lange Trasse fast gerade geführt werden.

Kolmar, der seinen Plan von einem Ingenieurbüro untersuchen ließ, rechnet mit Kosten von 40 bis 50 Millionen Euro. Der Meisterntunnel in Bad Wildbad durch den Berg habe einst umgerechnet 45 Millionen Euro gekostet. Der Leo-Tunnel wäre aber nicht so aufwendig, weil er eine gerade Röhre sei und keine Abzweigung im Innern benötige. Wildbad hatte vom Land einen Zuschuss von 60 Prozent erhalten.

„Also könnte das Projekt mit langfristiger Finanzierung machbar sein“, sagt Kollmar, „um zusammen mit der Westtangente die angestrebte Beruhigung der Innenstadt zu erreichen.“ Die Unterlagen hat Kollmar an die Stadt weitergereicht.